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Velo-city 2011 in Sevilla

Mehr als 60.000 Fahrten mit dem Rad pro Tag beweisen, dass schnelles mobiles Umdenken möglich ist

Drei Jahre intensiver Planung einer Fahrrad-Infrastruktur genügten, um die spanische Großstadt zum Vorreiter in Sachen mobiler Neugestaltung zu machen

Sevilla, 4. Januar 2011: Stellen Sie sich das Ballungsgebiet rund um Sevilla vor, eine Region mit rund 1,5 Millionen Einwohnern, gelegen am 37. Grad nördlicher Breite mit einem heißen, staubtrockenen Klima; eine Region, deren Verkehrsnetz ganz auf den automobilen Einsatz ausgerichtet ist und in der es keinerlei Fahrradkultur gibt - geschweige denn eine Infrastruktur, die zur Fahrradnutzung einlädt. Nun stellen Sie sich vor, Sie sind in einer Stadt wie Ankara, Tunis, Teheran, Las Vegas oder eben Sevilla trotz dieser widrigen Umstände mit dem Fahrrad unterwegs!

Versetzen Sie sich in die Lage eines Radfahrers, der während der flammend heißen Sommertage Juni und August in seinem Sattel sitzt und nicht nur mit den durchschnittlichen 30°C Hitze zu kämpfen hat, sondern auch mit dem berühmt-berüchtigten Fahrstil spanischer Autofahrer und den vielen Omnibussen, die den öffentlichen Verkehr dominieren. Dann haben Sie ein ungefähres Bild davon, wie abenteuerlustig man sein muss, um für den Weg zur Arbeit, Uni, in den Supermarkt oder in die Tapas-Bar aufs Fahrrad zu steigen... Nun - exakt das ist in den letzten Jahren in Sevilla passiert, der neuen Fahrrad-Hauptstadt Spaniens!

Die erfolgreiche Einführung einer kompletten Fahrrad-Infrastruktur durch die Stadtregierung von Sevilla hat die European Cyclists’ Federation (ECF) veranlasst, Sevilla als Austragungsort der Velo-city 2011 vom 23. bis 25. März zu nominieren. In nur drei Jahren ist es dem Referat "Nachhaltige Infrastruktur", einer dem Stadtrat von Sevilla angeschlossenen Abteilung, gelungen, anhand des 'Steuerungsplans Fahrradverkehr' (2007–2010) ein komplett getrenntes System von Radfahrwegen mit mehr als 120 km Länge zu entwickeln. Die tägliche Fahrradnutzung hat sich im gleichen Zeitraum um das zehnfache gesteigert und schoss von 6.000 auf 60.000 Fahrten pro Tag in die Höhe. Das heißt im Klartext, dass bei beinahe 7 Prozent aller innerstädtischen Fahrten das Fahrrad als bevorzugtes Verkehrsmittel verwendet wird und stolze 30 Prozent dieser 'neuen' Radfahrer vom Auto aufs Fahrrad umgestiegen sind. Aktuelle Studien dazu belegen, dass ein Großteil dieser Neu-Radler eines der 2.500 SEVici-Leihfahrräder (www.sevici.es) benutzt, die durch das JC Decaux System zur Verfügung stehen.

Der positive Nebeneffekt ist, dass sich Sevilla dadurch zur Stadt mit der am besten genutzten Mietfahrradflotte (+ 25.000 Fahrten am Tag) entwickelt hat. Es übertrifft sämtliche anderen 63 Großstädte, die derzeit Leihfahrräder von JC Decaux anbieten. Sevilla, die viertgrößte Stadt in Spanien und zugleich künstlerisches, kulturelles und wirtschaftliches Zentrum der autonomen Provinz Andalusien ist somit zur weltweiten Referenz für Städte ohne Fahrradtradition geworden. Sevilla zeigt eindrucksvoll, dass eine schnelle und nachhaltige Änderung des Mobilitätsverhaltens seiner Bürger möglich ist, wenn die entsprechenden Infrastrukturmaßnahmen mit einem gesamtheitlichen Masterplan erfolgen.

Die Kombination der oben angeführten Faktoren, die in Sevilla umgesetzt wurden, stellt eine Erfolgsformel für andere Städte dar, welche ihre Pläne zur Veränderung der Mobilitätsgewohnheiten seiner Mitbürger neu bewerten und danach ausrichten wollen. So erklärt José Antonio García Cebrián, Mitglied des Stadtrates von Sevilla und Direktor der Velo-city 2011: "Innerhalb kürzester Zeit haben wir unsere ökologischen Bestrebungen mit einer straffen und entschiedenen Verkehrspolitik kombiniert, die darauf ausgerichtet ist, das Fahrradfahren als gesundes und nachhaltiges Transportmittel zu fördern. Schließlich hat dies einen positiven Einfluss auf die betroffenen Individuen, aber auch auf die gesamte Gesellschaft. Wir sind nun überzeugt, dass es Sevilla in den Club der fahrradfreundlichen Städte schaffen kann, in denen die Bürger zufriedener sind und diesen Weg werden wir konsequent weiterverfolgen. Wir haben bewiesen, dass es möglich ist, Entscheidungen zugunsten nachhaltiger Transportmittel zu treffen und damit einen wesentlichen Beitrag im Kampf gegen den Klimawandel zu leisten."

Dr. Bernhard Ensink, Direktor der Velo-city Konferenzreihe und Generalsekretär des ECF, fügt hinzu: "Die vier Themenbereiche der Velo-city 2011 werden das Fahrrad als wesentliches und umweltfreundlichstes Transportmittel in Städten in den Mittelpunkt rücken. Die weltweite Zielsetzung ist, das Fahrrad besser in den Verkehrsmix zu integrieren und somit für ein gesünderes, besseres Zusammenleben zu sorgen. Es wird eine Vielzahl von Beispielen dafür geben, wie sich das Mobilitätsverhalten sinnvoll verändern lässt und wie man die Häufigkeit des Fahrrad-Einsatzes effizient steigern kann. Auch wird zu sehen sein, wie öffentliche Investitionen zu mobiler Nachhaltigkeit und sozialem Wohlbefinden beitragen können – kurz gesagt, wie sich die Lebensqualität in den Städten verbessern lässt."

Die Konferenz mit der Überschrift "Cycle of Life" wird in großem Umfang Themen aus den Bereichen Gesundheit, Bildung, Effizienz öffentlicher Investitionen sowie deren ökonomische Auswirkungen auf Wirtschaft und Gesellschaft behandeln. Aus den über 250 Einreichungen aus 27 Ländern werden 120 Ansätze ausgewählt und in Plenumssitzungen, Workshops sowie an runden Tischen diskutiert. Moderiert wird die Veranstaltung von Gillermo (Gil) Peñalosa, Geschäftsführer der kanadischen non-profit-Organisation "8-80 Cities" (www.8-80cities.org) und ehemaliger Kommissar für Parks, Sport und Erholung in Bogotá. Manfred Neun ergänzt abschliessend: "Eines ist sicher – der Ausdruck 'Cycle of Life' bezieht sich für uns nur auf zwei Räder, die dem Bedürfnis nach nachhaltiger Mobilität vieler Menschen in ihrer ständig wachsenden globalen urbanen Umwelt entsprechen. Also lasst uns diese Räder zum Rollen bringen... für ein besseres LEBEN für uns ALLE! "

Über Velo-city
Die Velo-city Konferenzreihe ist die weltweit führende internationale Konferenzreihe zum Thema ,Radfahrplanung' und wird von der European Cyclists’ Federation (ECF) sowie ausgewählten Gastgeber-Städten organisiert. Die Velo-city Konferenzen dienen als globale Kommunikations- und Informationsplattform mit dem Ziel, Entscheidungsträger dahingehend zu beeinflussen, dass die Planung und Bereitstellung der Infrastruktur für den täglichen Gebrauch des Fahrrads im städtischen Raum verbessert wird. Traditionell beteiligen sich Experten, Vertreter von Verbänden, Institutionen aus Wissenschaft, Politik und Sozialen Organisationen, sowie Universitäten, Unternehmen und Politiker an den Konferenzen. Weitere Informationen unter www.ecf.com

Velo-city 2011 in Sevilla – The Cycle of Life
Sevilla erhielt vor Kurzem den UN-Habitat Best Practice Award und wurde dank des erfolgreichen Aufbaus seiner kompletten Fahrrad-Infrastruktur dazu ausgewählt, die Velo-city 2011 auszurichten. Zur Velo-city Konferenz werden mehr als 1.000 Besucher aus der ganzen Welt erwartet, die während der dreitägigen Veranstaltung die Vorzüge des Radfahrens als urbanes und nachhaltiges Transportmittel erörtern. Ergänzend hierzu findet eine interessante Ausstellung zum Thema ,urban cycling' statt. Das Motto der Konferenz, "The Cycle of Life", bezieht sich auf das Fahrrad als Teil des täglichen Lebens und als Quelle der Gesundheit für Menschen jeden Alters in dicht besiedelten Städten und Regionen.

Die Velo-city 2011, 23. bis 25. März in Sevilla, wird auf Spanisch und Englisch abgehalten.

Weitere Informationen und Anmeldung: www.velo-city2011.com
Eine Auswahl an Bildern und Logos finden Sie unter www.velo-city2011.com/eng/informacion_interes.php oder http://sevillacyclechic.blogspot.com

Meta Infos
Stand der Information
4. Januar 2011
Quelle

Uwe Weissflog uweissflog@inmotionmar.com Mob +49 170 3164035 Tel +49 7141 913131 Stephanie Müller stephanie.mueller@inmotionmar.com Tel +49 7141 2421362 www.inmotionmar.com / Pressemitteilung Velo-city 11 Sevilla

Land
Spanien
Handlungsfelder NRVP
Fahrradthemen