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UITP

mit Steuermehreinnahmen die Förderung von ÖV, Zufußgehen und Radverkehr vorantreiben.

UITP-Erklärung von Moskau

Der motorisierte Verkehr ist eine der zentralen und an Bedeutung zunehmenden Ursachen für die Nachfrage nach fossilen Kraftstoffen. Er hat einen Anteil von 75 Prozent am gesamten Verbrauch fossiler Kraftstoffe, wovon 50 Prozent auf Pkws und Leicht-Lkws entfallen. Angesichts von Erdölpreisen, die Rekordhöhen erreichen, und der Sorge, dass im Falle weiterer Störungen nur geringe Reservekapazitäten zur Verfügung stehen, ist es klar, dass die globalen Kosten und die Folgen des motorisierten Verkehrs von zunehmender Bedeutung sind.

Die derzeitige Ölkrise erinnert an die langfristigen sozioökonomischen Risiken, denen die Gesellschaften ausgesetzt sind, die vom Erdöl abhängen und die Nettoimporteur von Erdöl sind. Wenn man jetzt in energiewirksamere Verkehrsalternativen investiert, dann wird man eine Verstärkung des Drucks auf die Ressourcen und eine zwangsläufige Einschränkung der Mobilität die vor allem die wirtschaftlich Schwächsten treffen und unweigerlich die Fähigkeit zu mehr Wirtschaftswachstum behindern würde, vermeiden können.

Daher ist es nun für die politischen Entscheidungsträger an der Zeit, über Strategien nachzudenken, die langfristig einen bezahlbaren und nachhaltigen Verkehr sicherstellen.

Alle Regierungen sind dazu in der Lage, gezielte Maßnahmen zu ergreifen. Das gilt vor allem für diejenigen, die vom Anstieg der Ölpreise profitieren können, und zwar in Form möglicher Steuermehreinnahmen. Es gibt triftige Gründe dafür, diese zusätzlichen Einnahmen in Maßnahmen zu investieren, die mittelfristig einen Umstieg vom privaten Pkw auf öffentliche Verkehrsmittel sowie auch auf Zufußgehen und Radfahren fördern, zumal die Energiewirksamkeit des ÖPNV je beförderter Person bereits bis zu viermal höher als die des motorisierten Individualverkehrs ist.

Die UITP, der Internationale Verband für Öffentliches Verkehrswesen, fordert die Regierungen in der ganzen Welt dringend dazu auf, Folgendes in Betracht zu ziehen:

1) Die Benutzung des ÖPNV als wirksames Mittel zur Reduzierung der Abhängigkeit vom Erdöl und zur Sicherstellung einer kontinuierlichen Mobilität für alle Menschen zu fördern;

2) Eine Kraftstoffsteuer zu schaffen, bei der ein Teil der Einnahmen per Gesetz für Maßnahmen verwendet wird, die die Fähigkeit alternativer Verkehrsträger, mehr Fahrgäste anzuziehen, verbessern – d.h. qualitativ hochwertige Infrastruktur und Dienstleistungen – und dafür zu sorgen, dass in diesen Mitteln zumindest alle zusätzlichen Steuereinnahmen enthalten sind, die aufgrund des Anstiegs der Erdölpreise aus dem Verkehrssektor erzielt werden;

3) Positive Maßnahmen zu ergreifen, um den Herausforderungen im Bereich der Mobilität zu begegnen. Dazu gehört etwa die Einführung von Stau- und Straßenbenutzungsgebühren sowie auch die Schaffung wirksamer Anreize für eine Steigerung der Fahrzeugeffizienz und die Verknüpfung von Raumplanung und Verkehr; und

4) Keinerlei Maßnahmen durchzuführen, die die Benutzung privater Pkws fördern oder privaten Pkw-Fahrern einen Ausgleich für den Anstieg der Ölpreise bieten.

Die UITP möchte die Regierungen daran erinnern, dass der motorisierte Individualverkehr für die Benutzer, die im Allgemeinen nicht für die anfallenden externen Kosten aufkommen, nach wie vor eine relativ preisgünstige Fortbewegungsart darstellt und dass, was den Kraftstoffverbrauch angeht, die zunehmende Kraftstoffeffizienz von Pkws den steigenden Verkehrsbedarf insbesondere in den Entwicklungsländern nicht ausgleichen wird.

Die UITP-Mitglieder – ÖPNV-Aufgabenträger, öffentliche Verkehrsbetriebe und Hersteller aus mehr als 80 Ländern der ganzen Welt – setzen sich selbst aktiv dafür ein, die Energiewirksamkeit des öffentlichen Verkehrssektors weitestmöglich zu verbessern. Zum Zeichen ihres Engagements haben mehr als 65 UITP-Mitglieder die UITP-Charta für eine nachhaltige Entwicklung unterzeichnet.

Moskau, den 30. September 2004

Meta Infos
Stand der Information
30. September 2004
Quelle

http://www.uitp.com/mediaroom/oct-2004/moscow-full-de.cfm

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