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BASt-Bericht

Führung des Radverkehrs im Mischverkehr auf innerörtlichen Hauptverkehrsstraßen mit und ohne Schutzstreifen

Querungsstelle
Querungsstelle © Doris Reichel

Für die Förderung des Radverkehrs in Städten ist ein attraktives und sicheres Radverkehrsnetzes unabdingbar. Dabei gewinnt die Führung des Radverkehrs im Mischverkehr auf Hauptverkehrsstraßen sowie insbesondere Schutzstreifen als Form der Führung im Mischverkehr zunehmend an Bedeutung. Mit einem Schutzstreifen wird dem Radfahrer auf der Fahrbahn eine Fläche zur Verfügung gestellt, die von anderen Fahrzeugen nur bei Bedarf und ohne Gefährdung des Radverkehrs befahren werden darf.

Erstes Ziel des Forschungsvorhabens war es, das Gefährdungspotenzial für Radfahrer auf Hauptverkehrsstraßen im Mischverkehr mit und ohne Schutzstreifen zu bestimmen. Das zweite Ziel war die Bewertung der Einflüsse von Radverkehr im Mischverkehr mit und ohne Schutzstreifen auf die Leistungsfähigkeit und die Verkehrsqualität von Straßenabschnitten.

Im Rahmen der Bearbeitung wurde der Erkenntnisstand zur Radverkehrsführung im Mischverkehr recherchiert und aufbereitet. Dazu gehörte auch eine Kommunalrecherche zur aktuellen und zukünftig geplanten Anwendung von Schutzstreifen.

Für die Bestimmung des Gefährdungspotentials erfolgte eine Verkehrssicherheitsanalyse durch die Auswertung von Unfalldaten. Die Auswertungen erfolgten für definierte Querschnittstypen.

Gleichzeitig wurde das Verkehrsverhalten anhand von Videobeobachtungen auf Strecken mit und ohne Schutzstreifen analysiert. Dazu wurden unter anderem Geschwindigkeiten von Kfz- und Radverkehr sowie Überholvorgänge und Abstände erfasst und ausgewertet. Die Videobeobachtungen erfolgten sowohl an zweistreifigen als auch an vierstreifigen Strecken.

Da nicht alle denkbaren Verkehrsmengenkonstellationen beobachtet werden konnten, wurde - aufbauend auf den Erhebungsdaten - eine mikroskopische Simulation durchgeführt, bei der die Verkehrsqualität mit Fahrrad-Einfluss auch für gegenwärtig nicht beobachtbare Verkehrsstärken von Kfz- und Radverkehr bestimmt wurde.

Im Ergebnis werden das Unfallgeschehen und Einflussfaktoren auf das Unfallgeschehen für Radverkehrsführungen im Mischverkehr mit und ohne Schutzstreifen bewertet. Für die verschiedenen untersuchten Querschnittstypen werden die wesentlichen Einflussfaktoren auf die Verkehrsqualität benannt und teilweise quantifiziert. Für den Kfz-Verkehr wurden Qualitätsstufen für die Querschnittstypen und Verkehrsstärkenkombinationen Kfz-Rad entsprechend der HBS-Kategorisierung ermittelt.

Ergebnisse
Schutzstreifen führen im Vergleich zum Mischverkehr ohne Schutzstreifen zu einer erhöhten Akzeptanz der Fahrbahnnutzung. Sowohl bei zweistreifigen als auch bei vierstreifigen Querschnitten senken Schutzstreifen den Anteil der Radfahrer, die den Gehweg nutzen. Damit können Konfliktpotenziale, welche durch die Seitenraumnutzung entstehen, verringert werden. Auf Strecken mit wie auch ohne Schutzstreifen erhöhen sich die Unfalldichten mit steigender Nutzungsintensität des Straßenumfeldes. Zweistreifige und auch vierstreifige Querschnitte mit Schutzstreifen weisen jedoch eine geringere Unfallschwere auf als vergleichbare Strecken mit reinem Mischverkehr. Obwohl Schutzstreifen nicht generell zu verringerten seitlichen Überholabständen führen, ist eine Tendenz zu verringerten seitlichen Überholabständen beim Überholen ohne Gegenverkehr zu beobachten.

Anhand der Ergebnisse der Simulation konnte für verschiedene Kombinationen aus Kfz- und Radverkehrsstärke eine Qualitätsbewertung des Kfz-Verkehrs vorgenommen werden. Radverkehr im Mischverkehr kann auch weit über die derzeit in der Praxis auftretenden Verkehrsstärkenkombinationen abgewickelt werden, ohne dass die Qualität des Kfz-Verkehrs dadurch maßgeblich beeinträchtigt wird.

Folgerungen
Ein Schutzstreifen ist eine gute Alternative für eine Radverkehrsführung im Mischverkehr, wenn die Einsatzbedingungen und Entwurfsparameter eingehalten werden. Der Ansatz zur Bewertung der Verkehrsqualität des Kfz-Verkehrs bei Radverkehr im Mischverkehr auf Basis von Qualitätsstufen kann als Grundlage für ein Verfahren zur zukünftigen Gestaltung des Handbuchs für die Bemessung von Straßenverkehrsanlagen dienen.

Quelle und weitere Informationen:

Meta Infos
Stand der Information
3. Oktober 2015
Quelle
BASt-Bericht V 257, Erscheinungsjahr: 2015 / Forschung kompakt 16/15
Land
Deutschland
Handlungsfelder NRVP
Fahrradthemen
Schlagworte