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Velostraßen (Fahrradstraßen)

Resultate der Pilotversuche in Schweizer Städten

Pilotversuch Velostraßen Schweiz
Pilotversuch Velostraßen Schweiz © Metron Bern: Velostrasse Scheuchzerstrasse in Zürich, März 2017

Velostraßen ("Fahrradstraßen") - Resultate der Pilotversuche in Schweizer Städten

Ausgangslage

Verschiedene Länder (D, A, B, NL) kennen sogenannte Fahrradstraßen. Allen gemeinsam ist das Ziel einer komfortablen und sicheren Veloführung abseits der Hauptverkehrsstraßen. Die mit dem Regime verbundenen Rechte und Pflichten sind jedoch unterschiedlich. In Deutschland und Österreich dürfen auf Fahrradstraßen andere Fahrzeuge nur fahren, wenn dies ausdrücklich erlaubt ist. In Belgien dürfen Velos auf Fahrradstraßen nicht überholt werden, während in den Niederlanden das Signal nur einen Apell-Charakter hat und keine Rechte und Pflichten damit verbunden sind.

In verschiedenen Schweizer Städten wurden Pilotversuche zu Velostraßen durchgeführt. Dabei lag der Fokus darauf, dass die Velostraßen gegenüber den einmündenden Quartierstraßen vortrittsberechtigt waren, wodurch Velofahrenden eine zügige und sichere Fahrt ermöglicht werden sollte. Weitere Rechte oder Pflichten waren mit dem neuen Schild "Velostraße" nicht verbunden.

Pilotversuche

Insgesamt hatte das ASTRA acht Pilotstrecken in fünf Städten bewilligt:

  • Basel: St. Alban-Rheinweg; Mülhauserstraße
  • Bern: Erlach-/Freiestraße; Militär-/Beundenfeldstraße
  • Luzern: Taubenhaus-/Bruchstraße
  • St. Gallen: Lindenstraße
  • Zürich: Scheuchzerstraße; Affolternstraße

Die Projektierung und Durchführung der Pilotversuche erfolgte durch die Städte. Das ASTRA war verantwortlich für das Evaluationskonzept, die Auswertung der Ergebnisse und die Erstellung des gesamtheitlichen Schlussberichts.

Die Signalisation erfolgte mit einem neuen Signal "Velostraße" und Fahrradsymbolen auf der Fahrbahn. Damit die Velostraße vortrittsberechtigt war, wurde den einmündenden Straßen der Vortritt mittels den üblichen Signalen "Stop" oder "kein Vortritt" entzogen. Die Erhebungen fanden zwischen August 2016 und Oktober 2017 statt.
 
Resultate und weiteres Vorgehen
 
Der Bericht zum Pilotversuch Velostraßen steht auf der Webseite des ASTRA zum Herunterladen zur Verfügung: Velostraßen – Bericht Auswertung
  • Die Resultate aus den Pilotversuchen liefern keine eindeutigen Aussagen zur Zweckmäßigkeit von Velostrassen. Weder konnte ein klarer Nutzen festgestellt werden, noch gab es Hinweise auf negative Auswirkungen. Auch zum Einfluss von Velostraßen auf die Verkehrssicherheit erlauben die Resultate aufgrund der tiefen Fallzahlen und der kurzen Laufzeit keine schlüssigen Aussagen. Für eine breite Umsetzung der Velostraßen müsste in der Verordnung über die Tempo-30-Zonen vom Prinzip des Rechtsvortritts abgewichen werden (vgl. Art. 4, Abs. 1: «Eine vom Rechtsvortritt abweichende Regelung durch Signale ist nur zulässig, wenn die Verkehrssicherheit es erfordert.»). Diese Abweichung stellt einen namhaften Eingriff ins bestehende Verkehrsregime dar und muss insbesondere in Anbetracht der hohen Unfallzahlen beim Veloverkehr sorgfältig abgewogen werden.
  • Das ASTRA wird die Ergebnisse der Pilotversuche und eine allfällige Abweichung vom Prinzip des Rechtsvortritts in den Tempo-30-Zonen mit den betroffenen Fachgremien und -verbänden umfassend diskutieren und gestützt darauf über das weitere Vorgehen entscheiden. Für eine Aufnahme des Anliegens in die derzeit laufenden Verordnungsrevisionen liegen noch keine ausreichend konsolidierten Abstimmungen vor.
  • Bis zum definitiven Entscheid über die Einführung von Velostraßen dürfen die Pilotstrecken in Betrieb bleiben.