Sie sind hier

Pilot-Projekt Paket-KV-MD2

Paket-Rakete in Magdeburg - kombinierter Verkehr auf der letzten Meile mit Mikrodepot

Gemeinsame Probefahrt mit der Paket-Rakete auf dem Betriebshof der Mediengruppe Magdeburg
Gemeinsame Probefahrt mit der Paket-Rakete auf dem Betriebshof der Mediengruppe Magdeburg © www.paket-kv-md-2.ovgu.de

Pilot-Projekt Paket-KV-MD2: Paket-Rakete in Magdeburg - kombinierter Verkehr auf der letzten Meile mit Mikrodepot

Die Auslieferungen von Paketen stellen die Innenstädte mittlerweile vor immer größere Herausforderungen. Die Zustellung in der Innenstadt erzeugt oft Verkehrsbehinderungen, Lärm- und Abgasbelästigungen sowie Ärger, wenn Zustellfahrzeuge in zweiter Reihe oder auf Fuß- und Radwegen halten. In Magdeburg startete Mitte März 2021 ein Verbund von innovativen Unternehmen in Zusammenarbeit mit dem Institut für Logistik und Materialflusstechnik (ILM) der Otto-von-Guericke-Universität für ein einmaliges Pilotprojekt in Deutschland und Europa. Das Pilot-Projekt Paket-KV-MD2 steht für einen nachhaltigen Paketdienst durch kombinierten Verkehr auf der letzten Meile mit Mikro-Depot zum Umschlag sowie stationären und mobilen Paketstationen in Magdeburg. Ausgefahren werden die auszuliefernden Pakete mit E-Lastenrädern der biber post, der Paket-Rakete.

Forschungsseitig widmet sich das ILM allgemein den Methoden und innovativen Lösungen zur optimalen Gestaltung von logistischen Prozessen, Systemen und globalen Produktions- und Dienstleistungsnetzwerken sowie der Entwicklung logistikspezifischer Produkte in der Materialflusstechnik. Der Inhaber des Lehrstuhls für Logistik, Prof. Hartmut Zadek, führt dazu aus: "Das Projekt Paket-KV-MD2 fügt sich damit optimal in die Schwerpunkte des Lehrstuhls für Logistik ein, gemäß dem interdisziplinären Leitbild werden hier vielfältige Forschungsprojekte rund um die Themen Logistik, Mobilität und Nachhaltigkeit bearbeitet."

Die Paket-Rakete ist eines der Module des Projektes "Paket-KV-MD2", das auf eine Paketverteilung mit einem innovativen Hub-and-Spoke-Ansatz basiert. Das heißt im Stadtzentrum wird ein Urban-Hub – das Hauptquartier der Paketverteilung – eingerichtet. Von dort aus werden mit E-Lasten-Rädern die stationären Paketstationen beliefert und auch die vorkonfektionierten mobilen Paketstationen ins Quartier gefahren. Stationäre Paketstationen entstehen im Projektzeitraum nicht nur in Stadtfeld-Ost, sondern auch gegenüber dem Hauptbahnhof beim City Carré und auf dem Universitätscampus. Für die persönliche Zustellung an die Haustür erfolgt die Belieferung eines Bezirkes mit Wechsel-behältern in ein Mikro-Depot und von dort aus werden die Pakete mit der Paket-Rakete in mehreren Ausliefertouren zu den Empfängern gebracht.

So wird vom Mikro-Depot Stadtfeld-Ost in der Wilhelm-Linke-Straße als Pilotstandort der gesamte Zustellungsbereich in Stadtfeld-Ost mit der Paket-Rakete beliefert. Bewährt sich das Zustellkonzept mit dem Mikro-Depot wird eine Ausweitung auf andere Bezirke Magdeburgs vorgenommen.

Marco Fehrecke, Koordinator der Mediengruppe Magdeburg, die bei dem Pilotprojekt Konsortialführer ist, meint dazu "Der Einsatz von E-Lastenrädern ist zukunftsweisend und nachhaltig. Die Landeshauptstadt Magdeburg erkannte früh das Potenzial und die Vorteile, die das Pilotprojekt mit sich bringt." So begrüßt er, dass im Lastenheft auch für die Vergabe des Lastenrades besonderes Augenmerk auf die Anforderungen für die Logistik und Paketzustellung gelegt wurde. "Pilotprojekte wie diese werden immer wichtiger und dies nicht nur für die Innenstädte, sondern gewinnen auch an Bedeutung in der ländlichen Region."

Lars Preuß, Koordinator der Post- und Logistikdienstleistungen biber post sieht eine starke Entlastung nicht nur für den Innenstadtverkehr, sondern auch Vorteile für die Logistik der Zustellung. "Durch die Innovation einer mobilen Paketstation können wir flexibler die Zustellung eintakten und somit schneller Paketsendungen ausliefern und einsammeln."

Die Wirtschaftsbeigeordnete der Landeshauptstadt Magdeburg, Sandra Yvonne Stieger, sieht das Potential für die Innenstadtentwicklung und die damit verbundene Entschleunigung des Verkehrs, die das Pilotprojekt für die Magdeburger mit sich bringt. So begrüßt sie, dass für verschiedene Zielgruppen ein Anreiz für die Nutzung des besonderen Lieferservices geboten wird. "Als Landeshauptstadt Magdeburg unterstützen wir das Projekt, denn sowohl für die Händler als auch für die Kunden der Innenstadt kann sich der Anreiz entfalten, die Paket-Rakete zur Verbesserung der Lebensqualität in Anspruch zu nehmen. Nicht zuletzt für die Bewohner sind die Effekte spürbar, durch mehr Service in der Zustellung und durch potentiell weniger Verkehrslärm."

Der Prototypbauer FIApro entwickelt und fertigt die mobilen Paketstationen, welche mittels Lastenrad flexibel in Magdeburg verteilt werden können. Andreas Franke Technischer Leiter der FIAPro erklärt: "Die besondere Innovation ist die Entwicklung einer mobilen Paketstation. Diese wurde als rollbarer Aufbau für die Lastenräder – Paket-Rakete –  in enger Zusammenarbeit mit dem ILM der Otto-von Guericke Universität konstruiert. Zum ersten Mal wird in Deutschland und Europa eine mobile Paketstation eingesetzt. Diese kann im Urban Hub bei der biber post in der Bahnhofsstraße bestückt und dann mit der Paket-Rakete zu ausgewählten Standorten in Quartieren gefahren werden." Als Pilotstandort einer derartigen mobilen Paketstation ist ein Quartier in der Weitlingstraße in Kooperation mit der Stadtfelder Wohnungsgenossenschaft eG vorgesehen.

Das Projekt Paket-KV-MD2 wird aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung nach Richtlinie GS LSkV des Landes Sachsen-Anhalt gefördert.

Ausblick

Zeitschiene, was sind die nächsten Meilensteine. Nächster Meilenstein ist der Aufbau der drei Paketstationen beim City Carré, in Stadtfeld und auf dem OVGU-Campus. Parallel erfolgt bis zur Jahresmitte der Aufbau des Mikros-Depots in Stadtfeld sowie die Fertigstellung der ersten Prototypen mobiler Paketstationen. Im dritten Quartal 2021 kommen dann noch weitergehende Funktionen einer softwarebasierten Steuerung dazu.

Wann wird es für die Öffentlichkeit nutzbar. Erste Pilotanwendungen werden ab der 2. Jahreshälfte 2021 für registrierte Testnutzer möglich sein und durch die hinzugefügten softwarebasierten Steuerungen im 2. Halbjahr 2021 fortlaufend erweitert werden. Im 2. Halbjahr 2021 und 1. Quartal 2022 wird die Nutzerakzeptanz begleitend untersucht werden, so dass im 1. Halbjahr 2022 eine Auswertung und eine Entscheidung zur Ausweitung des innovativen Pilotprojektes erfolgen kann.

Meta Infos
Stand der Information
20. April 2021
Weitere Informationen
Quelle
Institut für Logistik und Materialflusstechnik an der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg (www.uni-magdeburg.de) // Difu (A.H.)
Land
Sachsen-Anhalt
Handlungsfelder NRVP
Fahrradthemen
Schlagworte