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Erhebung im Auftrag des Umweltbundesamtes

Projekt-Abschlussbericht "Aktive Mobilität: Mehr Lebensqualität in Ballungsräumen"

Getrennter Rad- und Gehweg
Getrennter Rad- und Gehweg © Alexander Hunger

Projekt-Abschlussbericht "Aktive Mobilität: Mehr Lebensqualität in Ballungsräumen" im Auftrag des Umweltbundesamtes (UBA)

Ziel des Forschungsprojekts "Aktive Mobilität: Mehr Lebensqualität in Ballungsräumen" war die Identifikation von Motivationsfaktoren, die die aktive Mobilität im Alltag begünstigen. Dazu führte die TU Dresden eine repräsentative Online‐Erhebung in zwölf deutschen Städten durch. Die Erhebung kam zu dem Ergebnis, dass eine positive Wahrnehmung des Zufußgehens und Radfahrens, fußläufige Erreichbarkeiten, städtebauliche Dichte, das Umweltbewusstsein, eine hohe formale Bildung und der Zugang zum Internet im öffentlichen Raum die größten Motivationsfaktoren für die aktive Mobilität darstellen.

Einige Erkenntnisse und daraus folgende Handlungsoptionen geben einen kurzen Einblick in das 196 Seiten umfassende Dokument:

Bestand an Verkehrsmitteln für viele Befragte ausschlaggebender Punkt

Sowohl bei Radfahrenden als auch bei Autofahrenden wird darauf hingewiesen, dass sie das Rad bzw. Auto nutzen, weil es "nun mal vor der Haustür steht". Das Anschaffen und Vorhandensein verschiedener Verkehrsmittel trägt somit wesentlich dazu bei, dass sie genutzt werden. Damit ist der Bestand an Verkehrsmitteln für viele Befragte ein ausschlaggebender Punkt.

Einstellungen zum Fußverkehr

Mit dem Thema Fußverkehr wird Unterschiedlichstes assoziiert. Die meisten Befragten verbinden mit dem Zufußgehen eine "einfache", "unkomplizierte" und "soziale" Art der Mobilität. Mit Zufußgehen wird ein hoher Zeitaufwand verbunden und somit ein Hemmnis, um mehr Strecken zu Fuß zurück zu legen.

Einstellungen zum Radverkehr

Grundlegend wird das Radfahren mit den Begriffen "schnell", "Bewegung" und "flexibel" assoziiert. Darüber hinaus geben viele Befragte an, dass das Radfahren sozial erwünscht ist und es einen Vorbildcharakter erfüllt. Als Hemmnis wird neben "Sicherheitsbedenken" auch häufig die "Pflege der Radwege" genannt. Bei Regen oder kühleren Jahreszeiten weichen viele Befragte auf andere Verkehrsmittel aus, vor allem auf den ÖPNV und privaten Pkw.

Gesundheit

Eine große Mehrheit der Befragten gab an, dass gesundheitliche Faktoren eine zentrale Rolle für die eigene Mobilität spielen. Jüngere Befragte sowie Autofahrende gaben eher an, dass Gesundheit für sie weniger wichtig sei. Grundsätzlich erkennen die meisten Befragten an, dass aktive Mobilität gesund für den menschlichen Körper ist. Ältere im Vergleich zu jüngeren Befragten waren insgesamt sensibler gegenüber ihrer Gesundheit und dem Umstand, dass jede Bewegung dazu beitragen könne, dem Körper etwas Gutes zu tun.

PKW-Besitz

54 Prozent der Befragten besitzen einen privaten Pkw. Wenige dieser Befragten konnten sich vorstellen, den Pkw aktiv abzuschaffen. Die Gründe hierfür waren divers: Bequemlichkeit, Transporte, Gewohnheit, Familienbesuche, Schutz vor Witterung und anderes.

Erwartungen an das Wohnumfeld

Die Befragten wurden bezüglich der Aufenthaltsqualität ihrer Wohnumgebung und des Umfelds, in dem sie sich regelmäßig fortbewegen, befragt. Die wichtigsten Kriterien für die Befragten zur Aufenthaltsqualität sind die Sauberkeit der Wege; Ästhetik (interessante Architektur, Farben, Kunst, bepflanzt); nicht überfüllt; Sitzmöglichkeiten; Begrünung; wenig Verkehr

Mögliche Handlungsoptionen für den Fußverkehr

  • Sensibilisierung für das Thema Zufußgehen in der Bevölkerung und bei Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträgern
  • Förderung der "Stadt der kurzen Wege": Verdichtung, Funktionsmischung und Bereitstellung von Mobilitätsangeboten
  • Push- & Pull-Maßnahmen zur Förderung aktiver Mobilität
  • Förderung der mobilen Informationsverfügbarkeit
  • Förderung der Sicherheit in Straßenräumen und Ausbau regelkonformer Anlagen für den Fußverkehr als Minimum

Mögliche Handlungsoptionen für den Radverkehr

  • Weitere Förderung des positiven Images des Radfahrens
  • Förderung des Umweltbewusstseins und Informationen über die Umwelteffekte der verschiedenen Verkehrsmittel
  • Verbesserung sicherheitsrelevanter Aspekte für Radfahrende
  • Förderung von Strategien und Technologien zur Erhöhung des Komforts beim Radfahren
  • Push- & Pull-Maßnahmen zur Förderung aktiver Mobilität

Neben den genannten Handlungsoptionen sind zur Förderung aktiver Mobilität weitere Maßnahmen empfehlenswert:

  • Gestaltung attraktiver und sicherer Straßenräume und Wegenetze das Zufußgehen und den Aufenthalt. Aus der Literatur ist bekannt, dass eine attraktive städtebauliche Gestaltung (z. B. Fassadengestaltung, Erdgeschossnutzung, Grünstrukturen) wichtige Einflussfaktoren für beide Aktivitäten sind.
  • Die parallele Förderung des ÖPNV ist zur Förderung der aktiven Mobilität notwendig. Der ÖPNV dient zum einen für Zufußgehende als geeignetes ergänzendes Verkehrsmittel, um entfernte Ziele komfortabel erreichen zu können. Bei der ÖPNV-Nutzung spielen unter anderen die Erreichbarkeit von Haltestellen, Ticketpreise, Bedienungsqualitäten (z. B. Wartezeiten, Bedienungshäufigkeiten) sowie Umsteigebeziehungen eine wichtige Rolle. Auch Radfahrende nutzen für einzelne Strecken den ÖPNV als ergänzendes Verkehrsmittel.  Der geregelte, kostenlose Transport von Fahrrädern in Fahrzeugen des ÖPNV könnte einen weiteren Motivationsfaktor für das Radfahren darstellen.
  • Die Chancen und Risiken von Elektrokleinstfahrzeugen (E-Scooter) hinsichtlich einer umweltfreundlichen und sicheren Stadtmobilität sind beispielsweise durch Befragungen zu Verhaltenshintergründen zu untersuchen. So können neue Informationen zur Nutzung von E-Scootern, beispielsweise zur Motivation, zu Wegezwecken und zur Interaktion mit anderen Verkehrsteilnehmenden, gewonnen werden. Aktuell fehlen gesicherte Kenntnisse darüber, inwiefern sie die aktive Mobilität fördern oder hindern.

Quelle:

TEXTE 226/2020
Ressortforschungsplan des Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit
Forschungskennzahl 3716 58 104 0
FB000156
Aktive Mobilität: Mehr Lebensqualität in Ballungsräumen
Abschlussbericht von
Prof. Dr.-Ing. Regine Gerike, M.Sc. Caroline Koszowski, Dr.-Ing. Stefan Hubrich,
PD Dr.-Ing. habil. Rico Wittwer, Dipl.-Ing. Sebastian Wittig, Dipl.-Ing. Maria Pohle
Technische Universität Dresden, Professur für Integrierte Verkehrsplanung und Straßenverkehrstechnik, Dresden
PD Dr. phil. habil. Weert Canzler, M.Sc. Julia Epp
Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung gGmbH, Berlin
Im Auftrag des Umweltbundesamtes