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Kostenvergleich Auto - Fahrrad - Fußverkehr in der EU

Radfahren hat externen Nutzen von 18 Cent pro Kilometer

Radfahrer auf der Straße
© Doris Reichel

Die sozialen Kosten der Automobilität, des Radfahrens und des Fußverkehrs in der Europäischen Union

Kosten-Nutzen-Analysen (Cost-benefit-analyses) werden häufig zur Bewertung von Verkehrsprojekten herangezogen. Ein Forscherteam (Prof. Dr. Gössling, Andy Choi, Kaely Dekker und Daniel Metzler) hat verschiedene Rahmenwerke zu Kosten-Nutzen-Analysen verglichen und kommt zum Schluss, dass die Bandbreite der berücksichtigten Parameter in Kosten-Nutzen-Analysen auf EU-Ebene begrenzt ist.

Das Wissenschaftlerteam stellte für seine Berechnungen eine umfassende Liste von Kriterien zusammen und ermittelte die Kosten pro Einheit. Diese wurden zur Berechnung der externen und privaten Kosten der Automobilität, des Radfahrens und des Gehens in der Europäischen Union herangezogen.

Die Ergebnisse der Studie deuten darauf hin, dass jeder mit dem Auto gefahrene Kilometer externe Kosten in Höhe von 0,11 Euro verursacht, während Radfahren und Zu-Fuß-Gehen Vorteile von 0,18 Euro bzw. 0,37 Euro pro Kilometer bedeuten. Hochgerechnet auf die Gesamtzahl der in der Europäischen Union gefahrenen, geradelten oder zu Fuß zurückgelegten Personenkilometer belaufen sich die Kosten der Automobilität auf etwa 500 Milliarden Euro pro Jahr. Aufgrund der positiven Auswirkungen auf die Gesundheit hat das Radfahren ein externen Nutzen von 24 Milliarden Euro pro Jahr und das Gehen von 66 Milliarden Euro pro Jahr.

Die Wissenschaftler schlagen vor, die Rahmenpläne für Kosten-Nutzen-Analysen in der EU zu erweitertern, um die gesamte Bandbreite externer Effekte besser erfassen zu können und - wo dies möglich ist - vergleichend zu nutzen, um die Folgen verschiedener Verkehrsinvestitionsentscheidungen besser verstehen zu können.

Volkswirtschaftliche Kosten-Nutzen-Analyse für Auto und Fahrrad in Deutschland

Bereits beim vivavelo Kongress 2018 zeigte Prof. Dr. Stefan Gössling von der Universität Lund (Schweden) auf, dass es nicht nur ökologische, sondern auch drastische volkswirtschaftliche Gründe dafür gebe, eine Mobilitätswende in Deutschland herbeizuführen.

Prof. Dr. Gössling hatte sich damals die vorliegenden Zahlen für Deutschland angeschaut und kam auf 20 Cent Kosten pro Kilometer, die nicht durch Steuern und Abgaben der Autofahrer gedeckt waren. "Davon ausgehend, dass ein Auto pro Jahr etwa 20.000 Personenkilometer bewegt wird, bedeutet dies, dass in Deutschland jedes einzelne Auto pro Jahr mit 4.000 Euro von uns allen subventioniert ist", lautete Gösslings Schlussfolgerung im Frühjahr 2018.

Pro gefahrenem Kilometer erwirtschaftete das Fahrrad in Deutschland einen gesamtgesellschaftlichen Nutzen von 30 Cent. Für den damaligen Vergleich zog Gössling folgende Parameter und Faktorkosten heran: Klimawandel, Subventionen, Luftverschmutzung, Lärm, Infrastruktur (Ausbau), Bestehende Infrastruktur, Parken, Ökosystemdienstleistungen, Boden- und Wasserqualität, Ressourcennutzung, Abfälle, Betriebskosten, Reisezeit, Staus und stockender Verkehr, Gesundheitseffekte, Erhöhte Lebenserwartung, Unfälle, Wahrgenommene Sicherheit, Unbehagen, Lebensqualität, Image, Tourismus.

Meta Infos
Stand der Information
15. Februar 2020
Weitere Informationen
Quelle
Gössling, Stefan & Choi, Andy & dekker, kaely & Metzler, Daniel. (2019). The Social Cost of Automobility, Cycling and Walking in the European Union. Ecological Economics. 158. 10.1016/j.ecolecon.2018.12.016.
Land
Europa / EU
Handlungsfelder NRVP
Fahrradthemen
Schlagworte