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30 Prozent Radverkehr bis 2030 - "Ab aufs Rad im echten Norden"

Landesradstrategie für Schleswig-Holstein vorgestellt

Landessymbol Schleswig-Holstein
Landessymbol Schleswig-Holstein © Landesregierung Schleswig-Holstein

So will Schleswig-Holstein wieder unter die Top-Ten der Radfahr-Paradiese in Deutschland

Schleswig-Holstein sattelt auf: Unter dem Motto "Ab aufs Rad im echten Norden" hat die Landesregierung eine mit Politik und Verbänden erarbeitete Radstrategie Schleswig-Holstein 2030 verabschiedet. Nachdem der Anteil des Radverkehrs im echten Norden seit 2008 leicht gesunken ist und Schleswig-Holstein im Ranking der Flächenländer den ersten gegen den dritten Platz tauschen musste, legt das Land mit der Strategie nun einen Gang zu: Innerhalb der kommenden zehn Jahre soll der Radverkehrsanteil von derzeit 13 auf 30 Prozent erhöht, die Unfallzahlen um 50 Prozent verringert werden und mehr als 40 Prozent aller Gäste sagen: "Die Radfahrmöglichkeiten waren für mich ein triftiger Grund, im echten Norden Urlaub zu machen."

Wie Verkehrsminister Dr. Bernd Buchholz am 1. September 2020 zusammen mit Thomas Möller vom Allgemeinen Deutschen Fahrradclub (ADFC) erläuterte, stellt das Land für diese Ziele in dieser Legislaturperiode zehn Millionen Euro zur Verfügung. Die Mittel sollen für den Radwegeausbau und erste Schritte der Radstrategie genutzt werden.

In Schleswig-Holstein verlaufen aktuell 5.200 Kilometer Radwege an so genannten klassifizierten Straßen. Landesweit sind 77 Prozent aller Bundesstraßen, 64 Prozent der Landesstraßen und rund 41 Prozent aller Kreisstraßen mit Radwegen ausgestattet. Hinzu kommen Radwege an Gemeindestraßen. Zudem sind insgesamt 13 touristische Radfernwege mit 3.000 Kilometern Länge in Schleswig-Holstein ausgewiesen. "Dieses Netz wird von vielen attraktiven Themenrouten ergänzt", sagte Buchholz.

Fachleute aus Verbänden, Verwaltung und Politik haben in den letzten Monaten die Radverkehrs-Defizite im Land ermittelt und ein Maßnahmen-Paket geschnürt.

Erreicht werden sollen vor allem drei Ziele:

  • Erhöhung des Modal-Split-Anteils des Radverkehrs – insbesondere die Steigerung des Umstieg-Potenzials aufs Fahrrad für kurze Wege
  • Senkung der Unfallzahlen ("Vision Zero")
  • Schleswig-Holstein unter die Top-3-Länder im Radtourismus bringen
Buchholz: "Konkret heißt das, dass wir bis zum Jahr 2022 den Radverkehrsanteil auf mindestens 15 Prozent erhöhen wollen, bis 2025 auf 22 Prozent und bis 2030 auf 30 Prozent." Zudem bestünde das Ziel, die Anzahl der Unfälle, in die Radfahrer verwickelt sind – 2019 waren das fast 4.600 – innerhalb der nächsten zehn Jahre zu halbieren.

Eckpunkte der Radstrategie Schleswig-Holstein 2030:

Radstrategie Schleswig-Holstein 2030

  • Kurs gesetzt für die Zukunft des Radverkehrs in Schleswig-Holstein
  • Unter breiter Beteiligung verschiedener Akteure (Ministerien, Verbände, Politik) entstanden, insbesondere durch das vorgelagerte Bicycle Policy Audit-Verfahren (BYPAD)
  • übergreifender Ansatz zu allen Aspekten des Radverkehrs – von Infrastruktur über Verkehrssicherheit bis zu Radtourismus
  • am 25. August 2020 im Landeskabinett beschlossen
  • Start der Umsetzung so schnell wie möglich

Drei ambitionierte Oberziele bilden das Dach der Radstrategie und wurden mit verschiedenen Teilzielen unterlegt

  • Mehr Leute aufs Rad - Modal-Split Anteil des Radverkehrs erhöhen, z. B. bis 2030 Erhöhung auf mindestens 30 Prozent
  • Unfallzahl verringern ("Vision Zero"), z. B. bis 2030 unter die Top-2 der Flächenländer mit den niedrigsten relativen Unfalltoten (pro Einwohnerzahl) kommen
  • Schleswig-Holstein unter die Top-3-Länder im Radtourismus bringen, z. B. die Radfernwege im Land bis 2025 zu Qualitätsrouten weiterentwickeln

Sieben Handlungsfelder im Aktionsplan der Radstrategie mit zugeordneten  prioritären Schlüsselmaßnahmen und weiteren Maßnahmen

  • Handlungsfeld 1 - Strategie und Konzeption; z. B. Weiterentwicklung des Landesweiten Radverkehrsnetzes
  • Handlungsfeld 2 - Infrastruktur; z. B. Qualität der Radwege erfassen und verbessern; Investitionsanreize z. B. für Fahrradbügel
  • Handlungsfeld 3 - Radtourismus; z. B. Qualitäts- und Bestandsanalyse sowie Ausbau der Radfernwege; Förderung radtouristischer Angebote zur Positionierung des Landes als noch attraktivere Raddestination
  • Handlungsfeld 4 - Multimodalität, Verknüpfung aller Verkehrsarten; z. B. Ausbau weiterer ÖPNV-Knoten zu Mobilitätsstationen; Förderung innovativer Angebote zur Multimodalität
  • Handlungsfeld 5 - Verkehrssicherheit; z. B. Entwicklung eines verkehrsträgerübergreifenden Sicherheitskonzepts; Intensivierung zielgruppenorientierter Verkehrssicherheitsarbeit, insb. Schulwegsicherheit; Weiterentwicklung bestehender Aktivitäten bei Verkehrsschauen, Unfallanalyse und Verkehrsüberwachung
  • Handlungsfeld 6 - Strukturen, Kommunikation, Kooperation; z. B. Weiterentwicklung der RAD.SH; Veranstaltungen und Kampagnen zur Radverkehrsförderung
  • Handlungsfeld 7 - Landesweites Datenmanagement und Digitalisierung, z. B. Aufbau einer landesweiten Daten- und Informationsplattform zum Radverkehr
 
Thomas Möller, Landesvorsitzender des ADFC Schleswig-Holstein, begrüßte die Verabschiedung der Strategie: "Wir freuen uns, dass die Strategie in den letzten Jahren in enger Zusammenarbeit mit den Verbänden und entscheidenden Akteuren entwickelt und viele unserer Forderungen übernommen wurden. Im Prozess wurden die Stärken Schleswig-Holsteins aber auch die zahlreichen Herausforderungen aufgezeigt. Nun ist es an der Zeit, den guten Plan schnell in die Tat umzusetzen", sagte Möller. "Mit der Radstrategie hat Schleswig-Holstein eine Richtungsentscheidung getroffen. Die Umsetzung – die hoffentlich rasch geschieht – werden wir eng begleiten."

Mit Blick auf die ADFC-Radreiseanalysen erinnerte Buchholz daran, dass Schleswig-Holstein bei den beliebtesten Radreiseregionen erstmals 2016 genannt wurde und 2018 immerhin auf Platz 5 landete. "Es ist also keineswegs so, dass wir nichts vorzuweisen haben. Fakt ist aber auch, dass wir seit letztem Jahr nicht mehr unter den Top Ten sind." Um wieder an die Spitze zu kommen, habe sich die Landesregierung darauf verständigt, das Landesweite Radverkehrsnetz systematisch weiterzuentwickeln, das sowohl die Infrastruktur für den Alltagsverkehr als auch für die touristischen Radverkehre umfasse.

Zu den beschlossenen Projekten des 10-Millionen-Programms in dieser Legislaturperiode zählen laut Buchholz unter anderem der Ausbau des Radwegs an der Landesstraße L 57 zwischen Schönwalde und Lensahn (Kreis Ostholstein), an der L 231 zwischen Grube und Rüting bei Scharbeutz sowie weitere Lückenschlüsse bei Radwegen an Landesstraßen.

Als ein weiteres sichtbares Zeichen der Neuausrichtung werde das Land ein spezielles Infrastruktur-Programm auflegen, bei dem in den kommenden zwei Jahren unter anderem 10.000 Fahrradbügel an öffentlichen Einrichtungen oder Bushaltestellen sowie 100 Selbst-Servicestationen an hochfrequentierten Radstrecken errichtet werden sollen. Zudem soll an einem prädestinierten Bahnhof beispielhaft eine Mobilitätsstation mit Sharing-Angeboten entstehen.

Ein wichtiger Partner bei der Umsetzung der Radstrategie wird unter anderem die Kommunale Arbeitsgemeinschaft zur Förderung des Fuß- und Radverkehrs in Schleswig-Holstein (RAD.SH) sein, der schon 45 Kreise, kreisfreie Städte und Kommunen angehören und die vom Land gefördert wird. "Wir bündeln als starkes Netzwerk Fachwissen und Informationen rund um den Radverkehr und unterstützen Kommunen bei ihrem Engagement für den Radverkehr", sagte RAD.SH-Geschäftsführer Dr. Thorben Prenzel.