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Niederlande

Mehr Fahrradkilometer durch zunehmende Pedelec-Nutzung

Akku eines Pedelecs
Akku eines Pedelecs © Doris Reichel

Wie der niederländische Fietsberaad berichtet, fahren Radfahrer in den Niederlanden mehr Kilometer und die Anzahl der Radfahrer steigt. Dies erklärt die Zunahme gefahrenen Kilometer zwischen 2000 und 2012. Der Großteil des Wachstums entfiel auf die Nutzung von Fahrrädern mit elektrischer Antriebshilfe (Pedelec). Die Zahl der "normalen" Radkilometer in diesem Zeitraum für die Bevölkerung nahezu unverändert.

Das geht aus der Studie Mobiliteitsbalans 2013 hervor, die Ende Oktober vom Kennisinstituut voor Mobiliteitsbeleid (KiM) veröffentlicht wurde. Die Mobiliteitsbalans gibt jährlich - im Auftrag des Verkehrsministeriums - den Status der Mobilität in den Niederlanden wieder.

Durch das bloße Bevölkerungswachstum wuchs die Summe aller Fahrradkilometer um rund 5 Prozent. Die Zahl der Fahrradkilometer pro Person (weil immer mehr Menschen Rad fahren) wuchs um 9 Prozent. Insgesamt nahm die Zahl der Fahrradkilometer zwischen 2000 und 2012 um 14 Prozent zu.

Vor allem ältere Menschen haben mehr Fahrradkilometer gesammelt, nicht nur, weil es mehr ältere Menschen gibt, sondern auch, weil sie pro Person mehr Rad gefahren sind.

Darüber hinaus ist die zurückgelegte Strecke pro Weg länger geworden. Dies gilt für alle Altersgruppen, insbesondere aber für ältere Menschen.

Die Studie stellt ferner fest, dass die erhöhte Nutzung von Fahrrädern bei Menschen über 50 auch mit der zunehmenden Beschäftigungsrate von Frauen im Zusammenhang stehen könnte, da diese Gruppe das Fahrrad öfter nutzt. Insbesondere Menschen über 40 radeln mehr, vor allem zur Arbeit.

Die Veränderungen haben, laut KiM, mit der wachsenden Zahl von Angeboten/Einrichtungen zu tun, mit der Ausdehnung der Siedlungsflächen durch Suburbanisierung und natürlich mit dem Siegeszug des Pedelecs.

Die Verfügbarkeit über ein Pedelec förderte die Fahrradnutzung von Senioren: So waren im Jahr 2012 rund 10 Prozent der über 60-Jährigen mit einem E-Bike unterwegs und legten damit durchschnittlich fast doppelt so viele Kilometer wie Altersgenossen auf normalen Fahrrädern zurück. Im Jahr 2000 war der Pedelec-Anteil noch vernachlässigbar.

Pedelecs erobern den Markt

Von den 1,04 Millionen Fahrrädern, die im Jahr 2012 in den Niederlanden verkauft wurden, verfügten 171.000 (16 Prozent) über eine elektrische Antriebshilfe. Schätzungsweise 5 Prozent der niederländischen Bevölkerung besitzt ein E-Fahrrad, bei den über 60-Jährigen sogar 10 Prozent. Ende 2007 lag dieser Anteil noch bei 3 Prozent der Gesamtbevölkerung. Der Marktanteil von Pedelecs ist in den Niederlanden höher als in anderen europäischen Ländern. Deutschland lag mit einem Marktanteil von 8 Prozent im Jahr 2011 (310.000 Pedelecs) auf dem zweiten Platz, in Dänemark liegt der Marktanteil bei 5 Prozent. 2012 wurden in den Niederlanden auf Pedelecs rund 1,3 Milliarden Kilometer zurückgelegt, was etwa 9 Prozent der Gesamtzahl der gefahrenen Kilometer entspricht. Über 60-jährige Niederländer legten im Jahr 2012 fast ein Viertel ihrer Fahrrad-Kilometer auf einem E-Bike zurück.

Pedelec-Kilometer sind zu 38 Prozent neu induziert, zu 34 Prozent ersetzen sie Radfahrten auf herkömmlichen Rädern und zu 18 Prozent werden damit vorher mit dem Kfz gemachte Kilometer substituiert. Speziell bei Pendlern liegen die beiden letztgenannten Prozentsätze etwas niedriger. Dort wurden 33 Prozent gewöhnliche Radkilometer und 16 Prozent Autokilometer ersetzt.

Pedelecfahrer in den Niederlanden legen, unabhängig von Alter, durchschnittlich 31 Kilometer pro Woche zurück, der durchschnittliche Radfahrer rund 21 km pro Woche. Bei klassischen Fahrrädern nimmt die gefahrene Kilometerzahl mit steigendem Alter der Radfahrer stark ab.

Die Geschwindigkeitsunterschiede auf Radwegen scheinen eher kleiner als größer geworden zu sein. Die gemittelte Reisegeschwindigkeit von Pedelecfahrern liegt bei knapp 16 km/h, also schätzungsweise 10 bis 20 Prozent höher als bei normalen Radfahrern. Die älteren Pedelecpiloten fahren mit durchschnittlich 15 km/h im etwas langsamer, können sich aber dank der elektrischen Unterstützung an die "normale" Reisegeschwindigkeit der anderen Radfahrer anpassen, was tendenziell zu weniger Konflikten führen dürfte.

Die Datenlage zu E-Bike-Pendlern ist zwar noch begrenzt, es ist aber zu vermuten, dass der E-Bike-Trend den Anteil an der Verlängerung der per Fahrrad zurückgelegten Wege verstärkt hat: Die durchschnittliche Entfernung, die Pedelec-Pendler zur Arbeit unterwegs sind, ist mit 9,8 km eineinhalb Mal größer als bei herkömmlichen Fahrrädern (6,3 km). Ein Untersuchung in Twente zeigte, dass das E-Bike nicht als vollständiger Ersatz des Autos fungiert. E-Bike-Pendler, die zuvor nur mit dem Auto zur Arbeit fuhren, nutzen das Auto auch später noch teilweise um zur Arbeit zu gelangen. E-Bike-Pendler, die vorher mit einem normalen Fahrrad zur Arbeit fuhren, fahren öfter als ehemalige Nur-Auto-Pendler.

Download: Mobiliteitsbalans 2013 (PDF, 12 MB, Oktober 2013, S. 33-37)

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Quellen und weitere Informationen:

Meta Infos
Stand der Information
5. November 2013
Quelle

Niederländischer Fietsberaad (www.fietsberaad.nl) / Kennisinstituut voor Mobiliteitsbeleid (www.kim.nl)

Land
Niederlande
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