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Unfallbilanz Deutschland 2019

Immer weniger Verkehrstote, außer bei Radfahrenden

Notarztwagen bei einem Rettungseinsatz
Notarztwagen bei einem Rettungseinsatz © Alexander Hunger

Unfallbilanz Deutschland 2019: Immer weniger Verkehrstote, außer bei Radfahrenden

2019 kamen auf deutschen Straßen insgesamt 87.253 Radfahrende bei einem Verkehrsunfall zu Schaden, die allermeisten davon innerorts (78.708). 455 Radfahrende (einschließlich Pedelecs) starben, 277 davon innerorts. 15.577 Radfahrende trugen schwere Verletzungen davon.

Überblick über die Unfälle

2019 wurden von der Polizei 2,7 Millionen Unfälle (+ 1,9 Prozent) erfasst, darunter 2,4 Millionen Sachschadensunfälle (+ 2,5 Prozent). Von diesen Sachschadensunfällen waren 69.189 Unfälle mit schwerwiegendem Sachschaden i.e.S. (+ 0,0 Prozent), 15.781 sonstige Unfälle unter dem Einfluss berauschender Mittel (+ 0,6 Prozent) und 2,3 Millionen übrige Sachschadensunfälle (+ 2,6 Prozent).

Die Zahl der Unfälle mit Personenschaden ist gegenüber 2018 um 2,8 Prozent auf 300.143 zurückgegangen. Nach wie vor ereigneten sich die meisten Unfälle mit Personenschaden innerhalb von Ortschaften (69,2 Prozent); jedoch wurden hier nur 30,6 Prozent der Getöteten registriert. Auf den Außerortsstraßen (ohne Autobahnen) passierten 24,2 Prozent der Personenschadensunfälle, aber 57,7 Prozent der Verkehrsopfer kamen hier ums Leben. Auf den Autobahnen wurden 6,7 Prozent aller Unfälle mit Personenschaden und 11,7 Prozent aller Getöteten gezählt.

An dieser unterschiedlichen Verteilung von Unfällen und Getöteten wird deutlich, dass die Unfälle auf den Außerortsstraßen unter anderem wegen der höheren Fahrgeschwindigkeiten schlimmere Folgen hatten. Zieht man als Maß für die Unfallschwere das Verhältnis der Zahl der Getöteten zu den Unfällen mit Personenschaden heran, so wird dies bestätigt: Während 2019 innerorts 4 Getötete auf 1.000 Unfälle mit Personenschaden kamen, lag der entsprechende Wert für Autobahnen bei 18 und für die Landstraßen sogar bei 24 Todesopfern.

Der "Zusammenstoß mit einem anderen Fahrzeug, das einbiegt oder kreuzt" war mit 31,7 Prozent die häufigste Unfallart innerhalb von Ortschaften, dagegen lag das "Abkommen von der Fahrbahn" außerhalb von Ortschaften an erster Stelle. Fast jeder dritte Unfall außerorts (28,4 Prozent) ging auf diese Unfallart zurück. Bei den Unfalltypen stand innerorts der "Einbiegen/Kreuzen-Unfall" (25,3 Prozent) an erster Stelle. Betrachtet man jedoch die Unfallfolgen, so kamen innerhalb von Ortschaften bei den "Fahrunfällen" die meisten Menschen (24,8 Prozent) ums Leben. Außerhalb von Ortschaften dominierte der "Unfall im Längsverkehr" mit 35,9 Prozent bei denen 33,3 Prozent aller Getöteten gezählt wurden. Dagegen wurden beim "Fahrunfall" (30,5 Prozent) die meisten Menschen getötet (38,9 Prozent).

Überblick über die Verunglückten

Im Jahr 2019 starben 3.046 Menschen im Straßenverkehr, das waren 229 Verkehrstote oder 7,0 Prozent weniger als 2018. Weitere 65.244 Verkehrsteilnehmer wurden schwer- (– 4,0 Prozent) und 318.986 leichtverletzt (– 2,8 Prozent).

Im Jahr 2019 ging die Zahl der im Straßenverkehr Getöteten bei fast allen Verkehrsbeteiligungsarten zurück. Den stärksten Rückgang, nach absoluten Zahlen gesehen, gab es bei den Nutzern von Krafträdern mit amtlichen Kennzeichen (– 77 Getötete oder – 12,4 Prozent), gefolgt von den Pkw-Insassen (– 60 Getötete oder – 4,2 Prozent) und den Fußgängern (– 41 Getötete oder – 9,0 Prozent).

Dagegen blieb die Zahl der getöteten Benutzer von Fahrrädern mit 455 Getöteten unverändert (darunter Pedelecs: + 29 Getötete oder + 32,6 Prozent).

Die Dominanz des Pkw im Straßenverkehr belegt der hohe Anteil der Pkw-Insassen an den Unfallopfern: 44,8 Prozent der Verkehrstoten sowie 53,6 Prozent der Verletzten kamen in einem Pkw zu Schaden. 17,8 Prozent der Getöteten waren Benutzer von Krafträdern mit amtlichen Kennzeichen, 14,6 Prozent benutzten ein Fahrrad und 13,7 Prozent waren Fußgänger.

Den größten Anteil mit 34,0 Prozent aller Getöteten hatte die Gruppe der Senioren (65 Jahre und älter). 11,9 Prozent aller Verkehrstoten waren im Alter von 18- bis 24 Jahren, der Altersgruppe mit den meisten Fahranfängern. Bezogen auf eine Million Einwohner ihrer Altersgruppe sind die Senioren sowie die jungen Erwachsenen mit jeweils 58 Getöteten, die am meisten gefährdeten Altersgruppen.

Die Zahl der Getöteten ist in allen Altersgruppen rückläufig. Die stärkste Abnahme bei der Zahl der Getöteten war bei unter 15-Jährigen zu verzeichnen und zwar von 79 auf 55 Getötete (- 30,4 Prozent). Bei Jugendlichen gab es 66 Getötete weniger als 2018 (– 14,3 Prozent). Bei den Senioren fiel die Abnahme am geringsten aus (1.037 gegenüber 1.045 oder – 0,8 Prozent).

Überblick über die Beteiligten

Im Jahr 2019 zählte die Polizei 573.799 Beteiligte an 300.143 Straßenverkehrsunfällen mit Personenschaden. Mehr als jeder zehnte Beteiligte kam ohne Mitwirkung eines anderen Verkehrsteilnehmers bei Alleinunfällen zu Schaden, 15,6 Prozent waren in Unfälle mit mindestens drei Beteiligten verwickelt. Fast zwei Drittel (62,3 Prozent) aller an Personenschadensunfällen Beteiligten waren Pkw-Fahrer, bei schwerwiegenden Unfällen mit Sachschaden (i.e.S.) betrug ihr Anteil sogar 86,3 Prozent.

Nur 35,3 Prozent aller Beteiligten von Unfällen mit Personenschaden waren Frauen. Bei den unfallbeteiligten Fahrern von Personenkraftwagen waren es 39,5 Prozent. 12,4 Prozent aller Hauptverursacher mit Altersangaben waren junge Pkw-Fahrer und -Fahrerinnen im Alter von 18-24 Jahren. Bei den 65 Jahre oder älteren waren es 11,6 Prozent.

43.018 Radfahrende wurden 2019 als Hauptverursacher von Unfällen mit Personenschaden festgestellt. Insgesamt waren 2019 gut 357.000 Pkw-Fahrer an einem Unfall mit Personenschaden beteiligt. Rund 199.000 Pkw- Fahrer, das sind 55,8 Prozent hatten den Unfall auch verschuldet: Bei den unfallbeteiligten Pkw-Fahrern im Alter von 18 bis 20 Jahren wurden mehr als zwei Drittel (69,7 Prozent) als Hauptverursacher eingestuft. Mit steigendem Lebensalter sinkt dieser Anteil und erreichte 2019 seinen niedrigsten Wert in der Altersgruppe zwischen 45 und 50 Jahren (48,3 Prozent). In den darüber liegenden Altersgruppen nimmt der Anteil der Hauptverursacher an allen Beteiligten der jeweiligen Altersgruppe wieder zu. Besonders hoch war der Anteil bei den Senioren, die mindestens 75 Jahre alt waren. Drei Viertel (75,2 Prozent) der Pkw-Fahrer dieser Altersgruppe trugen die Hauptschuld an dem Unfall, an dem sie beteiligt waren.

Unfallursachen

Menschliches Fehlverhalten war mit Abstand die häufigste Unfallursache 88,2 Prozent der Ursachen bei Unfällen mit Personenschaden waren 2019 Fehlverhalten von Fahrzeugführern und 3,2 Prozent Fehlverhalten von Fußgängern. 7,5 Prozent waren allgemeine Unfallursachen, wie Straßenglätte durch Regen bzw. Schnee oder Sichtbehinderung durch Nebel. Technische Mängel und Wartungsmängel machten 0,9 Prozent der Unfallursachen aus. 47,6 Prozent dieser unfallverursachenden technischen Defekte traten bei Zweirädern auf.

Personenbezogene Unfallursachen (Fehlverhalten der Beteiligten) stellte die Polizei 368.149 mal bei Unfällen mit Personenschaden fest, das waren durchschnittlich 1,2 Fehler je Unfall oder 642 Fehlverhalten je 1.000 Unfallbeteiligte. Der größte Teil dieser Fehlverhalten, nämlich 64,6 Prozent, wurde entsprechend ihrer Unfallbeteiligung den Pkw-Fahrern angelastet. Ein Fehlverhalten von Radfahrenden wurde 59.162 mal polizeilich festgestellt.

Charakteristik und Besonderheiten der Unfallstellen innerorts

Innerhalb von Ortschaften wurden 2019 insgesamt 207.625 Unfälle verzeichnet. Darunter waren folgende "Besonderheiten der Unfallstelle" verzeichnet: 10.297 mal "Radverkehrsanlage neben der Fahrbahn" , 7.715 mal "Radverkehrsanlage auf der Fahrbahn", 4.841 mal "Benutzungspflicht der Radverkehrsanlage". Unter "Charakteristik der Unfallstelle" wurde 46.834 mal "Kreuzung", 44.837 mal "Einmündung", 18.355 mal "Grundstücksein- oder -ausfahrt", 9.124 mal "Kurve" und 4.780 mal "Kreisverkehr" eingetragen.

Von Alleinunfällen mit Personenschaden waren innnerorts 16.391 und außerorts 3.196 Radfahrende betroffen. Bei Alleinunfällen starben innerorts 100 und außerorts 35 Radfahrende.

Von den 94.780 an Straßenverkehrsunfällen beteiligten Radfahrenden  waren im Januar 3.681, im Februar 4.478, im März 5.223, im April 7.676, im Mai 8.794, im Juni 12.611, im Juli 11.719, im August 11.289, im September 9.897, im Oktober 7.833, im November 6.381 und im Dezember 5.198 involviert

Weitere ausführliche Informationen finden Sie in der Jahresveröffentlichung "Fachserie 8, Reihe 7 Verkehrsunfälle 2019"