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Forschung Radverkehr

Mobilität der Kinder, Verkehrserziehung

Mädchen mit dem Fahrrad unterwegs
© Jörg Thiemann-Linden

Dabei spielt der Radverkehr bei Kindern und Jugendlichen eine wichtige Rolle in der Prägung ihres späteren Verkehrsverhaltens. Eine umfassende Mobilitätserziehung unter Berücksichtigung des Fahrrads fördert nicht nur die selbständige Mobilität von Kindern und Jugendlichen, sondern führt gleichzeitig zu einem sozialen und sicheren Verhalten im Verkehr und damit zu nachhaltiger Unfallprävention. Darüber hinaus sensibilisiert der Unterricht für eine umweltbewusste Verkehrsmittelwahl und thematisiert die Auswirkungen des Verkehrs auf Mensch und Umwelt.

Die Aktionsräume von Kindern und Jugendlichen nehmen mit dem Alter stetig zu: Sie fahren in die Schule, zum Sport, in die Stadt. Zwischen 2002 und 2008 hat sich aber gezeigt, dass die zu Fuß oder mit dem Fahrrad zurückgelegten Wege kürzer wurden. Die Verankerung nichtmotorisierter Mobilitätsformen bei Kindern und Schülern scheint schwächer zu werden, die Begleitmobilität ("Mama-Taxi") zuzunehmen. Ein Grund könnte sein, dass Eltern aus ihrem Sicherheitsempfinden heraus restriktiver gegenüber der Fahrradnutzung ihrer Kinder sind. Dies steht im Kontrast zu den Wünschen von Kindern und Jugendlichenn: Wie Befragungen zeigen, vermittelt gerade das Fahrrad die für das Erschließen der Aktionsräume nötige Flexibilität und Unabhängigkeit. Stimmen die Rahmenbedingungen, ist das Fahrrad ein ideales Mittel, um Schul- und Freizeitwege selbständig zu bewältigen.

Für Verkehrsunfälle von Kindern zu Fuß oder mit dem Rad gibt es unterschiedliche Erklärungen. Kinder und Jugendliche müssen ihre Mobilitätskompetenzen auf Ebene von Motorik und Wahrnehmung erst durch Erfahrung und Information, d.h. die Vermittlung der entsprechenden Verhaltensregeln, aufbauen. Gute Radverkehrsnetze und auf die Bedürfnisse von Kindern abgestimmte Schulwegführung überzeugen auch Eltern von der Möglichkeit der eigenständigen Mobilität ihrer Kinder.

Fazit:

Die Unfallstatistiken zeigen, dass viele Unfälle mit Kindern entwicklungsbedingte Gründe haben. Die besonderen Mobilitätsbedürfnisse von Kindern und Jugendlichen können durch die Analyse und Mitgestaltung von Straßenräumen und Wegeverbindungen berücksichtigt werden. Die Einbindung der Kinder und Jugendlichen kann dabei auf institutionelle oder auch informelle Weise erfolgen. Neben den Eltern gestalten vor allem Schulen den Rahmen, in dem Kinder ihre Mobilitätskompetenzen entwickeln. Das Erlernen und Üben der bestehenden Verkehrsregeln in realen Situationen stellt sicher, dass Erfahrung und Verhaltenssicherheit aufgebaut werden können. Gleichzeitig kann die Schule fachübergreifend das Thema Mobilität aus sozialer und ökologischer Sicht behandeln.

Download: for_s-05.pdf

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Hintergrund:

Deutsches Expertenwissen zum Radverkehr ist international stark gefragt. Das Fahrradportal zum Nationalen Radverkehrsplan enthält einen Fundus langjähriger Mobilitäts- und Verkehrssicherheitsforschung mit rund 4.000 Inhalten in Neuigkeiten, Veröffentlichungen, Forschungsergebnissen und Praxisbeispielen. Im internationalen Kontext ist jedoch die deutsche Sprache der Veröffentlichungen eine Zugangshürde. Auch für deutsche Kommunen ist die Sprachbarriere hinderlich, wenn sie in (englischsprachigen) Kooperationsprojekten mit EU-Förderung voneinander lernen und lokale Radverkehrsprojekte umsetzen wollen.

Alle 14 Tage wird eine Ausgabe gesondert in den Neuigkeiten beworben. Die bisher veröffentlichte Ausgaben der Reihe "Forschung Radverkehr" finden Sie auf www.nationaler-radverkehrsplan.de/transferstelle

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Zur englischsprachigen Version: Cycling Expertise: Children on Bicycles – Mobility Education

Meta Infos
Stand der Information
3. Februar 2013
Quelle

difu // Difu (A.H.)

Land
Deutschland
Handlungsfelder NRVP
Fahrradthemen
Schlagworte