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Mobilität in Deutschland (MiD) 2017

Sonderbericht: Analysen zum Radverkehr und Fußverkehr

Analysen zum Radverkehr und Fußverkehr
Analysen zum Radverkehr und Fußverkehr © Mobilität in Deutschland (mobilitaet-in-deutschland.de)

Studie "Mobilität in Deutschland 2017"

Wie oft und wie lange sind die Bürger unterwegs? Welche Verkehrsmittel nutzen sie? Zu welchem Zweck sind sie unterwegs? Die Studie "Mobilität in Deutschland (MiD) 2017" ist eine der umfassendsten Studien zur Alltagsmobilität weltweit und hat diese und viele andere Facetten der Mobilität erfasst. An der Studie des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur haben sich mehr als 60 regionale Partner beteiligt, um neben bundesweiten Kennwerten auch Informationen zur Alltagsmobilität vor Ort zu erhalten. Der 136 Seiten umfassende Ergebnisbericht wurde Ende Dezember 2018 veröffentlicht. Kapitel 11 widmet sich auf acht Seiten dem Fahrradverkehr.

Im Mai 2019 wurde ein sehr umfassender Bericht veröffentlicht, der das Thema Fahrrad vertiefend (auf rund 60 Seiten) betrachtet:

Weitergehende Analysen zur Entwicklung des Radverkehrs

Weitergehende Analysen zum Status quo und zur Entwicklung des Radverkehrs sind Gegenstand des gesonderten Berichtes "Analysen zum Radverkehr und Fußverkehr", der im Mai 2019 veröffentlicht wurde. Die Publikation umfasst 84 Seiten - von denen sich 60 Seiten mit allen Facetten des Radverkehrs beschäftigen - und bietet - neben dem Text - Tabellen, Diagramme und Schaubilder.

Der Bericht zeigt, dass viele Deutsche ein über die letzten Jahrzehnte eingeübtes Mobilitätsverhalten haben, das sich von unseren Nachbarn, insbesondere auf Kurzstrecken, unterscheidet. Während die Niederländer das Fahrrad wählen, gehen die Schweizer gerne zu Fuß. In Deutschland wird für Kurzstrecken immer noch viel zu häufig das Auto benutzt.

Betrachtet man die Entwicklung des Radverkehrs in Deutschland, so sind durchaus Lichtblicke zu erkennen, denn die mit dem Fahrrad zurückgelegten Wege und Kilometer stiegen weit überpoportional an. Während das Gesamtverkehrsaufkommen zwischen 2002 und 2017 um 5 Prozent abgenommen hat, nahm die Gesamtverkehrsleistung um 18 Prozent zu. Der Radverkehr hatte 2002 am Verkehrsaufkommen einen Anteil von 25 Mio. Wegen pro Tag, 2017 schon 28 Mio. Wege pro Tag (plus 13 Prozent). Bei der Verkehrsleistung gab es sogar eine Zunahme von 37 Prozent, von 82 Mio. Personenkilometern pro Tag im Jahr 2002 auf 112 Mio. Personenkilometer pro Tag im Jahr 2017.

Die mittlere Wegelänge, die in Deutschland mit dem Rad zurückgelegt wird, stieg von 2002 (3,2 km) bis 2017 (3,8 km) um 20 Prozent. Es wurde allerdings festgestellt, dass im Jahr 2017 Pedelecfahrende durchschnittlich 6,1 km zurücklegten. Die Forschenden gehen deshalb davon aus, dass ein großer Anteil der Pkw-Fahrten in den nächsten Jahren potenziell mit dem Fahrrad erstezt werden kann. Schaut man auf die Gesamttageskilometer aller erfassten mobilen Deutschen, zeigt sich, dass von 46 pro Tag zurückgelegten Kilometern nur 1,6 Kilometer auf das Fahrrad entfielen. Bei den Menschen, die am Berichtstag auch mit dem Fahrrad fuhren, betrug die durchschnittliche Tagesstrecke im Schnitt 29 Kilometer, wovon 9,3 Kilometer auf das Fahrrad entfielen.

Die Forscherinnen und Forscher ermittelten auch den Anteil der Personen, die am Stichtag das Fahrrad genutzt hatten: nämlich 15 Prozent (2002 = 12 Prozent). Auch hier gab es Unterschiede zwischen Stadt und Land: In Agglomerationen lag der Anteil der Radelnden bei 12 bis 18 Prozent, in ländlich geprägten Regionen zwischen 11 und 17 Prozent. Eine stagnierende Fahrradnutzung wurde in der den hügelig bis bergig geprägten Bereichen Deutschlands verzeichnet. Generell verzeichneten die Forschenden einen Anstieg des Fahrradanteils an allen Wegen, was auf die zunehmende Anzahl an Fahrradfahrenden zurückzuführen ist. Auch die zurückgelegten Fahrrad-Distanzen stiegen an. Die meisten Wege an Wochentagen dienen mit rund 70 Prozent dem Alltagsverkehr und nur zu einem Viertel dem Freizeitverkehr, an Sonntagen kehrt sich dieser Wert erwartungsgemäß um.

Die Deutschen besitzen pro Kopf 0,93 Fahrräder, so viele wie nie zuvor und damit so oft wie kein anderes Verkehrsmittel. Besonders Menschen über 65 holen beim Fahrradbesitz (62 Prozent der Haushalte) auf, eine große Rolle spielen hier natürlich Pedelecs.

Der Modal-Split-Anteil des Fahrrades nach Altersklassen ergab ein homogenes Bild von durchschnittlich 10 bis 11 Prozent, nur die 10- bis 19-Jährigen weisen einen höheren Anteil von 18 Prozent auf. Bei der Häufigkeit der Fahrradnutzung gab es bei Jugendlichen eine Verlagerung vom Land in die Metropolen. Nach Erwerb des Führerscheins, vor allem auf dem Land, fällt die mit dem Fahrrad zurückgelegte Entfernung rapide und nimmt erst ab einem Alter von 40 langsam wieder zu.

Die Forschenden betonen, dass das Fahrrad im Vergleich zum Auto, auch wenn der Radverkehrsanteil noch so niedrig ist, vor allem im urbanen Bereich zu einer deutlichen Umweltentlastung beiträgt und außerdem auf die Nutzenden positive gesundheitliche Auswirkungen hat.

Fahrradfahren ist bei rund 60 Prozent der Befragten (ab 14 Jahren) beliebt. 95 Prozent der Menschen, die besonders häufig radeln, stimmen der Aussage "ich fahre gerne Rad" zu. Städter fahren lieber Rad als Landbewohner. Radeln im Flachland wird dem in den Bergen vorgezogen. Die Schulnote in der Gesamtbewertung beträgt 2,6, wobei die Großstädter anspruchsvoller und mit der Situation naturgemäß etwas unzufriedener sind. In Städten mit sehr hohem Radverkehrsanteil sind die Menschen subjektiv zufriedener mit der Radverkehrsinfrastruktur, als in Orten mit weniger Radverkehr.

Die Studie zeigt Verlagerungspotenziale hin zum Rad auf. Beispielsweise werden in Deutschland 66 Prozent der kurzen MIV-Fahrten von monomodalen Autofahrenden durchgeführt, die vermutlich nur schwer zum Umstieg zu bewegen sind. Auch werden in Deutschland 43 Prozent der Kinder unter 10 Jahren mit dem Auto zur Schule gefahren und somit schon frühzeitig auf ein Verkehrsmittel geprägt, was später nur schwer wieder zu ändern ist.

Quelle und viele weitere Detail-Infos finden Interessierte in der kompletten Publikation:

Nobis, Claudia (2019): Mobilität in Deutschland - MiD Analysen zum Radverkehr und Fußverkehr.
Studie von infas, DLR, IVT und infas 360 im Auftrag des BMVI
FE-Nr. 70.905/15). Bonn, Berlin. www.mobilitaet-in-deutschland.de