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Karlsruhe - Stadtplanung

Mehr Radfahrer und weniger Unfälle

rie) Die Unfallzahlen sollen deutlich reduziert, der Radverkehrsanteil soll erhöht werden. Dafür haben sich die Teilnehmer des Workshops zum Radverkehr auf Vorschlag von Bürgermeister Ullrich Eidenmüller bei ihrem zweiten Treffen am vergangenen Freitag ausgesprochen. Bei dieser allgemeinen Vorgabe an ein Gesamtkonzept Radverkehr wollten es die Vertreter aus der Politik, örtlichen Nutzergruppen und der Stadtverwaltung aber nicht belassen. Die Ziele sollten messbar sein, die Zielerreichung damit nachprüfbar sein.

Stichwort Verkehrsunfälle mit Radlerbeteiligung: Hier sollen die Zahlen bis zum Jahr 2010 um 30 Prozent zurückgehen, der Anteil der Unfälle mit schwer verunglückten Radfahrern halbiert werden. Zur Erinnerung: 523 Unfälle mit 457 Verletzten, darunter 82 schwer verletzte und zwei getötete Radfahrer, registrierte die Polizei für 2003 - damit weist die Fächerstadt deutlich höhere Zahlen auf als Städte mit vergleichbaren Rahmenbedingungen. Warum das so ist, möchte die Dienststelle Bürgerservice und Sicherheit (BuS) unter anderem durch eine vermehrte Unfallanalyse herausfinden.

Der Anteil des Radverkehrs am Gesamtverkehr soll von derzeit 16 auf 20 Prozent im Jahre 2010 und 23 Prozent im Jahre 2015 steigen, die Erhöhung darf aber nicht auf Kosten des Zu-Fuß-Gehens und der Benutzung öffentlicher Verkehrsmittel gehen. "Durch die Kombination der Ziele 'Mehr Radfahrer' und 'Weniger Unfälle' hat sich Karlsruhe ein ehrgeiziges Ziel vorgenommen, das nur bei Betrachtung aller für den Radverkehr relevanten Handlungsfelder zu erreichen ist", meinte Moderator Detlev Gündel von der Planungsgemeinschaft Verkehr (PGV). Das Büro aus Hannover begleitet im Auftrag der Stadt die Erarbeitung eines Gesamtkonzepts Radverkehr. Für ein generelles Umdenken in der Verkehrspolitik hatte Eidenmüller sich ausgesprochen, eine Forderung, der sich das Gremium anschloss: Alle Verkehrsteilnehmer sollen gleichberechtigt sein und eine Mindestberücksichtigung finden. "Konflikte dürfen also nicht einseitig zu Lasten des Radverkehrs gelöst werden", so Eidenmüller.

Und da das Miteinander nur bei gegenseitiger Rücksichtsnahme funktioniert, rück-ten die Teilnehmer neben der Verkehrssicherheit als weiteres Handlungsfeld die Öffentlichkeitsarbeit in den Mittelpunkt, mit welcher für mehr Toleranz bei allen Verkehrsteilnehmern geworben werden soll. Vorrangig angehen solle die Stadt zudem die Verbesserung des Netzkonzepts und der Cityroute.

Mitte Januar hatten sich die Workshop-Teilnehmer erstmals getroffen und einen Fragen-Katalog "abgearbeitet". In Anlehnung an das Verfahren BYPAD- (Bicycle Policy Audit) ging es im Wesentlichen darum, sich auf eine qualitative Einschätzung der bisherigen Radverkehrspolitik zu verständigen. Ergebnis: "Unterm Strich ist Karlsruhe im Übergang von der 'ad-hoc-orientierten' zur 'reinen Radverkehrspolitik' einzustufen", erläuterte Gündel. "Es wird nicht (mehr) nur 'auf Zuruf' gearbeitet, wenn ein Thema brennt, sondern Konzepte sind in Arbeit, die Grundlage für ein systematisches Abarbeiten der Probleme sind." In einem Zwischenbericht hatte Gündel Ergebnisse des ersten Treffens dokumentiert und mit Erfahrungen aus anderen Städten ergänzt.

Der Abschlussbericht, den Gündel nun erstellt, wird nach Vorstellung im Radlerforum und Planungsausschuss letztlich dem Gemeinderat vorgelegt. Wunsch des Workshops ist es, dass der Gemeinderat mit seiner Zustimmung den Zielen in Sachen Radpolitik auch das entsprechende politische Gewicht verleiht. Details werden in der Arbeitsgruppe Radverkehr erarbeitet, in der städtische Ämter und die Polizei sowie Interessenverbände vertreten sind. Dabei ist ein Konzept zur Anbindung der Stadtteile an die Innenstadt durch Radrouten bereits in Arbeit.

Quelle: http://www.karlsruhe.de/Aktuell/Stadtzeitung05/sz1201.htm

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Stand der Information
29. März 2005
Quelle

http://www.karlsruhe.de/Aktuell/Stadtzeitung05/sz1201.htm

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