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"MobilitätsIMPULSE" Baden-Württemberg

Rückfall in alte Muster nach der Coronakrise?

BW-Verkehrsminister Hermann im Rahmen der Veranstaltung MobilitätsIMPULSE
BW-Verkehrsminister Hermann im Rahmen der Veranstaltung MobilitätsIMPULSE © AGFK-BW/VM-BW

"Noch niemand ist vorwärts gekommen, indem er rückwärts gelaufen ist."

Im Rahmen der MobilitätsIMPULSE, einer Veranstaltungsreihe des Verkehrsministeriums Baden-Württemberg, wurde am 20. Mai 2020 über die Mobilitätswende in und nach Zeiten von Corona diskutiert. In dem erstmals digitalen Format debattierte Verkehrsminister Winfried Hermann mit seinen Gästen und 600 Teilnehmern: Ist ein Rückfall in alte Muster zu erwarten?

In der Verkehrswelt hat die Krise enorme Veränderungen mit sich gebracht. Der Flugverkehr kam quasi zum Stillstand, der Autoverkehr nahm zunächst stark ab, der ÖPNV wurden auf ein Grundangebot heruntergefahren. Für den Rad- und Fußverkehr dagegen schien die goldene Stunde geschlagen zu haben: Nahm der Radverkehr in Baden-Württemberg nach wenigen Tagen um rund 150 Prozent zu, hat sich der Fußverkehr sogar verdoppelt. Verkehrsminister Winfried Hermann berichtet: "Die alten Räder von einst sind aus dem Keller geholt worden."

Hermann erklärt sich dies mit dem Sicherheitsvorteil, den das Fahrrad den ÖPNV gegenüber hat, da das Abstandhalten auf dem Rad deutlich einfacher ist. Die Entwicklungen der letzten Wochen hätten dabei durchaus auch Vorteile, so habe die Veränderungen im Verkehr für viele Menschen eine höhere Lebensqualität mit sich gebracht. Auch der positive Einfluss auf das Klima sei nicht zu unterschätzen.

Die Corona-Krise birgt in puncto Mobilitätswende Chancen

Hermann begrüßt diese Entwicklung im Rad- und Fußverkehr und möchte sie nutzen, um auch für die Zeit nach der Krise mehr Menschen zur nachhaltigen Mobilität zu motivieren: "Das Thema Verkehrswende darf in Zeiten von Corona nicht untergehen. Der Rückfall zum Auto muss jetzt verhindert werden." Das neu gewonnene Sicherheitsgefühl, was auch durch weniger Autos auf den Straßen aktuell bedingt sei, solle für die Zukunft bestehen bleiben. Dafür müsse weiter in breite und sichere Radwege investiert werden. Hermann verweist hier auf die LGVFG-Mittel des Landes, die auf kommunaler Ebene abgerufen werden können. Außerdem zeigt er sich erfreut über die kürzliche Entscheidung des Bundes, mehr Geld für den Ausbau des Radverkehrs zur Verfügung zu stellen. Mit diesen umfangreichen Ausbauprogrammen solle die positive Entwicklung im Radverkehr in Baden-Württemberg nachhaltig gesichert werden. Auch für kreative Lösungen zeigte der Minister sich offen. Beispielsweise sei denkbar, Autospuren die aktuell nicht genutzt würden, provisorisch in zusätzliche Radwege umzuwandeln.

Ob sich die goldene Stunde des Rad- und Fußverkehrs auch nach der Krise fortsetzt bleibt abzuwarten. Doch der Mensch sei sehr wandlungsfähig, das habe er in den letzten Monaten gezeigt. Und wie Hermann zusammenfasst: "Noch niemand ist vorwärts gekommen, indem er rückwärts gelaufen ist. Wir sollten die Gunst der Stunde für die Verkehrswende nutzen, alles andere wäre eine verpasste Chance."

Noch bis zum 18. August 2020 kann die Veranstaltung hier als Stream abgerufen werden.

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Stand der Information
23. Mai 2020
Weitere Informationen
Quelle
Arbeitsgemeinschaft Fahrrad- und Fußgängerfreundlicher Kommunen in Baden-Württemberg e. V. (AGFK-BW)
Land
Baden-Württemberg
Handlungsfelder NRVP
Fahrradthemen
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