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Der Fahrradfachhandel 2020

Fahrradgeschäfte verzeichnen 35 Prozent Umsatzzuwachs

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VDZ - Verband des deutschen Zweiradhandels e. V. - Der Fahrradfachhandel 2020/2021

Wirtschafliche Entwicklung

Das Jahr 2020 entwickelte sich für den Fahrradhandel nach einem Schock im Frühjahr durch den sog. ersten Covid-19 bedingten Lockdown zu einem außerordentlichen Umsatzerfolg. Begünstgt durch eine anhaltendende Schönwetterlage von Frühjahr bis Herbst konnten deutlich zweistellige Umsatzzuwächse generiert werden. Die Fahrradbranche gehörte zu den wenigen Handelsbranchen, die den Umsatzverlust in der Lockdown-Phase, teils innerhalb von zwei Wochen, zum Großteil wieder aufgeholt hatte. Unter Berücksichtgung von Zutrittsbegrenzungen, langen Wartezeiten vor den Geschäften und Umsetzung sämtlicher Hygienemaßnahmen, eine große Herausforderung. Viele Menschen haten sehr viel Zeit für Freizeitaktvitäten draußen in der Natur, da andere Beschäfigungsbereiche und Hobbys größtenteils weggefallen waren. Fahrradtouren als Familienausflug waren und sind weiterhin sehr beliebt. Auch ist ein genereller Trend, bzw. ein Umdenken in der Bevölkerung, wieder mehr Fahrrad zu fahren zu beobachten. Zusätzlich die Situaton den ÖPNV, falls möglich zu vermeiden. Unter anderem führten Substitutonseffekte des Ausgabeverhaltens vieler Verbraucher weg von Urlaubsausgaben hin zu hochwertgen E-Bikes im Saisonverlauf zu großer Nachfrage und knapper werdenden Lagerbeständen.

Nicht nur die E-Bikes erfreuten sich einer höheren Nachfrage, sondern auch die normalen Fahrräder (Bio-Bikes, Non-E-bikes) vom Kinderrad bis zum Citybike konnten verstärkt abgesetzt werden.

Über alle Fahrradsortimente war ein Trend zur Marke erkennbar; dies gilt insbesondere für Elektrofahrräder. Ein weiterer Trend wurde durch die Covid-19 verursachten Zugangsbeschränkungen in den Ladenlokalen begünstigt: nämlich die Beratung per Terminabfrage zu Verkauf und Service-Leistungen. Gerade Händler mit eher beschränkten Verkaufsflächen stellten zunehmend auf die Beratung per Termin um.

Verbunden mit dem Absatz höherer Stückzahlen bei den Fahrrädern und Pedelecs wurde auch eine stärkere Nachfrage nach Zubehörteilen beobachtet. Die Fahrradhandelsstruktur basiert auf dem Vorordersystem in dem im Sommer des Vorjahres die Kontingente geplant werden. Nachbestellungen sind folgerichtg nur begrenzt möglich. Dieser "Mechanismus" führte 2020 zu deutlichen Versorgungsengpässen in der zweiten Hälfe der Saison.

Durch die hohen Verkaufszahlen entstand ein weiterer Engpass im Bereich der Werkstatt-Leistungen. In der Folge konnten zum Teil sehr lange Wartezeiten auf einen Reparaturtermin beobachtet werden.

Trotz aller positven Signale ist ein Rückgang der prozentualen Rohertragsentwicklung ersichtlich. Ausschlaggebend hierfür dürfte der relatv stark gestiegene und insgesamt dominante E-Bike-Umsatzanteil sein, die Zuwächse im Service- und Zubehörbereich können diesen Trend offensichtlich nicht kompensieren. Dies dürfte für die zukünfige Rentabilitätsentwicklung von Bedeutung werden.

Zahlen - Daten

  • Gesamt Umsatzveränderung (alle Sortimente, Fahrrad, E-Bike, Zubehör, Werkstatt usw.) gegenüber 2019 gesamt +35 %
  • E-Fahrrad-Umsatzveränderung gegenüber 2019 +65 % (Der Anteil an sog. S-Pedelecs liegt unter einem Prozent)
  • Bekleidung/Helme/Zubehör/Teile Umsatzveränderung gegenüber 2019 +15 %
  • Werkstattumsatz Veränderung gegenüber 2019 +16 %
  • Es ist von steigenden Stückzahlen sowohl im E-Bike- als auch im Non-E-Bike-Bereich auszugehen, im Schnitt vermeldet der Fahrradfachhandel ca. 30 % bei den E-Bikes und ca. 19 % bei den herkömmlichen Fahrrädern.
  • Steigender Online-Anteil nicht nur durch klassische Online-Versender, sondern Covid-19 bedingt auch durch den statonären Fahrradfachhandel (Click&Collect).
  • Der Fachhandelsanteil im Fahrradhandel liegt bei den Stückzahlen bei ca. 68% und nach Umsatz bei ca. 78 %.
  • Durchschnitspreis Non-Bike ca. 630 Euro brutto
  • Durchschnitspreis Pedelec/E-Bike ca. 2.975 Euro brutto
  • Der Trend zu höherwertigen Fahrrädern hält an.

Leasing

Die Instrumente der Absatzfinanzierung spielten auch 2020 wiederum eine große Rolle. Neben der Form des Leasings wurde die herkömmliche Finanzierung zum Teil mit 0%-Zins Angeboten nachgefragt. Die Zahl der Leasingagenturen und "leasingbereiten" Arbeitgeber wächst stetig. Das hohe Aufommen der Leasingräder in den Fahrradwerkstäten erschwert die administratve Arbeit bei der Reparaturannahme. Da dort festgestellt werden muss, in welchem Umfang Reparaturen und Inspektonen bei den jeweiligen Leasingagenturen inkludiert bzw. festgeschrieben sind. Die erhobenen Gebühren der Leasingagenturen wirken sich auch weiterhin negativ auf das Jahresbetriebsergebnis aus.

E-Bike

Die E-Bike-Sortmente waren Umsatztreiber Nr. 1 in 2020. In fast allen Warengruppen konnten deutliche Zuwächse erzielt werden. Tendenziell ging die Nachfrage eher in den sportlichen Bereich. E-Bikes mit Rücktritbremsen fanden weniger Käufer. Selbst die eher bergtauglichen E-MTB- und SUV-Varianten fanden auch bei flacher Topographie großes Interesse. Damit ist das E-Bike in nahezu allen Altersklassen und Fahrradtypen angekommen.

Beratung – Service - Werkstatt

Der Fachkräfemangel führte gerade im Jahr 2020 insbesondere in den Werkstäten zu starken Engpässen. Durch die eingeschränkten Öffnungszeiten, bedingt durch die Lock-Downs, entstanden Wartezeiten bei Verkauf und Werkstatt. Verkäufe via Click&Collect, Terminberatungen usw., zunächst als Notlösung gedacht, führten bei vielen Händlern zu alternatven Verkaufswegen mit richtungsweisenden Tendenzen für die Zukunft.

Fazit

In gesamtwirtschaflich schwierigen Zeiten konnte sich die Fahrradbranche positv entwickeln und ihre Umsätze überdurchschnitlich steigern. Die gestegenen Umsatzanteile bei den Pedelecs führte insgesamt zu höheren Umsätzen aber niedrigeren prozentualen Gesamtmargen. Engpässe entstanden durch knappe Ware sowohl im Verkauf als auch bei den Ersatz- und Zubehörteilen. Das hohe Reparaturaufommen führte zu ungewöhnlich langen Wartezeiten im Reparaturbereich. Die Kundenzufriedenheit litt unter der angespannten Situaton. Auch für das Jahr 2021 wird mit einer Fortsetzung des erhöhten Fahrradabsatzes und des positven und nachhaltgen Trends gerechnet. Der Fahrradfachhandel ist gut vorbereitet und verfügt über volle Lager. Industrie und Handel haben alles in Bewegung gesetzt, um eine möglichst gute Warenversorgung in der kommenden Fahrradsaison zu gewährleisten.

Lockdown – Argumente für eine Wiederöffnung der Fahrradgeschäfte 2021

  • Fahrradfahren ist gerade mit dem bevorstehenden Frühlingsbeginn ein unverzichtbarer Bestandteil infektonssicherer Mobilität
  • Durch Öffnung der Schulen kommt eine weitere große Gruppe an Menschen hinzu, die auf das Fahrrad im Alltag angewiesen ist: Die Kinder
  • Fahrradfahren hält Herz, Kreislauf und Lunge in Schwung
  • Der Fahrradhandel bietet ausreichend Platz, um strenge Hygieneregeln einzuhalten
  • Geschlossene Fahrradgeschäfte bis Ostern bringen viele Händler in Bedrängnis – Volle Lager – Hohe Kapitalbindung
  • Eine frühere Öffnung würde eine Entzerrung des bevorstehenden Ansturms auf die Fahrradgeschäfe vermeiden
  • Forderung: Öffnung der Fahrradgeschäfe unabhängig vom Inzidenzwert
Meta Infos
Stand der Information
11. März 2021
Weitere Informationen
Quelle
VDZ - Verband des deutschen Zweiradhandels e. V. // Difu (A.H.)
Land
Deutschland
Handlungsfelder NRVP
Fahrradthemen
Schlagworte