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Leihradsystem vélo'v verändert Lyons Stadbild

vélo'v_Verleihstation in Lyon
vélo'v_Verleihstation in Lyon © Túrelio / Wikimedia

Das Straßenbild in Lyon und der Nachbarstadt Villeurbain hat sich deutlich verändert, der öffentliche Raum wird ausgewogener benutzt, ohne dass dafür teure Umbaumaßnahmen erforderlich waren, und es auf den Straßen wird nicht mehr gerast.

Bereits in den ersten sechs Monaten wurden mit 2.000 bereitgestellten Fahrrädern 2 Millionen Fahrten unternommen, und rund 200.000 Autofahrten ersetzt. An Sommertagen wird jedes Leihrad 16 mal genutzt, und bei durchschnittlich 2,5 km/Fahrt somit rund 40.000 Personenkilometer erbracht. Da auch die privaten Fahrräder mittlerweile häufiger genutzt werden, hat sich das Radverkehrsaufkommen in Lyon von ursprünglich 2% Anteil am modal split auf 4% verdoppelt. 30% der Nutzer von vélo'v sind Studenten, 30% Berufstätige und 40% Senioren und andere.

Die auf den Straßen eingerichteten Verleihstationen ersetzen jeweils einen Autoparkplatz. Der gestiegene Umsatz mit den Fahrradnutzern hat auch die Einzelhändler überzeugt, die zunächst gegen die Umwandlung der Kfz-Stellplätze waren.

Vélo’v wird im Rahmen einer öffentlich-privaten Partnerschaft (PPP) von einer großen Werbeagentur betrieben, die von der Stadt Lyon kostenlose Werbeflächen erhält und dafür zunächst 2.000, ab 2007 sogar 4.000 Fahrräder bereitstellt und den Betrieb organisiert, während die Stadt die Vertragseinhaltung überwacht. Für den Betreiber betragen die Kosten des Systems etwa 8 Millionen Euro/Jahr.

Die Einnahmen sind dagegen gering. Die Nutzer erhalten die Mieträder für die erste halbe Stunde kostenlos, Zeitkartenbesitzer der öffentlichen Verkehrsmittel für eine weitere halbe Stunde. Da die Fahrten im Durchschnitt nur 15 Minuten lang sind, bezahlen nur 5% der Nutzer überhaupt etwas.

Nach den Erfahrungen von Lyon plant nun auch Paris bis 2010 ein entsprechendes System mit 10.000 Fahrrädern, und auch Marseille bereitet ein entsprechendes Mietradsystem vor.

Lyon hatte vélo’v auf Basis der Erfahrungen der vorhandenen Mietradsystemen z.B. in Wien und Deutschland (call-a-bike) entwickelt. Zielwert für die Weiterentwicklung, so Gilles Vesco in seinem Vortrag auf der Velo Mondial Konferenz im März 2006 in Kapstadt, sei 1 Fahrrad/150 Einwohner.

Zum Verleihsystem: http://www.velov.grandlyon.com/

Meta Infos
Stand der Information
17. März 2006
Quelle

Difu/Bracher

Land
Frankreich
Handlungsfelder NRVP
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