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Konferenz mit 9 NRVP-Projekten und Handlungsleitfaden

Fahrrad und öffentlichen Verkehr gemeinsam denken

Cover: Fahrrad und öffentlichen Verkehr gemeinsam denken. Die Verknüpfung von Fahrradmobilität mit öffentlichem Verkehr als Beitrag zu Daseinsvorsorge und Klimaschutz. Ein Handlungsleitfaden für Bund, Länder, Kommunen sowie Mobilitätsdienstleister.
Cover: Fahrrad und öffentlichen Verkehr gemeinsam denken. Die Verknüpfung von Fahrradmobilität mit öffentlichem Verkehr als Beitrag zu Daseinsvorsorge und Klimaschutz. Ein Handlungsleitfaden für Bund, Länder, Kommunen sowie Mobilitätsdienstleister. © Goethe-Universität Frankfurt am Main

Bike-Box und Big Data: Konferenz "Fahrrad und Intermodalität"

Am 7. September 2018 veranstaltete die Goethe Universität Frankfurt in Zusammenarbeit mit dem ADFC Hessen die Konferenz "Fahrrad und Intermodalität - Ergebnisse aus Projekten des Nationalen Radverkehrsplans".

Die Förderung von Fahrradmobilität ist ein wesentlicher Baustein zur Gestaltung eines ökologischeren, sozial verträglicheren und ökonomisch tragfähigen Mobilitätssystems in Deutschland. Die Bundesregierung fördert mit dem Nationalen Radverkehrsplan (NRVP) Maßnahmen zur Erhöhung der Attraktivität des Radverkehrs. Ein strategisches Ziel hierbei ist die Entwicklung und Verbreitung von Maßnahmen, die das Fahrrad und den Öffentlichen Verkehr (ÖV) stärker verknüpfen, so dass jedes System von den spezifischen Vorteilen des anderen profitieren kann.

Gemeinsam diskutierten Vertreter von Einrichtungen des Bundes, der Länder, von Kreisen und Kommunen sowie Interessensverbänden und der Wissenschaft über Handlungs- und Gestaltungsoptionen für die lokale Praxis. Dabei wurden Ergebnisse aus insgesamt neun Projekten vorgestellt - allesamt gefördert im Rahmen des NRVP. Dass es zum Thema "Verkehrswende" im Allgemeinen und zur Rad-ÖV-Förderung im Speziellen durchaus verschiedene Ansätze und Handlungserfordernisse gibt, kam bei einer Podiumsdiskussion zum Vorschein: Vertreten waren Golo Eckhardt als Vertreter des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur, Dr. Stefan Groer vom Hessischen Ministerium für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Landesentwicklung, Tilman Bracher vom Deutschen Institut für Urbanistik stellvertretend für die kommunale Sichtweise sowie Ludger Koopmann vom Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club. Prof. Dr. Ulrike Reutter von der Bergischen Universität Wuppertal moderierte das Gespräch.

Die einzelnen Vorträge im Überblick

Als Initiator der Konferenz stellte Prof. Dr. Martin Lanzendorf von der Goethe Universität Frankfurt zu Beginn der Veranstaltung die Ergebnisse des eigenen Projektes "Verbesserte Integration des Fahrrads in den Öffentlichen Verkehr" vor. Im Rahmen des Projektes wurden verschiedene Praxisbeispiele aus den Bereichen Fahrradmitnahme, Bike+Ride-Anlagen, Fahrradverleihsysteme sowie in den Bereichen Kommunikation & Marketing und Digitalisierung analysiert und Handlungsempfehlungen abgeleitet.

Vier Projekte beschäftigten sich mit Infrastrukturlösungen und den damit zusammenhängenden Fragen

  • Wolfgang Bohle (PGV-Alrutz GbR) stellte für die Region Hannover das Projekt "Bike & Ride 2.0" vor. Im Projekt wurden Anforderungen unterschiedlicher Nutzerinnen und Nutzer an Bike+Ride-Anlagen und Zuwegungen evaluiert. Projektziele sind die Entwicklung eines generellen Modulkataloges für Bike+Ride-Anlagen und die konkrete Umsetzung in zwei Modellstandorten.
  • Thomas Möller von team red präsentierte den "Leitfaden Betreiberkonzepte für Fahrradstationen, Sammelschließanlagen und Fahrradboxen" und ergänzte interessante Hintergrundinformationen aus der Evaluierung von Betreiberkonzepten.
  • In der Region Hannover wurden hingegen die Möglichkeiten "Optimierter Fahrradmitnahme" erforscht - vorgestellt von Heinz Mazur von der PGT Umwelt und Verkehr GmbH. Basierend auf einer Evaluation bestehender Konflikte zwischen den Fahrgästen mit und ohne Rad wurde eine Kampagne zur Konfliktlösung mit begleitenden betrieblich-technischen Lösungen entwickelt.
  • Im Projekt "InfRad", welches Michael Hardinghaus vom DLR Berlin vorstellte, wird die Bedeutung der Infrastruktur für die Fahrradnutzung analysiert und Präferenzen der Radfahrenden bei der Routenwahl ermittelt. Die Datenerhebung läuft zur Zeit noch, abschließende Ergebnisse werden 2019 veröffentlicht.

Ein weiterer thematischer Block widmete sich den Möglichkeiten von "Big Data"

  • Enrico Howe präsentierte für das Berliner InnoZ Ergebnisse aus dem abgeschlossenen Projekt "RadSpurenLeser". Kern des Projekts ist ein methodischer Test der Datenerhebung mittels Smartphone-Tracking. RadSpurenLeser fokussierte dabei vor allem auf die Identifikation von multi- und intermodalem Mobilitätsverhalten mithilfe eines digitalen Mobilitätstagebuchs.
  • Einen ähnlichen Ansatz verfolgte auch das Projekt "Mit Smartphones generierte Verhaltensdaten im Radverkehr", welches Sven Lißner von der TU Dresden vorstellte. Erforscht wurden Chancen und Möglichkeiten von (kommerziellen) Smartphone-basierten Daten für die kommunale Radverkehrsplanung. Aus dem Projekt wurde u.a. ein Leitfaden entwickelt.

Den Herausforderungen ländlicher und suburbaner Räume widmeten sich zwei Projekte

  • Ausgehend von den spezifischen Herausforderungen der eigenen Region, wurde im Rhein-Sieg-Kreis das Projekt "Ein Rad für alle Fälle" entwickelt, vorgestellt von Petra Gloge: Um den Fahrradanteil trotz schwieriger Topographie zu erhöhen wurde ein Pedelec-Angebot entwickelt, welches an Wochentagen von Pendler/-innen genutzt werden kann, während am Wochenende der Radtourismus auf diese Fahrräder zugreifen kann.
  • Die Erhebung von Mobilitätsmustern und die Frage der Vereinbarkeit von Fuß- und Radverkehr mit dem ÖPNV im Kontext des demografischen Wandels in ländlichen Räumen steht im Zentrum des Projektes "Zukunft der Mobilitätskette: das Fahrrad als Scharnier", angesiedelt im Großraum Braunschweig. André Tatjes von der TU Braunschweig stellte Ergebnisse aus einer repräsentativen Telefonumfrage vor.

Die Veranstaltung stieß auf großes Interesse. Mehr als 130 Teilnehmer/-innen informierten sich, stellten Rückfragen und diskutierten mit den Experten auf dem Podium. Die Veranstalter zogen insgesamt ein positives Fazit. Als Erfolg ist auch die hohe Nachfrage an den einzelnen Projektpublikationen und Leitfäden - während und nach der Veranstaltung - zu werten.

Weitere Informationen

Zum Handlungsleitfaden "Fahrrad und öffentlichen Verkehr gemeinsam denken" aus dem Forschungsprojekt "Verbesserte Integration des Fahrrads in den öffentlichen Verkehr"