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41 Prozent Pedelec-Anteil, rund 9.000 Beschäftigte

Österreichischer E-Fahrradmarkt führend im deutschsprachigen Raum

Pedelec mit Ladekabel
Pedelec mit Ladekabel © Alexander Hunger

Fahrradverkaufszahlen in Österreich 2020: Absatz auf Rekordkurs, E-Bike Anteil erstmals bei über 40 Prozent, E-Lastenräder haben sich verdoppelt

  • Der Gesamt-Fahrradmarkt in Österreich hatte im Jahr 2020 ein Volumen von rund 496.000 Fahrrädern (+13 Prozent)
  • 2020 wurden erstmals mehr als 200.000 E-Bikes verkauft. Das entspricht einem Marktanteil von 41 Prozent – damit ist der österreichische Fahrradmarkt der stärkste im D-A-CH Raum
  • Besonders signifikant ist der Anstieg bei E-Lastenrädern: Mit knapp 950 verkauften E-Cargobikes hat sich das Segment fast verdoppelt
  • 2020 wurden mit Fahrradverkäufen knapp 878 Millionen EUR (+ 26 Prozent) umgesetzt
  • Grund dafür ist der steigende Absatz von E-Bikes und die Nachfrage nach höherwertigen Produkten und Materialien: Durchschnittlich zahlt man für ein Fahrrad 1.769 EUR (+11,6 Prozent), für ein E-Bike 3.012 EUR (+7 Prozent)
  • Mit E-Bikes wurden 613 Millionen EUR umgesetzt, das sind etwa 70 Prozent des Gesamtumsatzes
  • In der österreichischen Fahrradindustrie sind etwa 1.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beschäftigt, im Fahrradverkauf rund 7.000 bis 8.000 (Fahrradfachhandel und Sportartikelhandel)

Das Fahrrad ist als zentrales Verkehrsmittel der nachhaltigen, gesunden und individuellen Mobilität kaum mehr wegzudenken. Im letzten Jahr wurden von der österreichischen Industrie 496.434 Fahrräder über den Fachhandel und Sporthandel verkauft. Das sind 13 Prozent mehr als im Vorjahr und der höchste Wert seit dem Beginn der Erhebung des Marktvolumens durch den VSSÖ und die ARGE Fahrrad im Jahr 2009.

Siegeszug der E-Bikes bleibt ungebremst

Österreich hat seine Stellung als E-Bike-Verkaufsmeister im D-A-CH Raum 2020 verteidigen können: Mit 203.515 verkauften E-Bikes liegt der Marktanteil bei 41 Prozent. In Deutschland liegt dieser bei 38,7 Prozent (Quelle: ZIV) und in der Schweiz bei 34,1 Prozent (Quelle: Velosuisse).

"Das Fahrrad und speziell die E-Bikes haben sich neben den Segmenten Ski und Outdoor in den letzten Jahren zu den stärksten Verkaufsschlagern in der österreichischen Sportartikellandschaft entwickelt", bestätigt Gernot Kellermayr, Präsident des VSSÖ.

Durch die hohe Nachfrage nach E-Bikes und höherpreisigen Materialien und Produkten mit vielfältiger Ausstattung ist auch der Umsatz deutlich gestiegen – auf 878.325.330 Millionen EUR. Das ist eine Steigerung von knapp 26 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Der größte Teil geht auf die E-Bike Verkäufe zurück: Mit einem Umsatz von 613.063.059 Millionen Euro machen E-Bikes mittlerweile 70 Prozent des Gesamtumsatzes mit Fahrrädern aus. Durchschnittlich zahlt man für ein Fahrrad 1.769 EUR (+11,6 Prozent), für ein E-Bike 3.012 EUR (+7 Prozent).

Fahrräder als systemrelevanter Antrieb der Verkehrswende

Einen besonders signifikanten Anstieg gab es 2020 im Segment der E-Lastenräder: Verkauft wurden 2020 deutlich über 900 E-Lastenräder. Das sind fast doppelt so viele wie im Vorjahr.

"Vor allem im urbanen Bereich steigt die Nachfrage durch den vielfältigen Einsatzbereich. Um das Potential von Lastenrädern für die Mobilitätswende aber voll auszuschöpfen, sind politische und wirtschaftliche Anreize nötig – deshalb sind Instrumente wie die Mobilitätsoffensive des Bundesministeriums für Klimaschutz, Umwelt, Energie, Mobilität, Innovation und Technologie so wichtig", erklärt Michael Nendwich, Sprecher des Sportartikelhandels in der Wirtschaftskammer Österreich und Geschäftsführer des VSSÖ. "Nur durch einen Ausbau des Radinfrastruktur können wir das Fahrrad als das zentrale Verkehrsmittel zukünftiger Mobilität positionieren".

Die Menschen in Österreich haben besonders auch während der Corona-Pandemie erkannt, dass das Fahrrad in vielen Einsatzbereichen eine ideale Alternative zum Auto ist. Es gibt mehr PendlerInnen, die aufs Rad umsteigen und mehr Transportwege, die mit E-Cargobikes erledigt werden.

Corona-Pandemie beeinflusst Nachfrage, Produktionszyklus und Verkauf

Der Trend zum Fahrrad und speziell zum E-Bike zeichnete sich bereits in den letzten Jahren ab. Die Auswirkungen der Corona-Pandemie lassen sich vor allem in vier Punkten zusammenfassen:

Die Nachfrage nach Service-Dienstleistungen ist gestiegen. Viele KundInnen haben ihre alten Fahrradmodelle wieder in Stand setzen und reparieren lassen. Das ging mit einem höheren Bedarf an Ersatzteilen und einer hohen Frequenz in Rad-Werkstätten einher.

Es gab mehr Fahrradverkäufe in einem kürzeren Zeitraum. Üblicherweise werden im Monat vor Ostern zum Beispiel etwa 50-60 Prozent der Kinderräder eines gesamten Jahres verkauft. Auf Grund der Schließung des Handels im Frühjahr 2020 ist eine wichtige Phase ausgefallen. Diese hohen Lagerbestände wurden in einer sehr schnellen Zeit nach der Wiedereröffnung des Handels kumuliert abverkauft. Dadurch kam es zu einem Nachholeffekt.

Die Nachfrage besteht weiterhin. Weltweit sind Fahrräder im Moment sehr gefragt, was zu Engpässen in den Produktionsketten führt. Auf Grund der Corona-Krise produzieren manche Fabriken noch nicht auf voller Kapazität bzw. kommen nicht nach. Zusätzlich kommt es zum Teil zu Problemen beim Transport. Dieser Engpass wird auch 2021 spürbar werden.

Der vielfach zitierte "Fahrrad-Boom" muss differenziert betrachtet werden. Die Nachfrage war höher, als das tatsächliche Angebot. Viele HändlerInnen, ob Stadt oder Land, waren im Sommer bereits ausverkauft. Es hätte mehr verkauft werden können, aber viele ZuliefererInnen waren ausverkauft. Der VSSÖ geht davon aus, dass sich der Markt auf einem hohen Niveau stabilisieren wird. Die Frage wird sein, ob die RadherstellerInnen, auf die gestiegene Nachfrage reagieren und die Kapazitäten demensprechend ausbauen können.

"In Österreich sind rund 1.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in der Produktion und rund 7.000 bis 8.000 Beschäftigte im Verkauf von Fahrrädern im Fahrradfachhandel und Sportartikelhandel beschäftigt. Das Fahrrad ist eben nicht nur ein wesentlicher Wirtschaftsfaktor für Österreich, sondern auch zentraler Bestandteil der Zukunft der Mobilität. Deshalb freut uns die hohe, ungebrochene Nachfrage umso mehr", schließt Hans-Jürgen Schoder, Sprecher der ARGE Fahrrad ab.

Meta Infos
Stand der Information
12. Mai 2021
Weitere Informationen
Quelle
Verband der Sportartikelerzeuger und Sportausrüster Österreichs (VSSÖ) // Difu (A.H.)
Land
Oesterreich
Handlungsfelder NRVP
Fahrradthemen
Schlagworte