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Leasing von Diensträdern im öffentlichen Dienst

Land und AGFK Baden-Württemberg setzen sich für Dienstradmodell ein

Alltagsradverkehr
Alltagsradverkehr © Jörg Thiemann-Linden

Land setzt sich für Dienstradmodell ein, AGFK-BW kritisiert Gewerkschaften.

"Die Gewerkschaften verhindern mit einseitigen Argumenten die Einführung des Dienstrad-Modells im öffentlichen Dienst", beklagt der AGFK-Vorstandsvorsitzende Bürgermeister Michael Obert. Über 60 Kommunen und Kreise haben sich in der Arbeitsgemeinschaft Fahrradfreundlicher Kommunen in Baden-Württemberg (AGFK-BW) zusammengeschlossen, um den Radverkehr zu fördern. Denn mehr Radverkehr heißt für Kommunen: mehr Lebensqualität, weniger Lärm und Schadstoffe und vor allem deutlich gesündere Bürger.

Die AGFK-Kommunen möchten ihre kommunalen Angestellten zum Radfahren motivieren. Denn: "Radfahrer haben erwiesenermaßen deutlich weniger Krankheitstage", sagt Obert. "Außerdem möchten wir, dass unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit gutem Beispiel vorangehen und ganz direkt einen Beitrag zur Radverkehrsförderung leisten." Es sei nicht einzusehen, dass beim Fahrrad nicht möglich sein soll, was beim Auto seit Jahren problemlos machbar sei, betont Obert.

Bisher verhindern allerdings die Gewerkschaften bei der Verhandlung neuer Tarifabschlüsse für den öffentlichen Dienst das Dienstrad-Modell in den Kommunen. Ihr Argument: Die Leasingraten für das Dienstrad werden vom Bruttogehalt abgezogen. Damit gehen den Sozialkassen Beiträge verloren. Was die Gewerkschaften nicht berücksichtigen: Der gesundheitliche Vorteil des regelmäßigen Radfahrens ist für Arbeitgeber und Arbeitnehmer enorm. Daher ist das Dienstrad in der Privatwirtschaft äußerst beliebt. Große Arbeitgeber wie SAP, die Deutsche Bahn oder die REWE Gruppe bieten es ihren Mitarbeitern ebenso an wie kleine und mittelständische Betriebe.

Auch Kommunen in Baden-Württemberg haben für sich entschieden, dass Radverkehrs- und Gesundheitsförderung vorgeht. So können sich die kommunalen Mitarbeiter in Heilbronn über ihren Arbeitgeber ein Dienstrad leasen. "Es ist doch absurd, dass wir als fahrradfreundliche Kommune keine offizielle Möglichkeit haben, unseren eigenen Mitarbeitern ein Dienstrad anzubieten", sagt Wilfried Hajek, Bürgermeister der Stadt Heilbronn. "Das sind wir unseren Bürgerinnen und Bürgern doch schuldig, dass wir die städtischen Bediensteten gesund und arbeitsfähig halten, soweit das in unseren Möglichkeiten steht."

Das Land Baden-Württemberg unterstützt die Forderung der Kommunen, ist aber selbst bei den eigenen Angestellten machtlos. Die Tarifabschlüsse für die Beschäftigten im öffentlichen Dienst werden mit allen Bundesländern, den kommunalen Arbeitgebern und den Gewerkschaften beschlossen – bis 2019 ohne Dienstrad-Klausel. Daher hat Baden-Württemberg nun wenigstens für die Landesbeamten die Möglichkeit geschaffen, ein Dienstrad zu leasen (mehr lesen). "Wir begrüßen diesen Vorstoß", sagt AGFK-Vorstandsvorsitzender Michael Obert. "Es wird höchste Zeit, dass Baden-Württemberg hier ein Zeichen setzt. Es wäre schön, wenn die Gewerkschaften sich auch für neue Entwicklungen öffnen und nicht nur alte Prinzipien verteidigen würden."

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