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Deutschland

Leitende Verkehrsplaner der Deutschen Städte beraten in Münster über Radverkehr

Ganz im Fokus des Radverkehrs stand die 76. Sitzung der Fachkommission Verkehrsplanung im Deutschen Städtetags am 23./24.4.09 in Münster. Als Gastgeber präsentierte Münster seine Erfolge und Strategien bei der Förderung des Radverkehrs. Als Deutschlands "Fahrradhauptstadt" konnte Münster seinen Radverkehrsanteil von 1982 bis 2007 von 29 % auf 38 % steigern, während der Kfz-Verkehr von 39 % auf 36 % gesunken ist. Dabei liegt der Kfz-Bestand mit 180.000 zugelassenen Kfz auf 280.000 Einwohner in Münster relativ hoch, aber in Münster gibt es auch 500.000 Fahrräder.

Gewürdigt und verabschiedet wurde wegen seines baldigen Ruhestands Münsters leitender Verkehrsplaner Dr. Friedrich-Wilhelm Oellers, der die Fachkommission selbst lange geleitet und in dieser Funktion auch als Vertreter des Deutschen Städtetags im Bund-Länder Arbeitskreis Radverkehr an der Umsetzung des Nationalen Radverkehrsplans wirkt . Besonderes würdigte Burkhard Horn als Nachfolger in der Leitung der Fachkommission, Oellers strategisches Engagement zur Verankerung des Radverkehrs als Thema der Fachkommission zu einer Zeit, als die Förderung des Radverkehrs noch nicht überall vollwertig anerkannt war, und sein aktuelles Engagement für mehr Verkehrssicherheit. Oellers betonte, dass die erfolgreiche Steigerung des Radverkehrs während seiner Amtszeit möglich war, weil das im zweiten Weltkrieg stark zerstörte Münster im historischen mittelalterlichen Grundriss wieder aufgebaut wurde, und der Wall der alten Stadtmauer nicht wie andernorts zur Innenstadtumfahrung umgebaut wurde, sondern die heutige Promenade als Radverkehrsverteiler um die Innenstadt die Steigerung des Radverkehrs möglich macht.


Burkhard Horn (links) / Dr. Friedrich-Wilhelm Oellers (rechts)

Burkhard Horn (links) / Dr. Friedrich-Wilhelm Oellers (rechts)

(Copyright: T. Bracher)

Stephan Böhme und Andreas Pott, leitende Verkehrsplaner im Stadtplanungsamt von Münster, demonstrierten der Fachkommission bei einer Fahrradexkursion eindrucksvoll, vor welchen Aufgaben eine Großstadt mit einem so hohen Radverkehrsaufkommen steht. So wurde am durch Rad-, Kfz- und Busverkehr hoch belasteten Lugerikreisel gezeigt , dass die verkehrstechnischen Regellösungen wie Signalanlagen oder Radfahrstreifen bei den dortigen hohen Verkehrsbelastungen nicht mehr funktionieren, sondern sich der Verkehr auf niedrigem Geschwindigkeitsniveau von alleine regelt. Am Hauptbahnhof von Münster und in vielen weiteren Ecken der Innenstadt ist die Nachfrage nach Fahrradstellplätzen zeitweilig so hoch, dass Deutschlands größtes Fahrradparkhaus auf der Westseite (3000 Stellplätze) des Bahnhofs demnächst durch ein weiteres Parkhaus für mehrere tausend Räder auf der Ostseite ergänzt wird, und die im Stadtgebiet vorhandenen Fahrradständer regelmäßig von stehengebliebenen Fahrrädern „gereinigt“ werden müssen. Fahrradstraßen, auf denen Radfahrer zu mehreren Nebeneinander fahren können und wo mäßiges Tempo herrscht, werden in Münster nicht wie in anderen Städten auf den Hauptachsen des Radverkehrs eingerichtet, sondern in Tempo 30-Zonen als Alternativangebot für Schüler und ältere Radfahrer, die nicht gerne auf Hauptverkehrsstraßen fahren.


Die Fachkommission Verkehrsplanung unterwegs in Münster

Die Fachkommission Verkehrsplanung unterwegs in Münster

(Copyright: T. Bracher)

Aktuelles strategisches Thema in Münster, Freiburg, Berlin und anderen Städten mit stark gestiegenen Radverkehrsanteilen ist die Verkehrssicherheit. Nach ausführlicher Diskussion beschloss die Fachkommission die Einsetzung einer Arbeitsgruppe, die aus Sicht der Kommunen verkehrsplanerische Leitlinien zur Erhöhung der Radverkehrssicherheit erarbeiten soll. Ein weiteres zentrales Thema der Sitzung war die Verknüpfung von Fahrrädern und ÖPNV. Immer mehr Städte in Europa – beispielsweise Hamburg, Düsseldorf und Luxemburg - setzen in großem Stil auf öffentliche Leihfahrräder, und das Interesse am Förderprogramm des Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung ist hoch.


Die Fachkommission Verkehrsplanung unterwegs in Münster

Die Fachkommission Verkehrsplanung unterwegs in Münster

(Copyright: T. Bracher)

Obwohl die Förderung des "Umweltverbunds" seit langem auf der Agenda stehe, sei es oft immer noch schwierig, die örtlichen Verkehrsbetriebe von der strategischen Allianz von Fahrrad und ÖPNV zu überzeugen, wurde aus verschiedenen Orten berichtet. Auch in Münster sei die extrem starke Stellung des Fahrrads "Freud und Leid" zugleich, bemerkte Reinhard Schulte, der Nahverkehrsmanager der Stadtwerke Münster. So können Busse in Straßenzügen, auf denen keine eigene Busspur möglich ist, Radfahrstreifen bei Stau auf der Kfz-Fahrspur mit benutzen, der Radverkehr sei in den äußeren Stadtteilen ein wichtiger Zubringer zu den Haltestellen, und das Fahrrad gehört einfach zum städtischen Leben in Münster. Andererseits "kosteten" die wetterbedingten Schwankungen des Radverkehrs jährlich 5 – 10 Mio Euro Ausfälle an Fahrgelderlösen, weil das Angebot nicht angepasst werden könne, aber die Fahrgastzahlen wetter- und ferienbedingt stark schwanken. "Das regelt sich durch die Kunden von allein" kommentierte Schulte die Frage nach Problemen mit Münsters freizügiger Erlaubnis der ganztägigen Fahrradmitnahme im Bus.


Die Fachkommission Verkehrsplanung unterwegs in Münster

Die Fachkommission Verkehrsplanung unterwegs in Münster

(Copyright: T. Bracher)

Meta Infos
Stand der Information
27. April 2009
Quelle

Difu // Difu (A.H.)

Land
Nordrhein-Westfalen
Deutschland
Handlungsfelder NRVP
Fahrradthemen