Sie sind hier

Studie "Umweltbewusstsein in Deutschland 2016"

Mehrheit der Deutschen will nicht mehr so stark auf das Auto angewiesen sein

Titel der Studie "Umweltbewusstsein in Deutschland 2016"
Titel der Studie "Umweltbewusstsein in Deutschland 2016" © BMUB/UBA (Titelfoto: Tempura/istockphoto.com)
Seit dem Jahr 2000 lässt das Umweltministerium regelmäßig die Einstellung der deutschen Bevölkerung zu Umweltthemen untersuchen. Laut der Mitte April 2017 veröffentlichten Studie "Umweltbewusstsein in Deutschland 2016", kann sich eine große Mehrheit der deutschen Autofahrer vorstellen, unter bestimmten Bedingungen mehr zu Fuß zu gehen oder mit dem Rad zu fahren.

Mobilitätswende noch nicht in Sicht, aber Veränderungsbereitschaft vorhanden

Für die Wege im Alltag nutzen 70 Prozent der Befragten täglich oder mehrmals wöchentlich ein Auto. Doch auch regelmäßige Autofahrerinnen und Autofahrer sind unter bestimmten Bedingungen bereit zu wechseln. Eine Stadt- oder Regionalentwicklung, die das Auto leichter verzichtbar macht, trifft bei über 90 Prozent der Befragten auf grundsätzliche Akzeptanz. Auch neue Entwicklungen beim Carsharing oder im Bereich der Fahrradmobilität finden viele interessant.

Mobilität im Alltag: Über 50 Prozent der Deutschen fahren selten oder nie Fahrrad

14 Prozent der über 2.000 Befragten gaben an, täglich das Fahrrad zu nutzen. 18 Prozent nutzen das Rad mehrmals in der Woche, 6 Prozent einmal in der Woche, 9 Prozent mehrmals im Monat, 17 Prozent einmal im Monat oder seltener, 36 Prozent nie.

Bedingungen für den Umstieg Autofahrender: 52 Prozent fordern eine verbesserte Fahrradinfrastruktur

Knapp zwei Drittel der regelmäßigen Autofahrerinnen und Autofahrer können sich auch vorstellen, künftig häufiger mit dem Fahrrad zu fahren. Dafür müssten insbesondere drei Bedingungen gegeben sein oder sich ändern. Erstens geben 52 Prozent eine verbesserte Fahrradinfrastruktur wie Radwegebelag, Beschilderung, Routenführung oder Radwegenetz als Bedingung für einen Umstieg an. Zweitens sind kürzere Wege etwa zum Einkaufen oder zur Arbeit für 42 Prozent eine Bedingung. Drittens sind insbesondere in Großstädten mehr und sichere Abstell-/Unterstellmöglichkeiten für viele ein Anliegen (40 Prozent). Weitere Bedingungen werden weniger häufiger genannt, darunter: mehr direkte und kreuzungsarme Radschnellverbindungen (30 Prozent), weniger Autoverkehr in der unmittelbaren Umgebung beziehungsweise entlang der Fahrradwege (23 Prozent), Radrouten mit geringerem Anstieg (20 Prozent). Das Fehlen eines eigenen Fahrrads hindert nur eine kleine Minderheit daran, häufiger Fahrrad zu fahren.

Mehr Lebensqualität durch nachhaltige Stadtentwicklung

Damit die Bereitschaft, mehr zu Fuß zu gehen oder häufiger Fahrrad zu fahren, sich im Alltag auch umsetzen lässt, ist eine bestimmte Infrastruktur notwendig. Die Idee, Städte oder Gemeinden so zu entwickeln, dass die Menschen kaum noch auf ein Auto angewiesen sind, sondern ihre Wege zu Fuß, mit dem Fahrrad oder öffentlichen Verkehrsmitteln erledigen können, trifft auf hohe Akzeptanz. Über 90 Prozent der Befragten glauben, dass eine solche Stadt- oder Regionalentwicklung sehr viel (56 Prozent) oder etwas (35 Prozent) zu einem guten Leben beitragen kann. Im Vergleich zu 2014, als hierfür ebenfalls schon hohe Akzeptanz vorherrschte (45 Prozent "sehr viel" und 37 Prozent "etwas"), ist die Zustimmung um weitere neun Prozentpunkte gestiegen.

Stimmen der Herausgeberinnen zur Studie "Umweltbewusstsein in Deutschland 2016"

Bundesumweltministerin Barbara Hendricks: "Die Menschen sind bereit, auf das Auto zu verzichten, aber sie brauchen gute Alternativen. Weniger Autos, ein leistungsfähiger und günstiger öffentlicher Nahverkehr, gute und sichere Fahrradwege – all das wünschen sich viele Menschen, weil es ihre Lebensqualität verbessert und die Umwelt schützt. Das ist eine starke und wichtige Botschaft sowohl für die Umweltpolitik als auch für die Stadtentwicklungspolitik. Sie wird uns Rückenwind geben in unserem Einsatz für die Stadt der kurzen Wege, für neue Radwege und nachhaltige Mobilität."

UBA-Präsidentin Maria Krautzberger: "Saubere Luft und mehr Grün in der Stadt – das geht nur mit mehr Bussen und Bahnen und mit weniger Autos. Der öffentliche Personennahverkehr ist das Rückgrat der Stadtmobilität. Er muss aber gestärkt werden und vor allem ausreichend finanziert sein. Wenn wir umweltschädliche Subventionen endlich abbauen und mehr Gelder für den ÖPNV bereitstellen, gelingt das auch." Die umweltschädlichen Subventionen des Verkehrssektors belaufen sich laut Berechnungen des Umweltbundesamt (UBA) derzeit auf mehr als 28 Milliarden Euro pro Jahr.

Meta Infos
Stand der Information
13. April 2017
Weitere Informationen
Quelle
Umweltbundesamt (UBA) / Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB)
Land
Deutschland
Handlungsfelder NRVP
Kommunikation
Fahrradthemen
Mobilitätsverhalten
Nachhaltigkeit
Veröffentlichungen
Schlagworte
Studie
Verkehrsverhalten