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Sinnvolle und systematische Förderung des Radverkehrs kann zur Reduzierung der Kfz-Fahrleistung führen

Ein Fahrrad auf der Straße
© Doris Reichel

Radpotenziale im Stadtverkehr

Die durch den Kraftfahrzeugverkehr verursachten Umweltbelastungen in Städten stellen ein ernsthaftes Problem dar, ein Umstieg vom Auto aufs Fahrrad könnte die Situation entschärfen. Im Auftrag der Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt) untersuchte das Büro für Stadt- und Verkehrsplanung Dr.-Ing. Reinhold Baier GmbH die Einsparpotenziale bei einer wirksamen Radverkehrsförderung auf kommunaler Ebene. Erstmals liegen damit quantifizierte Aussagen zur Umweltentlastung durch eine maßgebliche Zunahme des Radverkehrsanteils in Städten vor.

Aufgabenstellung

Klimaschutz, Lärmminderung und Luftreinhaltung spielen bei der Verkehrsplanung eine immer bedeutendere Rolle. Eine konsequente Förderung des Radverkehrs wird als geeigneter Ansatz zur Umweltentlastung angesehen. Bislang lagen jedoch nur vereinzelt quantifizierte Aussagen zu den Einsparpotenzialen vor, die durch eine wirksame Zunahme des Radverkehrsanteils erschlossen werden können. Ziel des Forschungsprojekts war eine exemplarische Quantifizierung der Umweltentlastungspotenziale, die bei einer umfassenden Radverkehrsförderung auf kommunaler Ebene wirksam werden.

Untersuchungsmethode

Eine zuverlässige Quantifizierung auf der Ebene des gesamtstädtischen Raumes ließ sich nur modellunterstützt durchführen. Dafür war es erforderlich, zunächst relevante Strukturmerkmale zusammenzustellen und zu typisieren sowie mit den Daten mehrerer zur Verfügung stehender Beispielstädte abzugleichen. Für die Städte Coburg, Mönchengladbach und Gütersloh wurde daraufhin mit einem makroskopischen Verkehrsmodell die Bestandssituation dargestellt sowie Struktur- und Infrastrukturentwicklungsszenarien entwickelt. Für jede Beispielstadt wurde ein Szenario in Form eines umfassenden Maßnahmenkonzepts entwickelt, welches den Radverkehr als System begreift. Dabei wurde neben harten und weichen Maßnahmen auch erörtert, welche Voraussetzungen künftig durch die fortschreitende "Pedelectrisierung" erforderlich sein werden. Zur Modellierung der Umweltwirkung wurden die Schadstoffemissionen des Kfz-Verkehrs auf der Basis des Handbuchs für Emissionsfaktoren des Straßenverkehrs (HBEFA 3.1) mit dem Emissionsmodell IMMISem berechnet, die Kalkulation der Emissionsbelastung wurde mit dem Screeningmodell IMMISluft durchgeführt. Eine Abschätzung der Lärmbelastung erfolgte auf der Grundlage der Richtlinien für den Lärmschutz an Straßen RLS-90.

Ergebnisse

Die Analysen der verkehrlichen Wirkung zeigen deutlich, dass die sinnvolle und systematische Förderung des Radverkehrs eine Reduzierung der Kfz-Fahrleistung zur Folge hat. Abhängig von der Ausgangslage und den durchgeführten Szenarien ist mit Einspareffekten zwischen 3 und 13 Prozent zu rechnen. Dabei handelt es sich im Wesentlichen um eine Verschiebung der mit dem Kraftfahrzeug absolvierten Wege hin zum Radverkehr. Die Anteile des ÖPNV beim Modal-Split sowie der Wege, die zu Fuß zurückgelegt wurden, änderten sich nur geringfügig. Besonders bei für den Radverkehr schwierigem Terrain konnte das hohe Potenzial bei einer weiteren Verbreitung von Pedelecs nachgewiesen werden. Die Modellrechnungen ergaben zudem eine Verbesserung sowohl der Emissions- als auch der Immissionssituation, in zwei Modellstädten ist sogar eine Verbesserung der Grenzwertproblematik zu erwarten. Als gering muss dagegen die positive Umweltwirkung in Bezug auf die Lärmbelastung angesehen werden.

Folgerungen

Die Forschungsergebnisse belegen, dass eine verstärkte Radverkehrsförderung ein wirksames Instrument darstellt, um die gewünschten Ziele der CO2-Minderung und Verbesserung der Luftreinhaltung zu erreichen. Für die praktische Umsetzung hervorzuheben ist das hohe Nutzen-Kosten-Verhältnis, da die Kosten für Radverkehrsprojekte als verhältnismäßig gering veranschlagt werden können. Bereits eine Nutzung der heute vorhandenen Instrumente zur Stärkung des Radverkehrs bewirkt sichtbare Umwelteffekte, weitergehenden Maßnahmen werden nochmals erhöhte Resultate zugesprochen. Als Ansatzpunkt weiterer Forschungen empfiehlt sich die Untersuchung der Auswirkungen sowohl eines verstärkten Radverkehrsanteils als auch eines durch Radschnellwege beschleunigten Radverkehrs auf die Verkehrssicherheit, vor allem unter dem Aspekt der zunehmenden Anzahl von Pedelecs.

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Stand der Information
1. Februar 2014
Quelle

Büro für Stadt- und Verkehrsplanung Dr.-Ing. Reinhold Baier GmbH / Bundesanstalt für Straßenwesen (www.bast.de)

Land
Deutschland
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