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Maßnahmenkatalog des Kreisverwaltungsreferats

Radverkehr in München - Sicherheit, Projekte und Aktionen für das Jahr 2019

Radfahrstreifen in München
© Harry Schiffer

Radverkehr in München: Sicherheit, Projekte und Aktionen

  • Die laufende Optimierung der Radverkehrssicherheit ist fester Teil der Arbeit des Verkehrsmanagements im Kreisverwaltungsreferat.
  • In den vergangenen 12 Monaten hat das KVR erneut unter dem Aspekt Verkehrssicherheit eine Reihe von Verbesserungen bei der Führung des Radverkehrs angeordnet, die vom Baureferat umgesetzt wurden.
  • Dazu gehören zum Beispiel Roteinfärbungen und Lückenschlüsse, um die Sicherheit der Radfahrerinnen und Radfahrer zu erhöhen. Weitere Verbesserungen werden laufend geplant.
  • Radfahrstreifen und Schutzstreifen auf der Fahrbahn erhöhen die Sicherheit und Sichtbarkeit von Radfahrerinnen und Radfahrern erheblich. Sie sind wichtig, um das Ziel eines sicheren und gleichberechtigten Miteinanders auf Münchens Straßen zu erreichen.

Die Unfallkommission der Landeshauptstadt

Die Unfallkommission, geleitet vom Kreisverwaltungsreferat mit Beteiligten des Polizeipräsidiums München, des Baureferats und bei Bedarf Vertretern der MVG, tritt zusammen, wenn die Polizei so genannte Unfallhäufungsstellen meldet.

Als Unfallhäufungsstelle gilt eine Örtlichkeit dann, wenn vier gleichartige Unfälle in einer Fahrbeziehung – zum Beispiel Unfälle zwischen Kraftfahrzeugen und Radfahrern an einer Kreuzung – innerhalb eines Jahres stattgefunden haben. Die Unfallkommission sucht bei Ortsterminen nach Verbesserungsmöglichkeiten und begleitet deren Umsetzung.

Zu den "Top Five" der unfallträchtigsten Strecken 2018 aus der Polizeistatistik

Keiner der genannten Straßenzüge wurde der Unfallkommission als Unfallhäufungsstelle mitgeteilt. Das heißt, hier haben sich keine immer gleichartigen Unfälle an immer derselben Stelle ereignet. Die großen Fallzahlen begründen sich größtenteils damit, dass diese Strecken fast alle mehrere Kilometer lang sind.

  • Ludwig-Leopold-Ungererstraße (6 km): Im Zuge der Radschnellweg-Planung nach Garching wird die Strecke im Detail auch hinsichtlich der Verkehrssicherheit untersucht, die Radwege werden breiter geplant und sollen teilweise aus dem Seitenraum auf die Fahrbahn verlegt werden.
  • Bayer-Landsbergerstraße (8 km): Überwiegend ist der Radweg hier zu schmal für das heutige Radaufkommen. Kurzfristige bauliche Verbesserungen lassen sich an dieser Route kaum umsetzen. Allerdings ist auch hier die Gesamtstrecke nicht als Unfallhäufungsstelle bekannt. Konkrete Informationen über die Unfallursachen und Unfallhergänge werden nach Vorliegen geprüft.
  • Kapuziner-Wittelsbacherbrücke-Humboldstraße (2 km): Die Kapuzinerstraße wurde von der Lindwurmstraße bis zur Auenstraße regelkonform umgebaut, im weiteren Verlauf wurden punktuell Verbesserungen bei den bekannt gewordenen Sicherheitsdefiziten umgesetzt, in der Regel in Form von Roteinfärbungen.
  • Nymphenburgerstraße (3 km): Alle im Bestand möglichen Maßnahmen – im wesentlichen sind das Roteinfärbungen der Fahrradfurten wurden 2018 umgesetzt.
  • Blumen-Fraunhoferstraße (1 km): Der Streckenabschnitt Blumen-/ Frauenstraße ist Teil des Radentscheids "Altstadtradlring" und wird derzeit vom Planungsreferat geprüft. Die Fraunhoferstraße befindet sich derzeit ebenfalls in Planung beim Planungsreferat. Vorgesehen ist die Anlage breiter Radfahrstreifen unter dem Wegfall von Parkplätzen.

Auch bei den weiteren genannten unfallträchtigen Kreuzungen gilt, dass keine Kreuzung der Unfallkommission bisher als Unfallhäufungsstelle bekannt ist. Das Kreisverwaltungsreferat wird die Stellen anhand der polizeilichen Informationen prüfen und gegebenenfalls Maßnahmen anordnen. An der Kreuzung Dachauer Straße / Landshuter Allee sind alle bekannten Konfliktstellen schon jetzt rot eingefärbt.

Verbesserung der Radverkehrssicherheit 2019 – anstehende Projekte

Schrittweiser Ausbau des Radwegenetzes entlang der Brienner Straße zwischen Stiglmaier- und Odeonsplatz. So wird die wichtige Radroute vom Rotkreuzplatz Richtung Innenstadt erheblich aufgewertet. Schutzstreifen und Radfahrstreifen auf der Fahrbahn machen die Radfahrerinnen und Radfahrer besser sichtbar, das bedeutet mehr Sicherheit. Die Bauphase für den ersten Abschnitt zwischen Stiglmaierplatz bis Königsplatz ist zwischen Mitte Juni und Mitte September geplant. Für den zweiten Abschnitt muss der Stadtrat noch mit der Möglichkeit von Ersatzparkplätzen am Wittelsbacherplatz befasst werden.

Die schmalen Radwege neben dem Gehweg entlang der Marsstraße werden durch beidseitige Radfahrstreifen auf der Fahrbahn ersetzt, um den bestehenden Engpass zu beseitigen und Verkehrssicherheitsdefizite zu beheben. Die Radfahrstreifen werden auf ihrer Gesamtlänge von jeweils mehr als einem halben Kilometer zu beiden Seiten der Marsstraße durchgehend in rotem Asphalt ausgeführt. Dabei handelt es sich um eine Premiere in München. Die Umsetzung hängt vom Verlauf der Fernwärme-Bauarbeiten ab, geplanter Beginn ist im August.

Geplante Projekte – Stadtratsbefassung Ende Juni 2019

Entlang der Herzog-Heinrich-Straße sollen beidseitig Radstreifen auf der Fahrbahn eingerichtet werden, dafür müssen streckenweise eine Fahrspur Richtung Norden und Pkw-Parkplätze entfallen. So entstehen zwischen der Lindwurmstraße und dem bestehenden baulichen Radweg ab Beginn der Paul-Heyse-Straße 700 Meter durchgängige Radverkehrsanlagen auf der Fahrbahn in beiden Richtungen. Ergebnis ist zusammen mit den sich östlich anschließenden Radstreifen an der Kapuzinerstraße eine durchgängige Radwegverbindung von der Isar zum Hauptbahnhof.

An der Lindwurmstraße soll zwischen dem Sendlinger Kirchplatz und der Aberlestraße der Radweg auf die Straße verlegt werden, dafür soll eine Rechtsabbiegespur verkürzt werden und eine Geradeausspur für den Kfz-Verkehr wegfallen. Der gewonnene Platz auf dem bisherigen Geh- und Radweg kommt den Fußgängern zu Gute. In der Lindwurmunterführung soll der derzeit als Verkehrsversuch gelb markierte Radfahrstreifen bis zum Neubau der Unterführung dauerhaft beibehalten und deshalb weiß markiert werden.

Auf der Schwanthalerstraße zwischen Theresienhöhe und Paul-Heyse-Straße sollen beidseitig Radfahrstreifen markiert werden. Für die Radfahrstreifen werden Schrägparkplätze in Längsparkplätze umgewandelt, an den Kreuzungen müssen einige Parkplätze ganz entfallen. Bislang gibt es auf diesem Streckenabschnitt gar keine Radverkehrsanlagen, hier wird eine weitere Lücke im Radverkehrsnetz geschlossen und mehr Sicherheit erreicht. Sollten sich die Radfahrstreifen bewähren, besteht die Option auf eine Verlängerung bis zur Sonnenstraße.

Auswahl an Verbesserungen für den Radverkehr der vergangenen 12 Monate

Auf Anordnung des Kreisverwaltungsreferats sind zum Beispiel an der Lindwurmstraße die Fahrradfurten an der Kreuzung mit der Kapuzinerstraße und der Herzog-Heinrich-Straße und verschiedene Fahrradfurten entlang der Nymphenburger Straße beidseitig deutlich rot eingefärbt, zusätzlich gibt es Linksabbiegespuren für den Radverkehr.

Neue Radfahrstreifen gibt es zum Beispiel an der Implerstraße zwischen Hausnummer 7 und 35 und auf der Plinganserstraße zwischen Lindenschmidt- und Lindwurmstraße – mit kompletter Roteinfärbung. Zudem wurde eine Reihe weiterer Gefahrenstellen entschärft, etwa an der Thalkirchner Brücke, vor der die Einfädelstelle deutlich in Rot markiert wurde.

Die Landeshauptstadt hat außerdem die Radweglücke an der Bahnunterführung Werinherstraße geschlossen. Damit ist die bislang konfliktträchtige Verkehrssituation für Radfahrerinnen und Radfahrer entschärft. Im Unterführungsbereich gibt es jetzt beidseitig auf der Fahrbahn rote Radfahrstreifen, die abschnittsweise zusätzlich mit Betonleitwänden geschützt sind.

Fahrradstraßen und geöffnete Einbahnstraßen

Die Einrichtung von weiteren Fahrradstraßen ist erklärtes Ziel des Kreisverwaltungsreferats. Mit derzeit knapp 70 Fahrradstraßen liegt München weiterhin in Deutschland an der Spitze aller Städte. Seit Anfang des Jahres werden alle neuen Fahrradstraßen mit großen Piktogrammen gekennzeichnet, um die Wahrnehmbarkeit zu erhöhen. Sie sind drei Meter lang und zwei Meter breit.

Fahrradstraßen bedeuten für den Radverkehr eine erhöhte Attraktivität und ein Plus an Verkehrssicherheit. Die Ausweisung einer Straße zur Fahrradstraße kommt in Betracht, wenn der Radverkehr die vorherrschende Verkehrsart oder das bald zu erwarten ist, und die Fahrbahn einen fahrradfreundlichen Belag hat.

Zudem wurden außerdem weitere Einbahnstraßen für den Radverkehr geöffnet. Damit sind aktuell 392 der insgesamt rund 700 Einbahnstraßen für den gegenläufigen Radverkehr geöffnet.

Kommunale Verkehrsüberwachung (KVÜ)

Seit 2. Mai 2019 hat die KVÜ 5 Streifenkräfte auf Pedelecs im Einsatz, um effizienter gegen Falschparker auf Radwegen vorzugehen. Die Fahrradstreifen kontrollieren regelmäßig und systematisch Fahrradrouten und können so besser Blockierer von Radwegen und Radschutzstreifen ahnden. Aufgabe ist das Freihalten viel genutzter Radrouten wie zum Beispiel Kapuzinerstraße, Oberanger, Rosenheimer Straße oder Schleißheimer Straße. Die Routen können am Stück mit dem Pedelec abgefahren werden.

In den ersten beiden Wochen haben die Fahrradstreifen bereits 302 Verwarnungsgelder erhoben sowie zusätzlich 112 mal mündlich verwarnt und die Falschparker zur Weiterfahrt aufgefordert. Parkverstöße auf Radwegen kosten je nach Dauer und Grad der
verursachten Behinderung ein Verwarnungsgeld zwischen 20 und 35 Euro.

Im Jahr 2018 hat die Kommunale Verkehrsüberwachung außerdem im Rahmen von weiter verstärkten Kontrollen 9.199 gebührenpflichtige Verwarnungen wegen Radfahrverstößen (Vorjahr: 6.675) ausgesprochen. Dabei handelt es sich vor allem um Verwarnungen wegen verbotswidrigem Radeln auf Gehwegen (10 Euro) sowie das verbotswidrige Radeln in Fußgängerzonen (15 Euro).

Aktueller Stand zum Thema E-Scooter

Wir gehen davon aus, dass die Rechtsgrundlagen voraussichtlich im Juni endgültig geklärt sind und wirksam werden könnten. Beim Kreisverwaltungsreferat haben sich bislang 8 Anbieter gemeldet. Wir rechnen für München mit rund 10.000 Rollern. Vermutlich wird sich die Zahl der Roller erst dann merklich erhöhen, wenn die Zulassungsverfahren für die wichtigsten Modelle abgeschlossen sind und somit auch die technische Betriebssicherheit der Modelle offiziell gewährleistet ist. Das erwarten wir für den Sommer 2019.

Derzeit wird vom KVR ein Entwurf für eine Vereinbarung mit den Anbietern erarbeitet und aktuell noch mit den interessierten Anbietern abgestimmt. Hauptziel ist es, auf eine verkehrssichere Nutzung hinzuwirken. Damit verbunden sind geordnete Abläufe zum Aufstellen der E-Scooter durch die Anbieter, zu zulässigen Abstellstandorten für Kunden oder zur technischen Wartung. In den Gesprächen und der Vereinbarung mit den Anbietern spielen auch Flottengrößen, zulässige Geschäftsgebiete, Kundenservice sowie Kommunikation zur Nutzung von E-Scootern und den geltenden Verkehrsregeln eine wichtige Rolle.

Radverkehrs-Pilotprojekte der Landeshauptstadt

Das Pilotprojekt Vorfahrt für Radler in Fahrradstraßen wurde planmäßig in der Clemensstraße umgesetzt. Dort wurde erstmalig eine Fahrradstraße durchgängig vorfahrtsberechtigt und mit großen Piktogrammen und Sicherheitsstreifen deutlich gekennzeichnet.

Der Pilotversuch zum Grünen Pfeil für Radler läuft seit Februar in München und acht weiteren Städten. Für München hat die Bundesanstalt für Straßenwesen (BAST) aus einer vom Kreisverwaltungsreferat vorbereiteten Vorschlagsliste neun Kreuzungen ausgewählt, an denen die insgesamt 15 Grünpfeile für den Radverkehr angebracht wurden. Der Versuch geht bis zum Jahresende, dann müssen die Schilder des Pilotversuchs wieder abgenommen werden, bis eine endgültige straßenverkehrsrechtliche Regelung getroffen wird.

Die Grüne Welle für Radfahrer auf der Schellingstraße zwischen Luisen- und Ludwigstraße wird beibehalten. Weitere Strecken sollen getestet werden. Aktuell beschäftigt sich auch die Universität der Bundeswehr im Rahmen einer Dissertation mit der Grünen Welle für Radfahrer. Das KVR unterstützt mit Ampel-Daten. Für Testzwecke werden Grüne-Welle-Schaltungen auf der Strecke Kapuziner-, Herzog-Heinrich- und Paul-Heyse-Straße ermöglicht.

Maßnahmen und Aktionen zur Steigerung der Sicherheit im Radverkehr

  • Ein wichtiger Schritt zur Umsetzung des neuen Verkehrssicherheitskonzepts mit der "Vision Zero" liegt in der Verbesserung der Datengrundlage für die systematische Analyse von Unfalldaten. Die Daten werden von der Polizei erhoben, typisiert und für das Kreisverwaltungsreferat in einer Datenbank nutzbar gemacht. Im Zeitraum 2019 / 2020 wird ein dafür beauftragter Gutachter die Grundlagen für die detaillierte Analyse der polizeilichen Unfalldaten vorbereiten – als Ausgangspunkt für alle weiteren Maßnahmen.
  • In Kürze wird ein Pilotversuch zum Einsatz von Trixi-Spiegeln ausgeschrieben, bei dem an verschiedenen Stellen in der Stadt untersucht werden soll, inwieweit sich mit den Spiegeln die Gefahren von Tote-Winkel-Unfällen minimieren lassen.
  • Das Münchner Schulradeln soll auch dieses Jahr wieder zum Radfahren motivieren. Bei dem dreiwöchigen Wettbewerb für Schulen ab der 5. Jahrgangsstufe geht es darum, als Team auf dem Weg zur Schule und in der Freizeit möglichst viele Kilometer mit dem Fahrrad zurückzulegen.
  • Das Projekt "Auf die Räder – fertig – los!" festigt die Inhalte der Fahrradprüfung der Jugendverkehrsschule der Polizei und bereitet auf den neuen Schulweg vor. Außerdem können die Viertklässlerinnen und Viertklässler ihre Koordination und Geschicklichkeit in einem Fahrrad-Parcours testen.
  • Die Münchner Radlnacht startet am Samstag, 10. August 2019, wieder am Königsplatz. Die Besucher erwartet ab dem Nachmittag ein buntes Unterhaltungsprogramm, bevor bei Einbruch der Dämmerung das Startsignal für Münchens großen Fahrradkorso gegeben wird. Vergangenes Jahr fuhren rund 16.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer zusammen durch die sommerliche Nacht.
  • Das Angebot von Fahrrrad-Sicherheits-Checks verteilt über das Jahr und an unterschiedlichen Plätzen in München soll den Bürgerinnen und Bürgern die Gelegenheit geben, ihre Fahrräder auf Verkehrssicherheit überprüfen zu lassen. In diesem Jahr fanden bereits vier dieser Veranstaltungen statt, weitere werden folgen.
  • Für den Herbst 2019 ist wieder das Münchner Radl-Leuchten geplant. Schwerpunkt ist die Sichtbarkeit in der dunklen Jahreszeit. Es gibt die Möglichkeit, die eigene Lichtanlage am Rad kostenfrei zu überprüfen und den Lichtkegel des Scheinwerfers auf die richtige Höhe einzustellen. Außerdem gibt es einen "Dunkeltunnel", in dem sich die Vorteile reflektierender Kleidung ausprobieren lassen.
Meta Infos
Stand der Information
18. Mai 2019
Weitere Informationen
Quelle
Kreisverwaltungsreferat der Landeshauptstadt München (www.kvr-muenchen.de)
Land
Bayern
Handlungsfelder NRVP
Elektromobilität
Kommunikation
Fahrradthemen
Infrastruktur
Planungen/Konzepte/Strategien
Politik/Verwaltung
Schlagworte
Verwaltung