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Strategie des Verkehrsministeriums Baden-Württemberg

"Nachhaltige Mobilität - Für Alle"

Radverkehrsnetz Baden-Württemberg: Zentrale Orte und Netzkorridore
Radverkehrsnetz Baden-Württemberg: Zentrale Orte und Netzkorridore © Ministerium für Verkehr und Infrastruktur Baden-Württemberg

Landesverkehrsminister Winfried Hermann will Baden-Württemberg zu Pionierregion für nachhaltige Mobilität machen

Anlässlich der der Eröffnung des Kongresses Neue Mobilität – Baden-Württemberg bewegt nachhaltig sagte Hermann: "Das Ziel ist kein geringeres als Nachhaltige Mobilität für alle. Hunderttausende Baden-Württembergerinnen und Baden-Württemberger haben sich bereits auf den Weg gemacht, die Nutzerzahlen von Rad und Bahn steigen. Um diesen Trend weiter zu unterstützen, wollen wir nachhaltige Verkehrsarten wie Bus, Bahn, Rad, Elektromobilität oder Car-Sharing und Mitfahrgelegenheiten flächendeckend zugänglich und bezahlbar machen. Nachhaltige Mobilität ist multimodal und vernetzt, sie sichert Wahlfreiheit und gute Angebote."

Strategie des Ministeriums für Verkehr und Infrastruktur

Im Rahmen der Eröffnung des Kongresses stellte Minister Hermann die Strategie "Nachhaltige Mobilität – für alle" des Verkehrsministeriums vor: "Unsere bisherige Mobilität ist nicht nachhaltig. Sie beeinträchtigt viele Menschen; schließt Alte, Kinder, gehandicapte und sozial schlechter gestellte Menschen vielfach sogar aus. Sie macht unsere Städte und Gemeinden unwirtlich, sorgt für schlechte Luft. Verkehrslärm raubt vielen den Schlaf. Sie fordert zu viele Tote und Verletzte. 70 Menschen sterben durchschnittlich jeden Tag auf den Straßen der EU-Länder. Mit einer Nachhaltigen Mobilität verbinde ich weniger Lärm, weniger Abgase und mehr Lebensqualität. Alternative Mobilitätsformen gibt es schon viele. Jetzt ist es an uns, das, was vielerorts schon erfolgreich funktioniert, zu einer breiten Entwicklung zu machen", sagte Minister Hermann weiter. Vier Leitbilder der Strategie stecken den Rahmen, wie Mobilitätspolitik vorangebracht werden soll und Baden-Württemberg zur Pionierregion für Nachhaltige Mobilität wird:

  1. Nachhaltige Mobilität nutzt die beste Technik und vernetzt alle Verkehrsmittel.
  2. Nachhaltige Mobilität ist Motor für Beschäftigung und Innovation.
  3. Nachhaltige Mobilität steht in Einklang mit Mensch und Umwelt.
  4. Nachhaltige Mobilität stärkt Lebensqualität in unseren Siedlungen.

In der Strategie-Broschüre "Nachhaltige Mobilität - Für Alle" heißt es im Kapitel Rad- und Fußverkehr:

Rad- und Fußverkehr leisten einen wichtigen Beitrag zur Lösung zentraler Zukunftsfragen - von der Gesundheits- und Wirtschaftsförderung über Klimaschutz bis hin zur Lösung von Verkehrsproblemen und der Steigerung der Lebensqualität in den Städten. Baden-Württemberg hat das Ziel, den Radverkehrsanteil gemessen an der Zahl der Wege auf 16 Prozent bis 2020 zu verdoppeln und bis 2030 weiter auf 20 Prozent zu steigern. Der landesweite Fußverkehrsanteil soll von derzeit etwa 23 Prozent bis zum Jahr 2030 auf 30 Prozent gesteigert werden. Diese Ziele sind nur im Zusammenwirken mit den Kommunen zu erreichen. Da sich die allermeisten Fuß- und Radwege in der Baulast der Städte, Kreise und Gemeinden befinden, sind die Aktivierung, Unterstützung und Vernetzung der Kommunen Hauptaufgaben einer erfolgreichen Fuß- und Radverkehrsförderung.

Als konzeptionelle und strategische Grundlage der Radverkehrsförderung in Baden-Württemberg bis zum Jahr 2025 wird aktuell die RadSTRATEGIE erarbeitet. Sie wird ein Handlungsprogramm enthalten, das konkrete Ziele, Maßnahmen und Zuständigkeiten benennt. Neben der Einbindung von Fachleuten wurde zur Erarbeitung ein bundesweit einmaliges Bürgerbeteiligungsverfahren durchgeführt, an dem sich 2000 Menschen beteiligt haben. Das neu geschaffene Förderprogramm für kommunale Radverkehrsinfrastruktur ermöglicht erstmals eine vom Straßenbau unabhängige finanzielle Unterstützung des Ausbaus von Radinfrastruktur durch das Land. Die Förderung ist an Qualitätskriterien gebunden. Finanziert werden nicht nur separate Radwege, sondern auch Schutz- und Radfahrstreifen, Radschnellwege, Fahrradstraßen und Fahrradparkhäuser. Trotz einer Förderquote von nur 50 Prozent stellten die Kommunen allein 2014 über 250 Anträge mit einem Fördervolumen von ca. 60 Mio. Euro. Damit lagen etwa doppelt so viele Förderanträge vor, wie in das Förderprogramm aufgenommen werden konnten.

Das MVI setzt gemeinsam mit den Städten und Landkreisen das RadNETZ Baden-Württemberg um. Ziel ist es, Lücken in der bestehenden Infrastruktur zu schließen und alltagstaugliche Fahrradverbindungen zwischen den mittleren und großen Kommunen zu schaffen. Das RadNETZ soll künftig nach einheitlichen Qualitätsstandards konsequent ausgebaut und ertüchtigt werden. Sowohl zur Finanzierung von Radwegen an Bundes- und Landesstraßen als auch für die Förderung kommunaler Radverkehrsinfrastruktur soll das RadNETZ ein wichtiges Priorisierungskriterium darstellen. Für die Ballungsräume strebt das MVI ein System von Radschnellwegen an, das das Pendeln aus dem Umland in die Städte mit dem Fahrrad attraktiv macht.

Im Jahr 2012 hat das MVI die Initiative RadKULTUR ins Leben gerufen. Gemeinsam mit Modellkommunen wird für die Nutzung des Fahrrades im Alltag geworben. Die Ergebnisse einer Evaluation der Initiative RadKULTUR in den Modellkommunen des Jahres 2013, den Städten Heidelberg und Filderstadt, sind eindeutig: Neben einer beachtlichen Medienresonanz spricht vor allem die positive Gesamtbewertung durch die befragten Personen für sich. 84 Prozent in Heidelberg und 93 Prozent in Filderstadt bewerten die Initiative mit gut oder sehr gut - ein Zustimmungswert, den nur wenige politische Aktivitäten erreichen. Die Initiative RadKULTUR soll auch künftig als fester Bestandteil der Radverkehrsförderung des Landes fortgesetzt werden.

Eine enge Kooperation mit den Kommunen gibt es auch durch die vom Land unterstützte Arbeitsgemeinschaft Fahrradfreundlicher Kommunen Baden-Württemberg e.V. (AGFK-BW). Dieses Netzwerk aus fahrradaktiven Kommunen repräsentiert bereits die Hälfte der Bevölkerung Baden-Württembergs - und wächst stetig.

Die eigenen Füße sind zur Bewältigung der Alltagsmobilität für einen Großteil der Bevölkerung das wichtigste individuelle Verkehrsmittel. Zu Fuß gehen ist umwelt- und sozialverträglich, flexibel und spontan, gesundheitsfördernd und ohne technischen Aufwand machbar.

Aber genau diese Qualität sorgt dafür, dass der Fußverkehr in seiner Bedeutung verkannt und von Planung und Politik oftmals als "Sowieso-Verkehr" abgetan wird. Fußgängerinnen und Fußgänger haben daher oft zu wenig Platz und sind Gefahren ausgesetzt. Gerade mit Blick auf ältere Personen, aber auch auf Menschen mit Behinderungen und Kinder ist es Ziel des MVI, Fußwege sicher und attraktiv zu machen. Für eine systematische Fußverkehrsförderung hat das MVI eine Anlaufstelle für Betroffene und zuständige Kommunen geschaffen, die die Belange des Fußverkehrs auf Landesebene koordiniert. Damit nimmt Baden-Württemberg eine Vorreiterrolle unter den Bundesländern ein.

Zur Förderung des Fußverkehrs hat das Land vier Handlungsfelder im Blick: landesweite Fußverkehrsmaßnahmen und Modellprojekte in Zusammenarbeit mit den Kommunen, Aufbau und Unterstützung von Netzwerkstrukturen, Service für die Kommunen und die Optimierung des rechtlichen und finanziellen Rahmens. Beispielsweise sollen Fußverkehrs-Checks in Kommunen mit Begehungen durch Fachleute gemeinsam mit Bürgerinnen und Bürgern Probleme identifizieren und Lösungen aufzeigen.

Darüber hinaus müssen Maßnahmen für Querungen ergriffen werden, um zum Beispiel Ampelschaltungen zu optimieren oder gleich durch Zebrastreifen zu ersetzen. Ein wichtiges Ziel ist eine größere Barrierefreiheit im öffentlichen Raum und die Verbesserung der Aufenthaltsqualität, z. B. durch Sitzbänke. Maßnahmen sollen sich an den Bedürfnissen von mobilitätseingeschränkten Personen, aber auch an der großen Gruppe älterer Menschen mit Geh-, Seh- und sonstigen Schwächen orientieren.

Leit- und Informationssysteme können helfen, den Fußverkehr noch attraktiver zu gestalten, und wirken sich zugleich positiv auf die Attraktivität der Stadt für Gäste, TouristInnen oder KundInnen des Einzelhandels aus. Zu Fuß gehen ist eine Verkehrsart, die genau wie der Auto- und Radverkehr ein Netz, eine zweckmäßige Infrastruktur und eine Beschilderung erfordert und angemessen gefördert werden muss.

Download der Strategie-Broschüre: "Nachhaltige Mobilität - Für Alle"

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Zur Original-MVI-Mitteilung

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Stand der Information
24. April 2015
Quelle

Ministerium für Verkehr und Infrastruktur (http://mvi.baden-wuerttemberg.de)

Land
Baden-Württemberg
Handlungsfelder NRVP
Fahrradthemen
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