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Niederlande

Radfahrer profitieren noch zu wenig von sicheren Tempo-30-Straßen

Zeichen 274.1 Beginn der Tempo-30-Zone
Zeichen 274.1 Beginn der Tempo-30-Zone ©

Laut SWOV sind Tempo-30-Straßen wesentlich sicherer als Tempo-50-Straßen. Zwar hat die Zahl schwerverletzter Fußgänger und Radfahrer in Tempo-30-Straßen erheblich zugenommen, was jedoch mit der Zunahme der Anzahl dieser temporeduzierten Straßen zusammenhängt. Nicht gut gestaltete Tempo-30-Straßen sorgen jedoch für relativ viele verunglückte Fahrradfahrer wie aus der neuen SWOV-Studie: "Die Sicherheit von Fußgängern und Radfahrern auf Tempo-30-Erschließungsstraßen" hervorgeht.

Seit 1989 wurden in den Niederlanden mehr als 30.000 Straßenkilometer zu Tempo-30-Erschließungsstraßen* umgebaut. Diese sind laut SWOV-Untersuchung für Fußgänger und Radfahrer viel sicherer als Tempo-50-Straßen. Dennoch ist die Zahl ernsthaft verletzter Fußgänger und Radfahrer - angefahren durch ein Motorfahrzeug - zwischen 1995 und 2007 von 27 auf 590 gestiegen. Die Zahl der Getöteten pro Jahr stieg von 3 auf 16. Zu einem großen Teil ist dies der Zunahme von Tempo-30-Straßen zuzuschreiben, wobei jedoch vor allem die Anzahl der verunglückten Radfahrer schnell anstieg. Die Anzahl von Radfahrern unter allen im Straßenverkehr Verunglückten ist in den letzten 10 Jahren von 2,4 auf 11,7 schwer Verletzte pro 1000 Straßenkilometer gestiegen.

Wie die Autoren der SWOV-Studie betonen, ist es wichtig, dass das Tempolimit auf Tempo-30-Strecken glaubwürdig umgesetzt wird, denn auf vielen dieser Straßen ist dies nicht der Fall, weil die Automobilisten dazu neigen, schneller zu fahren. Zitat aus der SWOV-Studie: "Wenn alle Tempo-30-Straßen ein glaubwürdiges Tempolimit hätten, gäbe es 200 Schwerverletzte weniger, besonders unter den Radfahrern. Das entspricht einem Rückgang von einem Drittel."

Bei Unfällen mit Radfahrerbeteiligung an Knotenpunkten fällt die hohe Unfallzahl an Vorrang-Kreuzungen auf. Derartige Kreuzungen gehören eigentlich nicht in Tempo-30-Zonen. Auch hierbei könnte ein glaubwürdig umgesetztes Tempolimit die Zahl der Verunglückten mindern. Ungefähr zwei Drittel der Unfälle mit Beteiligung von Kindern (im Alter zwischen Null und 11 Jahren) passieren an/auf Straßenquerungen. Geeignete Sicherungs-Maßnahmen an diesen Übergangs-/Querungsmöglichkeiten fehlte bei drei Vierteln genannter Unfälle. Würden diese Überwege besser gesichert, könnte es pro Jahr einen Rückgang von 50 Verunglückten geben.

Fazit: Der Umbau von Tempo-50-Straßen in Tempo-30-Straßen hat zu einen massiven Rückgang der Verunglückten-Zahl unter Fußgängern und Fahrradfahrern geführt. Die SWOV gibt schließlich auch die Empfehlung, die Einrichtung optimal gestalteter Wohn- sowie Tempo-30-Erschließungsstraßen fortzuführen. Hierfür ist es allerdings notwendig festzustellen, wie die ideale Tempo-30-Straße auszusehen hat. Weiterhin gibt die SWOV die Empfehlung, die Maßnahmen in den Regelwerken/Richtlinien - für eine optimale Einrichtung dieser Bereiche - zu verschärfen und zu verdeutlichen. Ferner ist es nötig, Untersuchungen anzustellen, welchen Anforderungen sichere Vorrang-Kreuzungen in Tempo-30-Zonen genügen müssen.

Download der Studie (mit englischer Zusammenfassung): "De veiligheid van voetgangers en fietsers op 30km/uur-erftoegangswegen" (Pedestrian and cyclist road safety on 30 km/h access roads; The influence of the layout of urban access roads on collisions between slow traffic and motor vehicles)

* Tempo-30-Erschließungsstraßen = 30km/uur- erftoegangswegen

Zur Original-Fietsberaad-Mitteilung

Zur Fahrradportalmitteilung "Niederlande: Neue Studien und Maßnahmenprogramm zur Verkehrssicherheit" vom 05.05.2009

Meta Infos
Stand der Information
29. April 2009
Quelle

Niederländischer Fietsberaad / SWOV // Difu (A.H.)

Land
Niederlande
Handlungsfelder NRVP
Fahrradthemen