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Kostenvergleich Auto - Fahrrad in Deutschland

Fahrrad hat gesamtgesellschaftlichen Nutzen von 30 Cent pro Kilometer

Radfahrer auf der Straße
© Doris Reichel

Volkswirtschaftliche Kosten-Nutzen-Analyse für Auto und Fahrrad

Beim vivavelo Kongress, der am 16. und 17. April 2018 in Berlin stattfand, zeigte Prof. Dr. Stefan Gössling von der Universität Lund (Schweden) auf, dass es nicht nur ökologische, sondern auch drastische volkswirtschaftliche Gründe dafür gibt, eine Mobilitätswende in Deutschland herbeizuführen.

Grundlage seiner Arbeit ist eine renommierte Kopenhagener Studie, die bereits 2009 die gesellschaftlichen Kosten und den Nutzen von Rad und Auto verglichen hatte. Laut Gössling werden Kosten-Nutzen-Analysen in aller Regel genutzt, um die Rentabilität von Investitionen in Verkehrsinfrastruktur zu beurteilen. In der vergleichenden Studie geht es um die Erfassung der Kosten von Fahrrad und Auto, auf der Basis eines umfassenden Sets von Parametern und den entsprechenden Faktorkosten. Daraus ergibt sich ein Bild der aktuellen Kosten und Nutzen der beiden Verkehrsträger, gerechnet pro Personenkilometer (pkm). Diese Analyse kann prinzipiell genutzt werden, um Investitionsentscheidungen zu unterstützen. Zu beachten ist laut Gössling allerdings, dass dieser Vergleich keine Aussagen über sekundäre Effekte der Verkehrsmittel zulässt, also ob z. B. ein Autofahrer durch seine Tätigkeit stärker zur wirtschaftlichen Entwicklung beiträgt als ein Radfahrer (oder umgekehrt).

Autofahrer erzeugen 20 Cent Kosten pro Kilometer, die derzeit nicht durch Steuern und Abgaben gedeckt sind

Prof. Dr. Gössling hat sich vorliegende Zahlen für Deutschland angeschaut und kommt auf 20 Cent Kosten pro Kilometer, die derzeit nicht durch Steuern und Abgaben der Autofahrer gedeckt sind. "Davon ausgehend, dass ein Auto pro Jahr etwa 20.000 Personenkilometer bewegt wird, bedeutet dies, dass in Deutschland jedes einzelne Auto pro Jahr mit 4.000 Euro von uns allen subventioniert ist", lautet seine Schlussfolgerung.

Fahrrad erwirtschaftet pro gefahrenem Kilometer einen gesamtgesellschaftlichen Nutzen von 30 Cent

Im Vergleich dazu seien 200 Millionen Euro für die Radverkehrsförderung "eine schreiende Ungerechtigkeit", denn das Fahrrad erwirtschaftet pro gefahrenem Kilometer einen gesamtgesellschaftlichen Nutzen von 30 Cent. Laut Gössling werden "Kosten-Nutzen Berechnungen (...) nicht konsequent genutzt, um gesellschaftliche Kosten verschiedener Verkehrsträger zu erheben und zu vergleichen. Dadurch wird das Auto subventioniert, während der gesellschaftlich 'gewinnbringende' Fahrradverkehr nicht adäquat durch Investitionen gefördert wird". Als Konsequenz empfiehlt Gössling, die Investitionen in den Radverkehr deutlich aufzustocken und schlägt vor, das Fahrrad proportional zum Auto zu fördern.

Für den Vergleich herangezogene Parameter und Faktorkosten

  • Klimawandel
  • Subventionen
  • Luftverschmutzung
  • Lärm
  • Infrastruktur (Ausbau)
  • Bestehende Infrastruktur
  • Parken
  • Ökosystemdienstleistungen
  • Boden- und Wasserqualität
  • Ressourcennutzung, Abfälle
  • Betriebskosten
  • Reisezeit
  • Staus und stockender Verkehr
  • Gesundheitseffekte
  • Erhöhte Lebenserwartung
  • Unfälle
  • Wahrgenommene Sicherheit, Unbehagen
  • Lebensqualität, Image, Tourismus

Die Präsentation von Prof. Dr. Gössling kann auf der Webseite von vivavelo heruntergeladen werden.

Meta Infos
Stand der Information
6. Mai 2018
Weitere Informationen
Quelle
VSF-Newsletter / vivavelo.org / Stefan Gössling - Professor Linnaeus Universität / Lund Universität Schweden: "Kostenvergleich Auto-Fahrrad, Deutschland: Berechnungsannahmen", 2018
Land
Deutschland
Handlungsfelder NRVP
Kommunikation
Fahrradthemen
Forschung
Nachhaltigkeit
Veröffentlichungen
Schlagworte
Studie
Verkehrsdatenermittlung
Verkehrsverhalten