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Statistischer Bericht 2018 - Mobilität und Verkehr

Schweizer sind täglich 4 Minuten mit dem Velo unterwegs

Schweiz: Mobilität und Verkehr - Statistischer Bericht 2018
Schweiz: Mobilität und Verkehr - Statistischer Bericht 2018 © www.statistik.ch

Die vorliegende Publikation des Schweizer Bundesamt für Statistik bietet einen zahlenmäßigen Gesamtüberblick über das schweizerische Verkehrssystem. Behandelt werden die unterschiedlichsten Aspekte der Mobilität, angefangen bei den gesellschaftlichen Rahmenbedingungen über die Infrastrukturen, Fahrzeugbestände und Verkehrsleistungen bis hin zu den Verkehrsunfällen, den Umweltauswirkungen und den Kosten des Verkehrs. Zahlreiche Grafiken und Karten veranschaulichen die wiedergegebenen Daten. Begleitende Texte fassen die wichtigsten Erkenntnisse zusammen und bieten zusätzliche Erklärungen. Auch für den Veloverkehr (mit dem Fußverkehr Teil des sog. Langsamverkehrs) wurden entsprechende Kennwerte zusammengetragen.

Infrastruktur für den Langsamverkehr

Die Infrastruktur für den alltäglichen Fuß- und Veloverkehr deckt sich weitgehend mit dem Netz der Gemeindestraßen (51.859 km) und Kantonsstraßen (17.843 km - Stand 1984). Aus Gründen der Sicherheit, aber auch des Komforts sind dabei viele Verkehrsflächen dem Langsamverkehr vorbehalten, beispielsweise Trottoirs, Velostreifen oder Fußgängerzonen. Des Weiteren verfügt die Schweiz über ein Netz von rund 66.000 km gekennzeichneten Wanderwegen (Stand 2017) und rund 20.000 km signalisierten Velo- und Mountainbike-Strecken (Stand 2018), welches hauptsächlich dem Freizeitverkehr dient.

Pedelecs/E-Bikes auf dem Vormarsch

2015 besaßen 65 Prozent aller schweizerischen Haushalte mindestens ein Velo, wobei der entsprechende Wert in der Deutschschweiz deutlich höher lag als in den französisch- und italienischsprachigen Landesteilen. Die deutschsprachige Schweiz kommt beim Fahrradbesitz (Velos + E-Bikes) auf 78 Prozent. Zwischen 2010 und 2015 ist der Fahrradbesitz der Haushalte gesamtschweizerisch um 3 Prozentpunkte zurückgegangen. Ganz anders verlief die Entwicklung bei den E-Bikes: Der Anteil der Haushalte mit E-Bike hat sich im genannten Zeitraum verdreifacht und betrug 2015 rund 7 Prozent. Berücksichtigt wurden dabei sowohl die langsamen "langsamen" Modelle (Pedelecs) und die "schnellen" E-Fahrräder (Schnelle E-Bikes verfügen über eine relativ hohe Motorleistung und eine Tretunterstützung auch bei mehr als 25 km/h. Sie benötigen ein gelbes Motorfahrrad-Kontrollschild und werden daher dem motorisierten Straßenverkehr zugeordnet). Wie die herkömmlichen Velos, so sind auch die E-Bikes in den deutschsprachigen Landesteilen weiter verbreitet als in der lateinischen Schweiz. 2017 wurden schweizweit 338.000 neue Velos verkauft (ohne Spiel- und Kindervelos), davon 88.000 E-Bikes.

2,5 Milliarden Fahrradkilometer

Sowohl im öffentlichen und privaten Personenverkehr wie auch im Langsamverkehr haben die Fahrleistungen in den vergangenen Jahren zugenommen. Der Veloverkehr (inkl. Pedelecs) verzeichnete von 1995 bis 2017 eine Steigerung um 13 Prozent auf 2,5 Milliarden geleistete Fahrzeugkilometer. Der inländische MIV kam im Vergleich dazu auf 50,3 Milliarden Fahrzeugkilometer.

4 Prozent Radverkehrsanteil

Die Summe aller in der Schweiz auf Straße oder Schiene zurückgelegten Strecken belief sich 2016 auf insgesamt 133 Milliarden Personenkilometer. Ohne den Langsamverkehr (Fuß und Velo) waren es 125 Milliarden. Der Langsamverkehr hatte beim Modal Split einen Anteil von 8 Prozent (zu Fuß = 4 Prozent sowie Fahrrad/Pedelecs = 4 Prozent).

Verkehrsverhalten der Bevölkerung

Durchschnittlich fast 37 Kilometer legte 2015 jede Einwohnerin und jeder Einwohner der Schweiz täglich im Inland zurück und benötigte dafür gut 90 Minuten. Wichtigster Verkehrszweck waren mit einem Distanzanteil von 44 Prozent die Freizeitaktivitäten, gefolgt von den Arbeitswegen mit 24 Prozent. Der Anteil der Personen, die außerhalb ihrer Wohngemeinde arbeiten, hat dabei in den letzten Jahren weiter zugenommen. Fast zwei Drittel (65 Prozent) der Tagesdistanz im Inland wurden 2015 mit dem Auto zurückgelegt, rund ein Viertel (24 Prozent) mit dem ÖV.

Durchschnittlich täglich 4 Minuten mit dem Velo

Der Fuß- und Veloverkehr machte nur 8 Prozent der Distanzen, aber 41 Prozent der täglichen Unterwegszeit aus. Im Mittel waren die Einwohnerinnen und Einwohner der Schweiz 2015 täglich eine halbe Stunde zu Fuß und 4 Minuten mit dem Velo unterwegs. Das Pedelec/E-Bike wies 2015 eine mittlere Geschwindigkeit von 17 km/h auf und war damit 4 km/h schneller als das herkömmliche Velo (13 km/h). Der Fußverkehr kommt auf durchschnittlich 4,7 km/h.

19 Prozent Radverkehrsanteil bei Pendlerdistanzen bis 5 Kilometer

Etwas mehr als die Hälfte aller Pendelnden (52 Prozent) benutzte als Hauptverkehrsmittel für den Arbeitsweg das Auto. 17 Prozent begaben sich mit der Eisenbahn zur Arbeit, 9 Prozent zu Fuß und 7 Prozent mit dem Velo/E-Bike. Die Wahl des Hauptverkehrsmittels hängt dabei stark von der Länge des Arbeitswegs ab: Bei Arbeitswegen bis 5 km hat das Fahrrad einen Anteil von 19 Prozent und der Fußverkehr einen Anteil von 21 Prozent. Das Auto dominiert vor allem bei den mittellangen Distanzen zwischen 5 km und 50 km, die Eisenbahn bei den langen Arbeitswegen von mehr als 50 km.

Radfahrende von Verkehrsunfällen überproportional betroffen

2017 ereigneten sich auf den Schweizer Straßen insgesamt 17.799 polizeilich registrierte Unfälle mit Personenschaden. Neben 230 Getöteten gab es dabei 3.654 Schwer- und 17.759 Leichtverletzte. Mit 26 Verkehrstoten pro 1 Million Einwohnerinnen und Einwohner war die Schweiz im Jahr 2016 neben Norwegen europaweit das Land mit den sichersten Straßen, Deutschland kommt im Vergleich dazu auf 39 und Österreich sogar auf 50 Verkehrstote pro 1 Million Einwohner. Von den insgesamt 21.643 Verunfallten im Jahre 2017 verunglückten 61 Prozent bei Unfällen innerhalb von Städten oder Dörfern.

Der Vergleich zwischen den Verkehrsmitteln zeigt für das Jahr
2017, dass die Getöteten und Schwerverletzten zu 28 Prozent mit dem Motorrad und zu je 22 Prozent mit dem Personenwagen und dem Velo (ohne E-Bikes) verunfallt waren. Die Fußgängerinnen und Fußgänger machten 16 Prozent der Schwerverunfallten aus. 37 Fahrrad-/Pedelecfahrende starben 2017 auf schweizer Straßen, 1042 wurden schwer verletzt.