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Emissionsarme Mobilität der Zukunft

Österreichische Bundesregierung legt Klima- und Energiestrategie vor

Entwurf der Klima- und Energiestrategie der österreichischen Bundesregierung
Entwurf der Klima- und Energiestrategie der österreichischen Bundesregierung © Bundesministerium für Nachhaltigkeit und Tourismus / Bundesministerium für Verkehr, Innovation und Technologie

Köstinger (Bundesministerin für Nachhaltigkeit und Tourismus): Mit der Klima- und Energiestrategie beginnt das Ende des fossilen Zeitalters

#mission2030 ist Grundstein für das Erreichen der Klimaziele bis 2030 und Einladung an alle, daran mitzuarbeiten.

"Wir legen heute etwas vor, das vielen Bundesregierungen vor uns nicht gelungen ist. Die Klima- und Energiestrategie ist ein Bekenntnis der Österreichischen Bundesregierung zu den Zielen des Pariser Abkommens und den EU Zielen bis 2030", so Nachhaltigkeitsministerin Elisabeth Köstinger bei der Präsentation der "#mission2030" Klima- und Energiestrategie am Dienstag am Gelände der Wirtschaftsuniversität Wien.

Auch wenn Österreich im internationalen Vergleich gut aufgestellt und reich an natürlichen Energieressourcen ist, hat die Summe an Einzelmaßnahmen bisher nicht zum Ziel geführt. Es braucht mehr, um die Klima- und Energieziele bis 2030 zu erreichen. Diese Strategie wurde jetzt erarbeitet. Sie beinhaltet einen Weg für eine saubere und sichere Energiewende - Maßnahmen, unser Klima bestmöglich zu schützen und die Energieversorgung in Österreich sicherzustellen. "Eine Strategie mit Hausverstand, die Klimaschutz und Wirtschaft nicht ausspielt, sondern zusammenbringt", so Köstinger.

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Klimaschutz muss ein Anliegen aller sein, nicht nur der Regierung

Die Klima- und Energiestrategie soll Grundlage für das Handeln der Österreichischen Bundesregierung in den nächsten Jahren sein. Sie soll aber nicht als abgeschlossener Maßnahmen-Katalog verstanden werden, sondern als Prozess, an dem jeder mitarbeiten soll. Unter www.mission2030.bmnt.gv.at kann die Klima- und Energiestrategie heruntergeladen werden. "Auf ihr bauen wir die notwendigen Maßnahmen auf, die wir ab nun gemeinsam erarbeiten und diskutieren. Wir laden alle Österreicherinnen und Österreicher dazu ein, daran mitzuarbeiten und Ideen einzubringen. Klimaschutz wird nur dann gelingen, wenn er nicht nur ein Regierungsprojekt ist. Es muss ein Anliegen aller Menschen sein. Auf diesem Grundsatz baut diese Strategie auf", so Köstinger abschließend.

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Im Kapitel "Emissionsarme Mobilität der Zukunft" der "#mission2030 Klima- und Energiestrategie" heißt es unter anderem:

Mobilität muss erhalten und gefördert, jedoch zukünftig nachhaltiger organisiert werden. Dabei folgt Österreich dem Prinzip vermeiden – verlagern – verbessern:

  • Vermeiden von nicht unbedingt erforderlichen Verkehren (etwa Leerfahrten, verkehrssparende raumordnung oder Stärkung von teleworking).
  • Verlagern von Verkehren auf effiziente verkehrsträger wie Bahn, Fahrrad oder zu Fuß gehen.
  • Verbessern der eingesetzten technologien mit dem Ziel einer verlagerung auf alternative Kraftstoffe und Strom aus erneuerbaren Energiequellen.

In der Mobilität ist bis 2050 eine weitgehende Dekarbonisierung möglich. Der fossile Energieeinsatz kann durch Umstellung auf emissionsfreie Fahrzeuge und den Einsatz von erneuerbarer Energien weitgehend ersetzt werden. Zusätzlich zur Elektrizität werden für jene Anwendungen, die schwer elektrifizierbar sind, beispielsweise nachhaltige Bio-Kraftstoffe oder mit erneuerbarer Energie hergestellter wasserstoff zum Einsatz kommen.

Öffentlich zugängliche Verkehrsangebote sowie die aktive Mobilität (Radfahren, Fußverkehr) bilden das rückgrat nachhaltiger Personenmobilität. Mobilität und Siedlungsentwicklung sind voneinander abhängig. Im Güterverkehr erfolgt eine verlagerung auf die Schiene und die Binnenschifffahrt. voraussetzungen hierfür sind neben entsprechender Infrastruktur, ökonomischer Rahmenbedingungen und verhaltensänderungen auch die wesentlich gestiegene Bedeutung von Mobilitätsmanagement und neuen Mobilitätsservices sowie Digitalisierung zur multimodalen vernetzung. Die Mobilitätswende führt zu großen Investitions- und Innovationsimpulsen, benötigt aber auch neue Finanzierungs- und Geschäftsmodelle für eine vernetzte und integrierte Mobilität der Zukunft. Das stärkt den wirtschaftsstandort Österreich, führt zu positiven Beschäftigungseffekten und fördert die Lebensqualität der Bürgerinnen und Bürger in Städten und regionen. Damit wird ein kosteneffizienter, sozial- und wirtschaftsverträglicher verkehr sichergestellt.

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Infrastruktur für saubere Mobilität

Mobilität ist ein Grundbedürfnis der Menschen und für eine offene volkswirtschaft von zentraler Bedeutung. Allerdings muss Mobilität klimafreundlicher, d.h. mit stetig sinkendem Anteil fossiler Energieträger gestaltet werden. Dies bedingt auch den Umbau der notwendigen physischen und vor allem digitalen Infrastrukturen. Dabei spielen ein verbessertes Angebot im öffentlichen Verkehr, Verkehrsflussoptimierungen zur ökoeffizienteren Nutzung der Infrastruktur, Mobilitätsmanagement für Betriebe, Gemeinden und Tourismus sowie die Nutzung der Digitalisierung für neue Mobilitätsservices wie Carsharing oder Ride-Sharing genauso eine Rolle wie eine verbesserte Fuß- und Radwegeinfrastruktur.

E-Mobilität & alternative Antriebe

Investitionen in einen strategisch geplanten und bedarfsgerechten Aufbau von Infrastruktur sind essenziell, um E-Mobilität und alternative Antriebe voranzubringen. Hier gilt es vor allem, die Ladeinfrastruktur für Elektrofahrzeuge in Zusammenarbeit mit privatwirtschaftlichen Anbietern auszubauen. Es werden verbesserte rahmenbedingungen geschaffen, um insbesondere in Mehrparteienhäusern die Errichtung von Ladestationen zu erleichtern.

Öffentlicher Verkehr (ÖV): Investitionen in Verkehrsinfrastruktur und Services

Dem öffentlichen Verkehr kommt im Verkehrssystem der Zukunft eine sehr hohe Bedeutung zu. Öffentliche Verkehrsmittel sind deutlich energieeffizienter und platzsparender als der Pkw-Verkehr. In einem dekarbonisierten Verkehrssystem müssen öffentlich zugängliche Mobilitätsangebote als barrierefrei für alle Bevölkerungsgruppen zugängliches Rückgrat der Mobilität verstanden werden. Dafür ist ein flächendeckendes, optimal abgestimmtes, öffentliches Liniennetz (Schiene und Bus) in Kombination mit anderen bedarfsorientierten öffentlichen Mobilitätsangeboten und Mobilitätsservices österreichweit umzusetzen.

Erhaltung und Ausbau des öffentlichen Verkehrs und damit der Mobilität in urbanen Zentren sowie im ländlichen Raum sind daher essenziell. Insbesondere in Ballungsräumen bietet die bestehende ÖV-Infrastruktur aber keine durchgängig ausreichenden Kapazitäten für eine weitreichende Verlagerung. Mehr Kapazität ermöglicht potenziell hohe Verlagerungspotenziale, darüber hinaus können auch zusätzliche Nachtzugverbindungen Leistungen im Flugverkehr einsparen.

Daher sind folgende Maßnahmen besonders wichtig:

  • Mit der Umsetzung des Zielnetzes 2025+ ist die Grundlage für einen effizienten Schienengüterverkehr sowie für einen integrierten Taktfahrplan in Österreich geschaffen. Zusammen mit der Herstellung von Kostenwahrheit zwischen den Verkehrsträgern und der konsequenten Überprüfung bestehender Normen im Straßengüterverkehr werden die infrastrukturellen Kapazitäten im öffentlichen verkehr und der Schiene bis 2030 weitestgehend ausgeschöpft.
  • Das zu entwickelnde Zielnetz für das Schienensystem in Österreich für 2050 ist im Jahr 2030 in voller Umsetzung und die Planungsarbeiten sind abgeschlossen. Die Grundlagen für die Investitionsentscheidungen werden im Zeitraum 2017-2022 geschaffen. Die Erreichung des Zielnetzes bis zum Jahr 2050 wird laufend evaluiert und Maßnahmen werden gegebenenfalls angepasst, wobei die Priorisierung der Maßnahmen auch im Hinblick auf die Maximierung der CO2-Reduktion erfolgt.
  • Im Personenverkehr erfolgt ein Ausbau intermodaler Verkehrsknoten, um die Durchgängigkeit zwischen Pkw und ÖV, unter anderem zur Umsetzung des "Mobilität-als-Service" Ansatzes, deutlich zu verbessern. Der bundesweite Ausbau von Park & Ride-, Bike & Ride- und Carsharing-Lösungen an Bahnhöfen ist ein Kernelement zur Attraktivierung des öffentlichen verkehrs für Pendlerinnen und Pendler.
  • Leistungsfähige, weitgehend elektrifizierte ÖV-Systeme bilden die Basis eines CO2-neutralen verkehrssystems im Ballungsraum. Eine umfassende Zusammenarbeit und Abstimmung der betroffenen Gebietskörperschaften schafft effiziente Stadt-Umland-verkehrssysteme über verwaltungsgrenzen hinweg. In randlagen ermöglicht ein gezielter Ausbau bedarfsorientierter Systeme den Lückenschluss auf der "letzten Meile". Empfohlene Mindeststandards für den Schienenpersonenverkehr werden umgesetzt.
  • Auch im ländlichen Raum kann der öffentlich zugängliche ÖV eine Wirkung zur CO2-Reduktion entfalten. Der Elektromobilität, aber auch dem Ausbau der Multimodalität (Bike & Ride, Park & Ride) oder neuen Mobilitätsservices kommen hier besondere Bedeutung zu. Im Sinne einer freien Wahl der Verkehrsmittel für die Bevölkerung, für Gäste sowie die regionale Wirtschaft wird der öffentliche Linienverkehr (Schiene und Bus) weiterentwickelt und flächendeckend mit bedarfsorientierten öffentlichen Mobilitätsangeboten und Mobilitätsservices, wie zum Beispiel Sharing, Pooling oder Mikro-ÖV-Systeme als Zubringer zum öffentlichen Linienverkehr, ergänzt. Effiziente, effektive und innovative Regionalbahnlösungen und automatisierte Systeme, die dazu beitragen, dass bedarfsorientierte Systeme wirtschaftlich angeboten werden können, werden entwickelt.

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Rad-/Fußgängerverkehr

52 Prozent der in Österreich zurückgelegten Wege sind kürzer als fünf Kilometer. Rad-/Fußgängerverkehr ist speziell in Stadt-Umland-Regionen gerade für diese Distanzklassen eine klimafreundliche und energieeffiziente Alternative. Die Benutzung ist jedoch unmittelbar von der Qualität der Verkehrsinfrastruktur für diese Transportarten abhängig. Die für eine aktive Mobilität notwendige Qualitätssteigerung des Verkehrsangebots muss geschaffen werden. Ziel ist daher die Umsetzung und weiterentwicklung des Masterplans Radfahren sowie der Radinfrastrukturausbauprogramme in Zusammenarbeit der Gebietskörperschaftsebenen, um eine Erhöhung des Radanteils in Österreich von 7 Prozent auf 13 Prozent bis 2025 zu erreichen. In Städten kann dieser Anteil zukünftig noch wesentlich höher sein. Darüber hinaus gilt es, den Masterplan Gehen zur Förderung des Fußgängerverkehrs durch die Gebietskörperschaftsebenen umzusetzen und weiterzuentwickeln sowie intermodale Schnittstellen mit dem öffentlichen Verkehr zu verbessern.

Nachhaltige österreichische (Verkehrs-)Infrastruktur & Mobilitätsservices

Ein dekarbonisierter Verkehr verlangt den Einsatz von Elektromobilität auf Straße und Schiene sowie die Errichtung einer passenden Energieversorgungsinfrastruktur und eine wesentlich bessere Abstimmung mit verfügbaren Netzkapazitäten. In diesem Sinne müssen die Entwicklungen und Wechselwirkungen mit weiteren Sektoren, speziell der Energieaufbringung und der Energienetze (Stichwort "Sektorkopplung"), analysiert werden. Darüber hinaus ist die zunehmende Rolle von Mobilitätsservices und neuen Umsetzungsmodellen einzubeziehen.

Ein Prozess zur Entwicklung und Umsetzung einer nachhaltigen Mobilitätsinfrastruktur für E-Mobilität, alternative Kraftstoffe und den Umweltverbund ist nötig und soll in einem strategischen Infrastruktur- und Raumordnungskonzept in Zusammenarbeit mit Ländern und Gemeinden als Grundlage für die infrastrukturelle Weiterentwicklung Österreichs erarbeitet werden. Dies umfasst den bedarfsgerechten, zukunftsorientierten und aufeinander abgestimmten Ausbau sowie die weitere Optimierung leistungsfähiger Infrastrukturen für Straße, Schiene, Luftverkehr und Wasserstraßen. Die schrittweise Umsetzung von Maßnahmen zur nachhaltigen Reduktion verkehrsbedingter Emissionen, vor allem auch unter Nutzung der unterstützenden Potenziale der Digitalisierung, steht dabei im Fokus.

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Maßnahmenbündel 3: e-Mobilitätsmanagement, e-Flotten und e-Logistik

Eine erfolgreiche Einführung der E-Mobilität erfordert parallel zu den fahrzeugtechnischen und infrastrukturellen Maßnahmen ein intelligentes Mobilitätsmanagement zur Integration der E-Mobilität in bestehende Mobilitätskonzepte der Länder, Städte und Gemeinden sowie in die Logistik der Unternehmen. Mithilfe eines E-Mobilitätsmanagements können viele CO2-neutrale bis hin zu emissionsfreien Mobilitätslösungen und Mobilitätsservices realisiert werden wie beispielsweise E-Carsharing, E-Taxi-Systeme, bedarfsorientierte E-Mobilitätservices, elektrische Bedarfsbusangebote, E-Bikeverleihsysteme, E-Zustellservices oder Logistik. Mit diesem Maßnahmenbündel soll neuen E-Mobilitätsservices zum Durchbruch verholfen werden. Insbesondere sollen die Akteure im Verkehrsbereich (Städte, Gemeinden, Regionen, Tourismus, Unternehmen, Flottenbetreiber, Mobilitätsanbieter, Logistiker, Verbände) durch Anreize und Mobilitätmanagement zur Einführung von E-Mobilität motiviert sowie bei transformation und Umsetzung der E-Mobilität mit Anreizen und Förderinstrumenten unterstützt werden. Dadurch können positive Systemwirkungen im verkehrs- und Mobilitätssystem sowie in der Raum- und Wirtschaftsstruktur nachhaltig ausgelöst und positive Wirtschafts- und Beschäftigungsimpulse gesetzt werden.

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Meta Infos
Stand der Information
4. April 2018
Weitere Informationen
Quelle
Bundesministerium für Nachhaltigkeit und Tourismus (www.bmnt.gv.at) Bundesministerium für Verkehr, Innovation und Technologie (www.bmvit.gv.at)
Land
Oesterreich
Handlungsfelder NRVP
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Nachhaltigkeit
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Bürgerbeteiligung
Klimaschutzinititative
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