Sie sind hier

Pendeln in Deutschland 2016

Neun Prozent der Erwerbstätigen fahren mit dem Fahrrad zur Arbeit

Radfahrerinnen
Radfahrerinnen © Falk Weiß

Obwohl die Hälfte aller Berufstätigen in Deutschland einen Arbeitsweg von weniger als 10 km hat und der Zeitaufwand für zwei Drittel der Arbeitswege nur maximal 30 Minuten beträgt, wird für einen großen Teil dieser Entfernungen das Auto benutzt. Das ergaben Zahlen des Mikrozensus 2016 für "Erwerbstätige nach Stellung im Beruf, Entfernung, Zeitaufwand und benutztem Verkehrsmittel für den Hinweg zur Arbeitsstätte", die in ausführlicher tabellarischer Form auf der Seite des Statistischen Bundesamtes (Destatis) veröffentlicht wurden. Demnach kommen 9 Prozent der Arbeitenden mit dem Rad, 8 Prozent zu Fuß und 14 Prozent mit öffentlichen Verkehrsmitteln und 68 Prozent motorisiert an ihren Arbeitsplatz.

Immer mehr Kommunen, die Bundesregierung und die Länder setzen beim Thema Pendeln unter anderem auf die Förderung von Radschnellverbindungen, um den Radverkehrsanteil zu erhöhen. Auch immer mehr Untersuchungen bestätigen die Richtigkeit dieser Entwicklungen, so wurde zuletzt in Glasgow herausgefunden, dass die Gesundheit der Bevölkerung durch Maßnahmen verbessert werden kann, die das aktive Pendeln fördern, insbesondere das Radfahren, z. B. durch den Bau geeigneter Radverkehrsanlagen, Fahrradverleihsysteme und die bessere Verknüpfung von Fahrrädern und ÖPNV.

Eine aktuelle Auswertung des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) zeigt, dass "der Flächenverbrauch und die Verkehrsbelastung steigen. Deshalb ist es wichtig, dass die Infrastruktur mit dem Wachstum Schritt hält und das Umland gut an den öffentlichen Nahverkehr angebunden bleibt." Wichtig sind laut BBSR die Themen Verkehrsinfrastruktur und ÖPNV, "denn nicht nur die Zahl der Pendler, sondern auch die durchschnittliche Länge des einfachen Arbeitsweges ist in den vergangenen Jahren gestiegen: von 14,6 Kilometer im Jahr 2000 auf 16,8 Kilometer im Jahr 2015 – und das obwohl sich der Trend in den letzten Jahren wegen der positiven Situation auf dem Arbeitsmarkt schon abgeschwächt hat."

Interessant ist in diesem Zusammenhang eine aktuelle forsa-Umfrage, die vom Ministerium für Verkehr in Baden-Württemberg in Auftrag gegebenen wurde. Auf die Frage, in welchen Bereich die Befragten 10 Millionen Euro zusätzlich im Verkehr investieren würden, zählen 20 Prozent den Fuß- und Radverkehr auf, 25 Prozent ein besseres Bus- und Bahnangebot und 28 Prozent die Vernetzung umweltfreundlicher Verkehrsmittel. Lediglich 15 Prozent sprechen sich zuerst für den Neubau von Straßen aus, weitere 9 Prozent für Erhaltungsinvestitionen an Straßen. 80 Prozent der Befragten sind voll und ganz bzw. eher der Meinung, dass Land und Kommunen in Radschnellverbindungen investieren sollten, um Pendlern bessere Umsteigemöglichkeiten auf das Fahrrad zu bieten. 71 Prozent finden, dass die Preise für Fahrkarten in Bus und Bahn zu kompliziert sind. 66 Prozent meinen, dass in Städten und im ländlichen Raum das Angebot des öffentlichen Nahverkehrs deutlich ausgebaut werden sollte, selbst dann, wenn hierfür eine neue Abgabe eingeführt werden muss.

Neben der Schaffung bewegungsaktivierender Infrastrukturen - hier gilt der Fahrradtourismus als Wegbereiter für den Alltagsverkehr - können zur Verhaltensänderung auch öffentlichkeitswirksame Kampagnen und Wettbewerbe beitragen, die alljährlich in verschiedensten Formaten stattfinden, ob nun STADTRADELN, Mit dem Rad zur Arbeit, oder die Suche nach den fahrradfreundlichsten Arbeitgebern. Steuerliche Anreize (Dienstfahrräder), neue Technologien beim Routing, Pedelecs, moderne Fahrradverleihsysteme und vekehrsmittelübergreifende Wegeketten (Bike and Ride), können helfen, den Modal Split zugunsten des Umweltverbundes im Berufsverkehr - nicht nur auf kurzen Wegen - zu verschieben.

Allerdings zeigt eine aktuelle Allensbachumfrage im Auftrag der FAZ, dass noch viel Überzeugungsarbeit geleistet werden muss, denn die Befragten assoziieren das Auto zu 92 Prozent mit Bequemlichkeit und zu 72 Prozent mit Freiheit. Den kompletten Verzicht auf ein Auto können sich demnach nur 9 Prozent der Haushalte vorstellen. Immerhin fände eine Mehrheit von 42 Prozent der Befragten eine Sperrung von Städten für Dieselfahrzeuge sinnvoll.

Meta Infos
Stand der Information
24. August 2017
Weitere Informationen
Quelle
Destatis, NRVP.de, BBSR, FAZ/Allensbach-Institut, VM-BaWü/forsa-Institut
Land
Deutschland
Handlungsfelder NRVP
Kommunikation
Fahrradthemen
Forschung
Mobilitätsverhalten
Statistik
Schlagworte
Pendeln
Studie