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3-Jahres-Lizensierung nur unter bestimmten Bedingungen

Fahrradverleihsysteme sollen öffentlichen Raum in Amsterdam entlasten

An einer Uferbefestigung abgestellte Fahrräder
An einer Uferbefestigung abgestellte Fahrräder © pixabay.com

Die Stadtverwaltung Amsterdams möchte, dass die Bewohner auch in Zukunft eine attraktive, gesunde und gut erreichbare Gemeinde vorfinden. Deshalb ist es Ziel, dass die Menschen weiter Fahrrad fahren. Auch Leute, die jetzt noch nicht Fahrrad fahren, sollen das Fahrrad nehmen. Gleichzeitig soll es weniger abgestellte bzw. Fahrradleichen im öffentlichen Raum geben. Stehende Räder kosten Geld, und genau deshalb bieten geteilte Fahrräder eine Chance: Denn wenn mehr Menschen ein einzelnes Fahrrad benutzen, führt das in Zukunft zu weniger Fahrrädern insgesamt, so die Hoffnung der Stadtverwaltung.

9.000 Leihräder für Amsterdam ab 2019

Die Stadtverwaltung hat deshalb eine Richtlinie für die Nutzung von geteilten Fahrrädern (Beleidsnota Deelfietsen) erarbeitet, die die Nutzung der Leihräder organisieren soll. Ab 1. März 2019 soll ein Versuch von maximal drei Jahren begonnen werden, der laufend evaluiert werden wird, um die Regelungen gegebenenfalls anpassen können. Nach umfangreichen Konsultationen mit Experten und Marktteilnehmern läuft zurzeit eine Bürgerbeteiligungsrunde, die bis zum 16. Februar 2018 dauert. Im Juni soll die Regelung dann im Gemeinderat beschlossen und anschließend in die Gemeindeverordnung (Algemene Plaatselijke Verordening) aufgenommen werden.

Mindestens 4 Fahrten pro Tag angestrebt

Die Gemeindeverwaltung hat mithilfe internationaler Vergleiche ermittelt, dass mindestens 7.500 Leihräder stationsbasiert mindestens 4 Fahrten pro Tag machen müssen, um effizient zu sein und einen wirksamen Beitrag zur Entlastung leisten zu können. Dementsprechend können sich drei Anbieter mit je 3.000 Rädern für vorerst zwei Jahre (mit Verlängerungsoption um ein Jahr), bei der Stadt um den Betrieb eines Fahrradverleihsystems - nach streng vorgegebenen Regeln - bewerben. Die Stadt geht ab 2019 von rund 870.000 Euro jährlichen Kosten (Verwaltung, Unterhalt, Monitoring, Kommunikation) für die Leihradsysteme aus (potenzielle Werbeeinnahmen nicht eingerechnet). Die Standorte für die Verleihterminals sollen an ÖPNV-Stationen, Naherholungsgebieten, Einkaufs- und Arbeitsstätten, Ausbildungs- und Gesundheitsstandorten entstehen. In enger Zusammenarbeit mit den Stadtbezirken sollen bei Bedarf Autoparkplätze (2 Autos = 20 bis 24 Leihräder) in Terminals umgewandelt werden.

Meerjarenplan Fiets 2017-2022 als Grundlage

Im "Mehrjahresplan Fahrrad 2017-2022" (Meerjarenplan Fiets 2017-2022) stellt die Gemeinde Amsterdam fest: "Fahrräder, die unterwegs sind, tragen zur Erreichbarkeit der Stadt bei. Stehende Fahrräder kosten Geld. Wir streben darum an, dass mehr Wege mit dem Fahrrad zurückgelegt werden - auf weniger Rädern. Wenn Räder mehr geteilt werden, entfällt die Notwendigkeit des Vorhaltens eines Zweitrades, für das ein Parkplatz notwendig ist. Darum wollen wir von Rädern Gebrauch machen, die geteilt werden. Aussichtsreiche Standorte sind Haltestellen und Park-and-Ride-Plätze. Und wenn öffentliche Abstellmöglichkeiten kürzer genutzt werden, entsteht mehr Kapazität."

Hintergründe der Entscheidung

Hintergrund der geplanten Regelung ist es, dass in Amsterdam der verfügbare öffentliche Raum immer knapper wird. So werden aktuell 350.000 private Räder (von 847.000) auf den Straßen geparkt, viele stehen die meiste Zeit herum und verursachen Kosten. Da Amsterdam jedes Jahr um rund 11.000 Einwohner wächst (auf bald 900.000 Menschen), hat auch der Radverkehr enorm zugenommen - auf 665.000 Ortsveränderungen pro Tag. In der Innenstadt hat das Fahrrad schon heute einen Anteil von 62 Prozent am Gesamtverkehr, stadtweit lag dieser Anteil bei 36 Prozent. Nach Einführung der Leihradsysteme kommt dann ein Leihfahrrad in Amsterdam auf 94 Einwohner (zum Vergleich: in Paris sind es 111 Einwohner, innerhalb des Berliner S-Bahn-Rings rund 90 Einwohner pro Rad).

Erwartete Vorteile

  • Attraktive öffentliche Räume
  • Verbesserte Wege-Ketten auf der "ersten und letzten Meile"
  • Entlastung der Fahrradparkhäuser an ÖPNV-Stationen
  • Moderne Leihräder können Teil von modernen Tür-zu-Tür-Reiseangeboten sein (vernetzte Mobilität)
  • Attraktive Leihradsysteme stimulieren die Fahrradnutzung (vor allem in bisher noch nicht so fahrradaffinen Stadtgebieten)
  • Effizientere Nutzung des öffentlichen Raumes durch Mehrfachnutzung der Leihräder
  • Ehrlich Preise für die Nutzung kostbarer öffentlicher Räume
  • Durch umfangreiche Evaluation aus Innovationen lernen und Korrekturen vornehmen können
Meta Infos
Stand der Information
4. Januar 2018
Weitere Informationen
Quelle
Gemeente Amsterdam / Beleidsnota Deelfietsen / Meerjarenplan Fiets
Land
Niederlande
Handlungsfelder NRVP
Organisationsstrukturen
Fahrradthemen
Fahrradverleihsysteme
Planungen/Konzepte/Strategien
Statistik
Veröffentlichungen
Schlagworte
Fahrradverleih