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Baden-Württemberg

Schülerbefragung in Stuttgart zur Nutzung des Fahrrads

Kinder mit Fahrrädern auf dem Schulweg
© Cycling Embassy of Denmark, Mikkel Østergaard

Im Rahmen einer Pressekonferenz haben der Bürgermeister für Städtebau und Umwelt, Matthias Hahn, der Bürgermeister für Sicherheit und Ordnung, Dr. Martin Schairer, der Leiter des Statistischen Amts der Landeshauptstadt Stuttgart, Thomas Schwarz, sowie die Kinderbeauftragte Roswitha Wenzl über die Ergebnisse der Schülerbefragung in Stuttgart zur Nutzung des Fahrrads informiert.

Im November und Dezember 2005 wurde an den Stuttgarter Schulen eine Erhebung durchgeführt, in welchem Umfang die Schülerinnen und Schüler das Fahrrad als Verkehrsmittel auf dem Schulweg benutzen. Mehr als 32 000 Schüler aus 134 Schulen füllten den Fragebogen aus. Dies entspricht einem Rücklauf von rund 70 Prozent. Ziel war die Erarbeitung eines Konzepts, mit dem die Schüler zu einer regelmäßigen Nutzung des Fahrrads animiert werden sollen. Der Hintergrund: Radfahren ist gesund und fördert bei Kindern die Entwicklung ihrer Motorik. Außerdem dürfen bereits Viertklässler das Rad selbstständig nutzen, wodurch sie eine größere Mobilität im Stadtgebiet gewinnen.

"Mit dieser Befragung wird eine einmalige Datengrundlage geschaffen", so Bürgermeister Matthias Hahn. "Sie zeigt uns, wie wir insbesondere Kinder beim Radfahren weiter gezielt fördern können. Wenn Kinder und Jugendliche das Fahrrad schon früh als vielfältig nutzbares Verkehrsmittel erleben, ist das auch für ihr künftiges Mobilitätsverhalten von großer Bedeutung."

"Radfahren in Stuttgart muss vor allem sicher sein. Deshalb ist es neben dem Ausbau des Radverkehrsnetzes und der Verbesserung der Radinfrastruktur an den Schulen ganz besonders wichtig, bereits Kinder und Jugendliche an einen sicheren Umgang mit dem Fahrrad heranzuführen. Der in der Jugendverkehrsschule zu erwerbende Fahrradführerschein ist in dieser Hinsicht bereits ein wichtiger Beitrag zur Verkehrssicherheit", ergänzt Bürgermeister Dr. Martin Schairer.

Die Kinderbeauftragte Roswitha Wenzl hat die Umfrage an den Stuttgarter Schulen initiiert. Diese wurde gemeinsam mit Vertretern des Statistischen Amts, des Schulverwaltungsamts, des Sportamts und dem Fahrradbeauftragten der Stadt, Claus Köhnlein, durchgeführt. "Wir wollen, dass sich die Kinder in Stuttgart gefahrlos und möglichst selbstständig bewegen können. Dazu gehört in ganz besonderem Maße die Förderung der Fahrradnutzung. Das Fahrrad ist für Kinder die ideale Möglichkeit, den Wunsch nach mehr Mobilität und Ausweitung des eigenen Aktionsbereichs in die Tat umzusetzen. Unser Ziel ist es, möglichst vielen Kindern die sichere Fahrradnutzung zu ermöglichen", so die Kinderbeauftragte zur Initiative.

Die meisten Schüler besitzen ein Fahrrad

Insgesamt 88 Prozent der Schüler besitzen nach eigenen Angaben ein fahrbereites Fahrrad, das aber von den Jüngeren häufiger benutzt wird als von den Älteren. Ab 15 Jahren wird das Moped attraktiver, mit 18 Jahren steigen viele aufs Auto um. Allgemein besitzen weniger Mädchen ein Fahrrad als ihre männlichen Altersgenossen.

Die Sicherheitsausstattung ist teilweise mangelhaft

Erfreuliche 97 Prozent der Räder sind mit zwei Bremsen ausgestattet. Ein Fünftel besitzen kein Vorder- und Rücklicht. Nur wenig mehr als die Hälfte der Schüler (56 %) gibt an, beim Radfahren einen Helm zu tragen.

Für den Schulweg wird das Fahrrad nur von wenigen genutzt

Für den Schulweg favorisieren mit 46 Prozent fast die Hälfte der Schüler Bus und Bahn als Verkehrsmittel. 38 Prozent wählen den Fußweg. Unterschiede beim Gebrauch des Fahrrads offenbaren sich beim Vergleich von öffentlichen und privaten Schulen: So gut wie alle Grundschüler aus öffentlichen Schulen legen den Schulweg zu Fuß zurück, während Schüler von Privatschulen überwiegend die öffentlichen Verkehrsmittel nutzen.

Auch Schüler der weiterführenden Schulen steigen zum Großteil täglich in den Bus oder die Bahn. Unter denen, die das Rad wählen, sind die meisten Gymnasiasten - deutlich weniger Realschüler. Diese übertreffen aber immer noch weit die Hauptschüler, von denen nur ein sehr geringer Teil das Fahrrad nutzt.

Von allen Stuttgarter Schülerinnen und Schüler legen insgesamt nur acht Prozent den Schulweg mit dem Rad zurück. In der Freizeit allerdings ist das Fahrrad weitaus häufiger im Einsatz. Dabei fällt auf, dass Schüler, deren Familienmitglieder viel Rad fahren, auch selbst gerne in die Pedale treten: 96 Prozent der Schüler, in deren Familie mehr als die Hälfte der Familienmitglieder Rad fahren, nutzen ebenso das Rad.

Viele Schüler vermissen sichere Radwege und Abstellmöglichkeiten

Zwei Prozent der befragten Schülerinnen und Schüler gaben an, (noch) nicht Fahrrad fahren zu können oder aus gesundheitlichen Gründen dazu nicht in der Lage zu sein. Und nur acht Prozent müssen darauf verzichten, weil ihnen kein Fahrrad zur Verfügung steht, das sie jederzeit benutzen können.

Dass so wenige Schüler mit dem Fahrrad zur Schule kommen, liegt meistens an der Entfernung zwischen Wohnort und Schule. Für fast ein Drittel der Schüler ist der Weg so kurz, dass es sich nicht lohnt, dafür aufs Rad zu steigen. Für genauso viele ist der Weg zur Schule zu weit.

Jeder zweite Schüler bemängelt das Fehlen von Radwegen. Als zweithäufigstes Problem nennen die Schüler unachtsame Autofahrer, durch die sie sich gefährdet fühlen. Weniger bedeutend erscheinen aus Sicht der Schüler Probleme wie parkende Autos auf den Radwegen, deren schlechte Beschilderung und schlechter Zustand, was nur von zehn Prozent der Schüler kritisiert wird.

Die vorhandenen Wege zur Schule empfindet jeder fünfte Schüler als unsicher. Und immerhin zehn Prozent vermissen sichere und wettergeschützte Abstellmöglichkeiten an der Schule - ebenfalls ein Grund, für den Schulweg auf das Fahrrad zu verzichten.

Das Rad gilt als umweltfreundliches, aber unzuverlässiges Verkehrsmittel

Als "umweltfreundlich" (69 %) und "schnell" (62 %) schätzt die Mehrheit der Schüler das Fahrrad ein. Für etwas weniger als die Hälfte lohnt sich das Radfahren, weil es als preiswert (45 %) oder bequem (43 %) gilt.

Allerdings empfinden nur 35 Prozent der Befragten das Fahrradfahren als stressfrei, noch weniger (28 %) halten das Rad für ein zuverlässiges Verkehrsmittel.

Die Schüler aus den südlichen Stadtbezirken sind die eifrigeren Radfahrer

In den einzelnen Stadtbezirken wird das Fahrrad ganz unterschiedlich genutzt. Eine günstigere Topographie und eine bessere Verkehrsinfrastruktur sind vermutlich die Gründe dafür, dass in den südlichen Stadtbezirken (Vaihingen, Möhringen, Degerloch und Sillenbuch) sowie in Weilimdorf die Schüler wesentlich häufiger Rad fahren als im Norden.

Maßnahmen und Handlungsmöglichkeiten

Aus den dargestellten Ergebnissen der Befragung ergeben sich erste Maßnahmen und Handlungsfelder. Mit einem Maßnahmenpaket und Aktionen soll die in Stuttgart stattfindende Rad-WM 2007 genutzt werden, um das Thema besser zu platzieren. Dies sind:

  • 1. Das Radverkehrsnetz in Stuttgart wird kontinuierlich ausgebaut. Neben dem Ausbau des Hauptradroutennetzes ist auch im Umfeld der Schulen die Erweiterung des Radverkehrsnetzes erforderlich.
  • 2. Durchgeführte Analysen zeigen, dass das subjektive Sicherheitsempfinden der Schüler von dem tatsächlichen Unfallgeschehen abweicht. Maßnahmen zur Verbesserung der Sicherheit für Rad fahrende Kinder sind daher weiter voranzutreiben.
  • 3. Um die Radnutzung zu fördern, ist die Verbesserung der Radinfrastruktur an den Schulen durch Schaffung von ausreichenden und besseren Radabstellmöglichkeiten empfehlenswert.
  • 4. Der Schulwechsel auf die weiterführende Schule ist ein wichtiger Zeitpunkt, um bei den Schülern das Fahrrad als Verkehrsmittel für den Schulweg in das Bewusstsein zu rücken. Maßnahmen wie Schul-Radwege-Pläne, Verkehrssicherheitstage und die Integration des Fahrrads in den Lehralltag dienen dazu, Schüler für das sichere Radfahren zu begeistern.
  • 5. Als besonderer Handlungsschwerpunkt sind die Hauptschulen erkennbar. Die Umfrage ergab gerade in diesem Bereich eine weit unterdurchschnittliche Radnutzung. Maßnahmen wie unter 4. beschrieben sollten hier verstärkt umgesetzt werden. So könnten zum Beispiel im Rahmen des Werkunterrichts Schüler über technische Fragestellungen an das Rad herangeführt werden.

Im Stuttgarter Radforum werden derzeit in den Arbeitskreisen "Öffentlichkeitsarbeit" und "Verkehrssicherheit" Ansätze und Maßnahmen zur Förderung der Radnutzung und der Verkehrssicherheit im Schülerradverkehr erarbeitet.

Sonstiges: Der ausführliche Bericht zur Schülerumfrage 2005 ist im Monatsheft Nr. 11/2006 in der Reihe "Statistik und Informationsmanagement" des Statistischen Amtes erschienen.

Das Heft ist beim Statistischen Amt, Eberhardstr. 39, 70173 Stuttgart (Tel.: 0711/ 216-3440, Fax: 0711/ 216-3900), per Mail an statistikladen@stuttgart.de oder im Internet unter www.stuttgart.de/statistik-shop zum Preis von 11 Euro erhältlich.

Auszug aus dem Themenheft (pdf, 281 kB)

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Zur Originalpressemitteilung der Stadt Stuttgart
Weitere Informationen auch unter www.stuttgart.de/sde/item/gen/192604.htm

Meta Infos
Stand der Information
15. Februar 2007
Quelle

Stadt Stuttgart

Land
Baden-Württemberg
Handlungsfelder NRVP
Fahrradthemen
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