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E-Bike-Sicherheitsanalyse

Schweizer Elektrofahrradfahrer verunglücken öfter schwer bei Selbstunfällen als bei Kollisionen

Deckblatt des E-Bike-Sicherheitsreport bfu-Schweiz
Deckblatt des E-Bike-Sicherheitsreport bfu-Schweiz © bfu - Beratungsstelle für Unfallverhütung

Elektrovelo-Fahrer verunfallen öfter bei Selbstunfällen als bei Kollisionen schwer
Die bfu – Beratungsstelle für Unfallverhütung hat im Juni 2015 erstmals eine Sicherheitsanalyse zu E-Bikes vorgelegt. Damit liefert sie eine wissenschaftliche Grundlage für künftige Präventionstätigkeiten. Ein bemerkenswertes Ergebnis der Studie lautet: Elektrovelo-Fahrer verunfallen öfter bei Selbstunfällen als bei Kollisionen schwer. Diese Gefahr ist den E-Bikern indessen wenig bewusst.

Unfall-Zunahme proportional zur Erhöhung des E-Bike-Bestandes
Von 2011 bis 2014 hat sich die Anzahl der auf Schweizer Straßen schwer verletzten oder getöteten E-Bike-Fahrer mehr als verdoppelt. Diese Zunahme ist proportional zur Erhöhung des E-Bike-Bestandes. Ein Ende des Trends ist nicht abzusehen. Die bfu hat aus diesem Grund eine umfassende Sicherheitsanalyse zum Thema Elektrovelos im Straßenverkehr durchgeführt, deren Resultate jetzt vorliegen. Es handelt sich um die erste Untersuchung dieser Art für die Schweiz. Sie umfasst neben einem Überblick über den Forschungsstand eine Unfallanalyse, eine Lenkerbefragung sowie ein Experiment betreffend die Einschätzung der E-Bike-Geschwindigkeit durch andere Verkehrsteilnehmer.

Elektrovelofahrer sind durchschnittlich älter und somit auch verletzlicher als Fahrradfahrer
Eines der bemerkenswerten Ergebnisse der Studie lautet: Wenn E-Bike-Fahrer schwer verunfallen, geschieht dies öfter bei Selbstunfällen als bei Kollisionen. Doch gerade das Risiko von Selbstunfällen ist den Lenkern zu wenig bewusst. Wie sich das Risiko, zu verunfallen, bei E-Bikes im Vergleich zum Fahrrad verhält, kann zwar noch nicht abschließend gesagt werden. Allerdings zeigen Analysen, dass E-Bike-Unfälle schwerer sind als Fahrradunfälle. Der Hauptgrund dafür ist, dass Elektrovelofahrer durchschnittlich älter und somit auch verletzlicher sind als Fahrradfahrer.

Geschwindigkeit von Fahrrad-/Elektrofahrradfahrern wird unterschätzt
Wenn es zu Kollisionen kommt, ereignen sich diese sehr häufig an Kreuzungen und Kreiseln, weil Motorfahrzeuglenker den Vortritt von E-Bike-Fahrern missachten. Experimentell konnte festgestellt werden, dass die Geschwindigkeit von herannahenden E-Bikes unterschätzt wird. Interessant ist, dass kein Unterschied zwischen Fahrrädern und E-Bikes nachgewiesen werden konnte. Ausschlaggebend für die falsche Einschätzung war vielmehr in erster Linie die gefahrene Geschwindigkeit. Je schneller das E-Bike oder Velo fuhr, desto mehr wurde die Geschwindigkeit unterschätzt.

Handlungsbedarf
Wie die Sicherheitsanalyse zeigt, besteht für die Erhöhung der Sicherheit von E-Bike-Fahrern Handlungsbedarf. Weitergehende Unfallforschung, Überprüfung und bessere Umsetzung von Straßenbaunormen, Weiterentwicklung der Schutzwirkung von Velohelmen, Fahrkurse für Neueinsteiger sowie Sensibilisierung der E-Bike- und Autofahrer sind zentrale Herausforderungen, denen sich die bfu stellen wird. So lanciert sie zum Beispiel Ende Juni eine Plakatkampagne mit dem Präventionsengel Franky Slow Down.

Download: bfu-Report Nr. 72: Sicherheitsanalyse «E-Bikes im Strassenverkehr» (Hrsg.: bfu - Beratungsstelle für Unfallverhütung; Autoren: Scaramuzza, Uhr, Niemann; Bern; 2015)

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Quelle und weitere Informationen: www.bfu.ch/de/die-bfu/kommunikation/medien/strassenverkehr/radfahrer/e-bikes/bfu-sicherheitsanalyse-e-bikes-im-strassenverkehr

Meta Infos
Stand der Information
27. Juni 2015
Quelle

bfu – Beratungsstelle für Unfallverhütung (www.bfu.ch)

Land
Schweiz
Handlungsfelder NRVP
Fahrradthemen
Schlagworte