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Karlsruhe

Handlungskonzept "Fahrradfreundliches Karlsruhe" beschlossen

Auf der 17. Plenarsitzung des Gemeinderates am Dienstag, 25. Oktober 2005, wurde parteiübergreifend das von der Stadtverwaltung vorgelegte Radverkehrskonzept beschlossen.

So soll ein 20-Punkte-Programm Leitfaden für das Handeln der Verwaltung sein. Ziele sind unter anderem die Steigerung des Radverkehrsanteils auf 23 Prozent bis 2015, eine Erhöhung der Verkehrssicherheit, die Einbeziehung der Radverkehrsbelange in alle anstehenden Neu- und Umbaumaßnahmen sowie die Erhöhung der Anzahl von Abstellanlagen.

Das Radverkehrskonzept sieht vor, die Radrouten bis 2012 sukzessive auszubauen, begleitend soll die Öffentlichkeitsarbeit verstärkt werden.

Die Finanzierung der vielen Einzelmaßnahmen ist bisher nicht gesichert, es wird mit jährlichen Kosten von rund einer halben Million Euro gerechnet.

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Dazu auch die Originalmeldung aus der Karlsruher Stadtzeitung vom 28.10.05 (Quelle: karlsruhe.de/Aktuell/Stadtzeitung05/sz4303)

Umsteigen aufs Rad fördern

(rie) Einer Neuausrichtung der städtischen Verkehrspolitik kommt der Beschluss des Gemeinderats zum Radverkehr gleich: Die Stadträtinnen und Stadträte beschlossen am Dienstag unter Vorsitz von OB Heinz Fenrich einstimmig das Handlungskonzept "Fahrradfreundliches Karlsruhe".

Dieses beinhaltet ein Konzept zum Ausbau des Radverkehrsnetzes und ein 20-Punkte-Programm mit Zielen und Maßnahmen zur Förderung des Radverkehrs. Mit dem Beschluss stellte der Gemeinderat die Weichen für eine Gleichberechtigung aller Verkehrsträger. Jeder Verkehrsteilnehmer müsse nach seinen speziellen Bedürfnissen behandelt werden, was Rücksichtnahme und Toleranz aller voraussetzt.

Gleichheit aller Verkehrsteilnehmer bringt Pflichten Das "ideologiefreie Konzept fordert für Radler deren Rechte ein, zeigt aber auch auf, dass Gleichheit aller Verkehrsteilnehmer mit Pflichten verbunden ist", unterstrich denn auch Bürgermeister Ullrich Eidenmüller: "Es gibt keinen Freibrief. Rechtsübertretungen werden bei allen Verkehrsteilnehmern konsequent verfolgt."
Mit einer Verbesserung der Infrastruktur für Radfahrer und verstärkter Öffentlichkeitsarbeit möchte die Stadt den Radverkehrsanteil von derzeit 16 Prozent bis 2012 auf 21 und bis 2015 auf 23 Prozent erhöhen. Ein weiteres messbares Ziel: Obwohl dann mehr Radler unterwegs sind, soll sich die Zahl der Radfahrerunfälle um mindestens 15 Prozent, die Zahl der schwer verunglückten Radfahrer bis 2010 um mindestens 25 Prozent verringert haben.

Die Berücksichtigung der Radfahrer bei allen Straßenbaumaßnahmen, eine gute Beschilderung, mehr Abstellanlagen und der Ausbau von Bike-and-Ride-Plätzen sollen mehr Lust aufs Radfahren in der Fächerstadt machen. Mindestens zwei neue Stadtteilrouten pro Jahr sollen bis 2012 dafür sorgen, dass sich über die Fächerstadt ein gut ausgebautes Radwegenetz spannt. Die Leitlinien waren von Aktiven in Sachen Radfahren vor allem im Radlerforum in mehrstündiger Fleißarbeit entwickelt worden.

Um "Fahrrad-Großstadt Nummer 1 in Süddeutschland" zu werden, so der mit dem Konzept verbundene Anspruch, müssen einmalige und jährliche Kosten im Haushalt berücksichtigt werden. Neben bereits eingestellten Geldern will die Verwaltung 100.000 Euro für ein Sofortmaßnahmenprogramm, mit dem leicht behebbare Mängel beseitigt werden können, in den Nachtrag 2006 aufnehmen.

Alle Fraktions-Sprecher lobten das Konzept, sie betonten den Beitrag zur Luftreinhaltung und Gesundheit eines jeden Einzelnen, sahen aber auch die Notwendigkeit einer stetigen finanziellen Berücksichtigung.

"Es geht darum, Gefährliches und Beschwerliches für Radler stufenweise und stetig abzubauen, um ein Umsteigen auf das Rad zu erleichtern", betonte CDU-Stadtrat Tilman Pfannkuch.

Bei den Sofortmaßnahmen sollte sich die Stadt vorrangig der Unfallschwerpunkte annehmen. Er bat die Verwaltung um eine Prioritätenliste für den Ausbau des Radwegenetzes. SPD-Kollegin Natascha Roth freute sich unter anderem darüber, dass die Belange des Radverkehrs nun bei allen neuen Maßnahmen von Anfang an berücksichtigt werden. Sollten die beiden Radrouten pro Jahr sich im Entwurf zum Nachtragshaushalt 2006 nicht wiederfinden, werde ihre Fraktion einen entsprechenden Antrag stellen, kündigte sie an.

Ähnlich sahen dies die Grünen, die mit Genugtuung zur Kenntnis nahmen, das Karlsruhe sich nun aktiv um das "intelligenteste Verkehrsmittel der Welt" bemüht, "jeder Euro ist hier richtig investiert, betonte deren Stadtrat Tim Wirth. Ihre Fraktion wolle die Finanzierung des ehrgeizigen Konzeptes durch den Haushalt sicherstellen, kündigte FDP/A-Rednerin Rita Fromm an. Bis zum Nachtragshaushalt forderte sie ein schlüssiges Konzept für eine Radstation am Hauptbahnhof und ein Ausleihsystem. Dieses konkrete Ziel fehlte der Partei im 20-Punkte-Programm.

"Es ist überfällig, dass nun eine der schwächeren Gruppen der Verkehrsteilnehmer ins Blickfeld rückt", meinte KAL-Stadtrat Dr. Eberhard Fischer. Für die gesetzten Ziele müsse nun auch Geld in die Hand genommen werden.

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Stand der Information
25. Oktober 2005
Quelle

Gemeinderat / karlsruhe.de

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