Sie sind hier

Neue Broschüre des Umweltbundesamtes

Quartiersmobilität gestalten - Verkehrsbelastungen reduzieren und Flächen gewinnen

Quartiersmobilität gestalten - Verkehrsbelastungen reduzieren und Flächen gewinnen
Quartiersmobilität gestalten - Verkehrsbelastungen reduzieren und Flächen gewinnen © Umweltbundesamt / Bild: shutterstock.com – Trang Trinh

UBA-Leitfaden Quartiersmobilität gestalten - Verkehrsbelastungen reduzieren und Flächen gewinnen

Die weiterhin zunehmende Motorisierung, die Notwendigkeit einer umwelt- und klimaschutzorientierten Verkehrswende und der stärker werdende Ruf nach einer Rückgewinnung von Straßenraum für den Fuß- und Radverkehr, für Aufenthalt, Spiel und Bepflanzung rücken die Quartiersmobilität und Verkehrsberuhigung erneut in den Fokus. Dieser Leitfaden greift Instrumente der flächenhaften Verkehrsberuhigung der 1980er Jahre auf und verknüpft sie mit den Praxiserfahrungen aktueller, kommunaler Straßenraumgestaltungen. Die zahlreichen Beispiele und Umsetzungsempfehlungen richten sich an Interessierte aus Politik, Verwaltung, Planungsbüros und Bevölkerung.

Fazit des Leitfadens

Lange Zeit wurde Verkehrsberuhigung als ein Thema der 1980er Jahre betrachtet. Das hat sich innerhalb weniger Jahre geändert. Vielerorts stehen autofreie oder verkehrsberuhigte Quartiere wieder hoch oben auf der politischen Agenda. Dahinter steht eine wahrnehmbare Übernutzung öffentlicher Räume, getrieben von Routingdiensten, die Durchgangsverkehre in Quartiere navigieren und dem weiterhin steigenden Fahrzeugbestand. Zugleich wünschen sich viele Menschen eine Stadt­ und Verkehrspolitik, die sich deutlich stärker am Fuß­ und Radverkehr orientiert und zum Klimaschutz beiträgt.

Die festzustellende neue Welle von Projekten zur Verkehrsberuhigung und Neuaufeilung des Straßenraums zugunsten der aktiven Mobilität ist ofmals dem ehrenamtlichen Engagement von Bürgerinnen und Bürgern zu verdanken. Mit viel Detailwissen über Belastungen durch den lokalen Verkehr entwickeln sie Konzepte, die mehr Verkehrssicherheit, attraktivere öffentliche Räume und bessere Teilhabemöglichkeiten in die Quartiere bringen sollen.

Dieser wachsende Ruf nach einer Entlastung der Quartiere und einer bevorzugten Förderung des Umweltverbunds im Nahverkehr wird auch von Politik und Verwaltung zusehends wahrgenommen. Viele Bürgerinitiativen haben bereits zu Beschlüssen von Stadt­ und Gemeindeparlamenten geführt.

Innovative Beteiligungsformate sichern, dass die Kreativität der Bürgerschaf in formale Planungsprozesse einfließt. Wo die Unterstützung durch Bürgerinnen und Bürger noch fehlt, ist die Teilnahme der Stadt oder Gemeinde an der Europäischen Mobilitätswoche zu empfehlen, die jedes Jahr vom 16. bis 22. September stattfndet.

Nachhaltige Quartiersmobilität ist ein wesentlicher Bestandteil der Verkehrswende in Städten und Gemeinden. Sie ermöglicht komfortable Gehwege und attraktive Routen für den Radverkehr im Nebenstraßennetz. Ihr Effekt geht noch über das Quartier hinaus, da sie auch den bequemen Zugang zu den leistungsfähigen Fahrradhauptrouten oder zu den Haltepunkten des Öffentlichen Verkehrs sichert.

Städte und Gemeinden können den Schwung nutzen, der durch die Klimaschutz­ und Radverkehrsbewegung in den Stadtgesellschafen entsteht. Auch die rechtlichen und fnanziellen Rahmenbedingungen verbessern sich. Bund und Länder haben das Fördermittelvolumen für den Radverkehr und den ÖPNV deutlich angehoben. Und mit einer verbesserten Straßenverkehrsordnung oder dem angepassten Bußgeldkatalog für das Falschparken wird es den Kommunen leichter fallen, eine fortschrittliche Quartiersmobilität um­ und durchzusetzen.

Inhalt

1. Einführung

1.1 Die Verkehrswende erfordert Veränderungen an Straßen und Plätzen
1.2 Straßenräume von Verkehrsbelastungen befreien
1.3 Ziel des Leitfadens

2. Bausteine zur Entlastung des Straßenraums im Quartier

2.1 Verkehrsberuhigung: Die StVO setzt den Rahmen
2.2 Bauliche Elemente: Verkehrsbelastungen reduzieren
2.3 Straßenrecht: Nutzungsrechte defnieren
2.4 Poller, Pflanzkübel und Co: Unerwünschte Nutzungen verhindern
2.5 Organisation des Parkens: Flächen frei machen für lebendige Straßen

3. Quartiersbezogene Mobilitätskonzepte erstellen

3.1 Lokale Politik einbinden
3.2 Citizen Science: Bürgerinnen und Bürger erheben Daten
3.3 Ko-Kreation: Verwaltung und Bevölkerung planen gemeinsam
3.4 Kommunikation und Beteiligung
3.5 Konzepte schrittweise umsetzen
3.6 Daten- und modellbasiert planen: Die verkehrliche Machbarkeitsstudie
3.7 Finanzierungsquellen erschließen

4. Umgang mit typischen Gegenargumenten

4.1 Durch Verkehrsberuhigung verschärf sich die Parkplatznot
4.2 Verkehrsberuhigung führt nur zu einer Verdrängung des Verkehrs auf andere Straßen
4.3 Verkehrsberuhigung behindert Rettungsdienste
4.4 Hier protestiert eine Minderheit, die den Autofahrenden das Leben schwer machen will
4.5 Durch eine Straßenumgestaltung steigen die Mieten im Quartier

5 Fazit

6 Literaturverzeichnis