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Strassenverkehrsunfallstatistik 2020 des Bundesamts für Strassen (ASTRA)

Pro Velo Schweiz sehr betroffen über hohe Unfallzahlen bei Velofahrenden

Notarztwagen bei einem Rettungseinsatz
Notarztwagen bei einem Rettungseinsatz © Alexander Hunger

Schweiz: Pro Velo sehr betroffen über hohe Unfallzahlen bei Velofahrenden

Pro Velo ist sehr besorgt über die hohen Verkehrsunfallzahlen bei Velofahrenden vom Jahr 2020 (Astra Jahresstatistik der Strassenverkehrsunfälle). Die Hauptunfallursachen sind überhöhte Geschwindigkeit des motorisierten Verkehrs, mangelhafte Infrastrukturen und Unachtsamkeit von Auto- und Velofahrenden.

Ein Grund für die höheren Unfallzahlen ist sicher die höhere Zahl von Velofahrenden. Während des Corona bedingten Lockdowns sind viele Menschen – auch weniger Geübte – aufs Velo gestiegen, um sich zu bewegen und um die öffentlichen Verkehrsmittel zu meiden. Dies hat zweifellos zu zusätzlichen Unfällen geführt. Gleichzeitig fällt auf, dass vermehrt ältere Menschen auf dem Velo schwer verunfallen. Hier kommt die höhere Verletzlichkeit dieser Bevölkerungsgruppe hinzu.

Pro Velo schlägt verschiedene Maßnahmen vor, um die Sicherheit von Velofahrenden zu verbessern:

  • Geschwindigkeit: Die Geschwindigkeiten innerorts, gerade dort, wo Radwege fehlen, müssen weiter gesenkt werden.
  • Auch Elektrovelofahrende sollen sich an Geschwindigkeitslimiten halten müssen; hierzu hat der Bundesrat bereits Vorschläge gemacht, die wir begrüßen. Wir appellieren auch an die Elektrovelofahrenden, sich bewusst zu sein, dass ihre Geschwindigkeit oft unterschätzt wird.
  • Infrastrukturen: Die Veloinfrastruktur – sofern es überhaupt eine hat – ist oftmals zu schmal. Dies kann kritisch werden, wenn Velos andere überholen wollen. Mit den Elektrovelos kommt es immer häufiger zu solchen Überholvorgängen. Pro Velo setzt sich dafür ein, dass Velowege und Radstreifen genügend breit gebaut werden.
  • Unaufmerksamkeit bei den Autofahrenden: Unaufmerksamkeit ist bei Kollisionen eine der Hauptunfallursachen. Pro Velo erwartet von der Polizei, dass die Benutzung von elektronischen Geräten beim Autofahren strenger kontrolliert und geahndet wird.
  • Aus- und Weiterbildung: Gerade für Neu-AufsteigerInnen auf Elektrovelos empfiehlt Pro Velo den Besuch eines Fahrkurses. Die Verkehrsinstruktion auf dem Velo soll in den Schulen weitergeführt und ausgebaut werden.
 

ASTRA: Insgesamt wurden 227 Menschen bei Verkehrsunfällen getötet (2019: 187) und 3.793 schwer verletzt (2019: 3.639). Die Zahl der Verkehrstoten und der Schwerverletzten stieg damit wieder an. Der langfristige Trend bei den Opferzahlen ist in der Schweiz über die letzten Jahre hinweg betrachtet jedoch sinkend. (...)

  • Fahrradfahrende: 2020 wurden 29 Fahrradfahrende getötet, 13 mehr als im Vorjahr. Ein deutlicher Anstieg ist im Innerortsbereich feststellbar: Dort kamen 19 Menschen ums Leben, was gegenüber dem Vorjahr einer Zunahme von 10 Personen entspricht. 5 Personen verunfallten mit dem Velo auf einem Radweg/Radstreifen tödlich, zwei auf dem Trottoir. Schwer verletzt wurden 934 Personen (2019: 802). Auffallend ist, dass 21 der getöteten Fahrradfahrenden den Unfall selbst verursacht haben. Weiter fällt die Zunahme der getöteten Fahrradfahrenden in der Altersklasse 65 – 84 Jahre auf (plus 8 auf 14 Getötete gegenüber 2019).
  • E-Bike-Fahrende: Wie in den Vorjahren gab es 2020 mehr schwerverunfallte E-Bike-Fahrende: 15 Personen wurden getötet (2019: 11) und 521 schwer verletzt (2019: 355). Die meisten Unfälle mit E-Bikes waren Schleuder- oder Selbstunfälle. Mit dem in Erarbeitung stehenden Veloweggesetz kann die Infrastruktur für die Velo- und langsamen E-Bike-Fahrenden verbessert und damit die Verkehrssicherheit erhöht werden. Die Vernehmlassung wurde im September 2020 abgeschlossen. Als nächstes wird der Bundesrat die Botschaft zuhanden des Parlaments verabschieden. Zudem wird zurzeit das Strassenverkehrsgesetz revidiert. In diesem Zusammenhang sind weitere Massnahmen zum Schutz der E-Bikefahrenden vorgesehen wie eine Helmtragpflicht, ein Lichtobligatorium für alle E-Bike-Fahrenden sowie eine Tachopflicht für schnelle E-Bikes. Aufgrund der Corona-Pandemie haben viele Personen vermehrt das Velo genutzt. Die mit einem Velo und E-Bike zurückgelegten Distanzen haben im zweiten und dritten Quartal deutlich zugenommen (vgl. ETH-Forschungsprojekt MOBIS: COVID-19). Dies dürfte das Unfallgeschehen mitbeeinflusst haben.
  • Fussgängerinnen und Fussgänger: Bei den Getöteten ist ein leichter Rückgang zu verzeichnen, von 37 (2019) auf 36 Personen, bei den Schwerverletzten von 524 auf 408 Personen im 2020. Fast die Hälfte starb auf einem Fussgängerstreifen.
  • Fahrende Fahrzeugähnlicher Geräte (FäG): Zu diesen Fahrzeugen gehören zum Beispiel Trottinettes, Inline-Skates oder Skateboards. Auch hier kommt es zu tödlichen Unfällen. 2020 starben 2 Personen, 57 wurde schwer verletzt (2019: 39). Am stärksten betroffen sind Kinder von 2 bis 13 Jahre.