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Vehicle-zu-Vehicle und Vehicle-zu-Infrastruktur (V2X)

Projekt zum Radfahrer-Schutz mit E-Lastenrad "made in Hamburg"

Bundesminister Scheuer und Senator Westhagemann besuchen Hamburgs Teststrecke für automatisiertes und vernetztes Fahren
Bundesminister Scheuer und Senator Westhagemann besuchen Hamburgs Teststrecke für automatisiertes und vernetztes Fahren © Behörde für Wirtschaft, Verkehr und Innovation

NXP Semiconductors präsentiert Projekt zum Radfahrer-Schutz mit E-Lastenrad "made in Hamburg"

Bundesverkehrsminister Scheuer und Hamburgs Verkehrsenator Westhagemann haben sich am 17.09.2019 bei einer Fahrt auf Hamburgs Teststrecke über Projekte des automatisierten und vernetzten Fahrens informiert. Dr. Axel Heinrich, Leiter Group Innovation der Volkswagen AG, berichtete über die Testfahrten mit e-Golf-Versuchsfahrzeugen seit März. Lars Reger, Chief Technology Officer (CTO) von Halbleiterhersteller NXP Semiconductors mit Werk in Hamburg-Lokstedt, präsentierte ein Pilotprojekt für den Radverkehr, bei dem ein E-Lastenrad des Hamburger Start-ups XYZ Cargo mit den Teststrecken-Ampeln kommuniziert.

Der neun Kilometer lange Rundkurs vom Dammtor-Bahnhof über Messehallen, Landungsbrücken, Rödingsmarkt und Stephansplatz wird gera­de schrittweise mit Kommunikationstechnik an den Ampeln technisch ausgerüstet. Er ist eins von derzeit rund 70 laufenden Projekten der Senatsstrategie für Intelligente Verkehrssysteme (ITS) und wird vom Bund mit rund 10,7 Millionen Euro gefördert. Hamburg ist vom 11. bis 15. Oktober 2021 im CCH und den Messehallen Gastgeber des ITS-Weltkon­gresses, bei dem den Besuchern auch auf der Teststrecke vielfältige Anwendungen präsentiert werden sollen.

Bundesminister Andreas Scheuer: "Das automatisierte und vernetzte Fahren bietet nicht nur neue Möglichkeiten für den Stadtverkehr und den ÖPNV, sondern auch für mehr Sicherheit und Klimaschutz. Unser Haus fördert daher den Aufbau der Teststrecke Automatisiertes und Vernetztes Fahren hier in Hamburg mit rund 10,7 Millionen Euro. Hinzu kommen zahlreiche weitere Projekte, die wir mit rund 29 Millionen Euro unterstützen. Das zeigt: Hamburg entwickelt sich zu einem echten Hotspot für die Digitalisierung der Verkehrssysteme. Die Erkenntnisse, die hier gewonnen werden, sind eine wichtige Grundlage für verkehrspolitische Entscheidungen."

Senator Michael Westhagemann: "Ich freue mich, dass immer mehr Unternehmen und eine Hamburger Hochschule unser Teststrecken-Angebot nutzen. Die sichere, effiziente und umweltfreund­liche Weiterentwicklung von Verkehrssystemen ist in einer digitalisierten Welt von großer Bedeutung. Hierzu gehört auch das automatisierte und vernetzte Fahren. Weitere interessierte Nutzer aus Industrie oder Wissenschaft sind herzlich eingeladen, ebenfalls Anwendungen hier zu testen. Wir wollen Hamburg zur Modellstadt für intelligente Mobilität machen und der Weltöffentlichkeit 2021 viele innovative Mobilitätsprojekte vorstellen."

Hamburgs Teststrecken-Projekt sieht vor, dass bis Ende kommenden Jahres 37 Ampeln und eine Brücke so ausgestattet werden, dass sie Informationen per dafür konzipiertem WLANp an Fahrzeuge senden können. Bisher sind zehn Ampeln ausgerüstet und können mit Fahrzeugen, die über die entsprechende Infrastruktur verfügen, kommunizieren. Im Rahmen der Strategie für Intelligente Verkehrs­systeme ("ITS-Strategie") baut Hamburg die rund neun Kilometer lange Teststrecke nutzeroffen und herstellerunabhängig auf. Ziel ist die Verbesserung des Verkehrs­flusses und der Sicherheit im Straßenverkehr sowie Erkenntnisse zum künftigen Einsatz der digitalen und kabellosen Kommunikation zwischen Fahrzeugen oder Fahrzeugen und Verkehrsinfrastruktur ("V2X-Infrastruktur"). Der Aufbau der Teststrecke wird vom Landesbetrieb Straßen, Brücken und Gewässer gesteuert und der Hamburg Verkehrsanlagen GmbH umgesetzt, die Vermarktung betreibt das norddeutsche Mobilitätscluster ITS mobility GmbH in Braunschweig.

Volkswagen zieht eine positive Bilanz der bisherigen Testfahrten mit einer Flotte von fünf vollautomatisiert fahrenden e-Golf in Hamburg. Die Ergebnisse zeigten, dass die Wagen selbst im dichten Großstadtverkehr immer sicher unterwegs sind. Besondere Herausforderungen an die Testflotte stellen vor allem Fehlverhalten anderer Verkehrsteilnehmer dar. Die automatisierten Funktionen der Fahrzeuge fanden hier aber selbst bei  hohem Verkehrsaufkommen schnell sichere Lösungen. Die e-Golf-Flotte, mit der unter realen Bedingungen automatisiertes Fahren bis Level 4 in einer deutschen Großstadt getestet wird, wurde von Volkswagen Group Innovation entwickelt. Bei den Tests stehen sowohl die technischen Möglichkeiten als auch die Anforderungen an die städtische Infrastruktur im Vordergrund.

Dr. Axel Heinrich, Leiter Group Innovation der Volkswagen AG: "Wir sind sehr zufrieden mitdem Verlauf der Testfahrten. Bisher sind keine kritischen Situationen aufgetreten. Unter allen Umständen hat sich das Fahrzeug bisher regelkonform verhalten. Vor allem die Kommunikation vom Auto zu den vernetzten Ampeln der ausgewiesenen Teststrecke mittels WLANp-Technologie funktioniert dabei hervorragend."

Die eingesetzten e-Golf verfügen über elf Laser-Scanner, sieben Radare und 14 Kameras. Bis zu fünf Gigabyte beträgt der Datenaustausch pro Minute bei den regelmäßigen Testfahrten, die sich jeweils über mehrere Stunden erstrecken. Dafür steckt die Rechenleistung von rund 15 Laptops im Kofferraum des e-Golf. Die enorme Rechenleistung sowie präzise Sensortechnik sorgen dafür, dass Fußgänger, Fahrradfahrer, andere Autos, Kreuzungen, Vorfahrtsregeln, parkende Fahrzeuge und Fahrstreifenwechsel im fließenden Verkehr auf kürzesten Distanzen und in Millisekunden erfasst werden. Aus Sicherheitsgründen sitzt bei den Testfahrten in Hamburg durchgehend ein besonders geschulter Testfahrer am Lenkrad, der alle Fahrfunktionen fortwährend überprüft und im Notfall eingreifen kann. Zudem werden alle Datenschutzbestimmungen umfassend berücksichtigt.

NXP Semiconductors fokussiert bei seinen Teststrecken-Aktivitäten auf verletzlichere Verkehrsteilnehmer wie Rad- oder E-Tretrollerfahrer. Ziel ist es, die Zahl der Verkehrsunfälle zu senken, die dadurch entstehen, dass diese im Verkehr übersehen werden – beispielsweise im toten Winkel oder bei Sichthindernissen. Das Unternehmen zeigte heute konkret eine sichere Kommunikation zwischen Elektro-Rad und Ampel über die so genannte V2X-Kommunikationstechnik (V2X: Vehicle-zu-Vehicle und Vehicle-zu-Infrastruktur), die auf einer straßentauglichen, robusten WLAN-Verbindung beruht. Die Ampel zeigt dem Elektrorad dabei die Ampelphase an, so dass sich das Elektrorad dynamisch anpassen kann. So lässt sich umwelteffizienter, sicherer und komfortabler fahren. Als nächste Schritte bis zum Jahresende werden auf der Teststrecke weitergehende unfallverhindernde Maßnahmen getestet. Dabei wird das Elektrorad für andere Verkehrsteilnehmer wie Autos oder Lkws auf deren Displays sichtbar gemacht, sobald sie sich nähern: Auch wenn sie sich noch hinter Hindernissen wie einem Lkw oder einer Straßenecke befinden, werden sie auf diese Weise schon erkannt, lange bevor sie im eigentlichen Sichtfeld des Fahrers auftauchen.

Lars Reger, Chief Technology Officer (CTO) NXP Semiconductors Germany GmbH: "Wir erproben auf der Teststrecke, wie sich Radfahrer im Verkehr besser schützen lassen. Den ersten Meilenstein aus unserem Projekt konnten wir heute zeigen: das Elektrorad spricht über die Funktechnik V2X mit der Ampel und passt sich dynamisch und energiesparend an die Ampelphase an. Im nächsten Schritt nutzen wir V2X, um das Rad für herannahende autonome Fahrzeuge auf deren Displays sichtbar zu machen. NXPs V2X Lösung ist bereits in ersten Automodellen auf der Straße, VW plant die Einführung eines Volumenfahrzeugs mit dieser Sicherheitstechnik noch in diesem Jahr."

Hergestellt wurde das von NXP eingesetzte E-Lastenrad vom Start-up XYZ Cargo, das in Hamburg und Kopenhagen verschiedene Lastenradmodelle in "Micro Factories" mit einer geschraubten Konstruktionsweise aus Aluminium-Profilen modular lokal und nachhaltig produziert.

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Stand der Information
18. September 2019
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Quelle
Behörde für Wirtschaft, Verkehr und Innovation
Land
Hamburg
Handlungsfelder NRVP
Fahrradthemen
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