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"Direct Vision safety regulations" für Lkw und Busse

Europäische Städte und Regionen fordern nationale Regierungen auf, die Lkw-Sicherheit zu verbessern

Lkw schneidet beim Abbiegen ein fahrradfahrendes Kind
Lkw schneidet beim Abbiegen ein fahrradfahrendes Kind © Deutscher Verkehrssicherheitsrat e. V., Bonn

Europäische Städte und Regionen fordern nationale Regierungen auf, die Lkw-Sicherheit zu verbessern

Eine Gruppe europäischer Städte und Regionen, darunter sechs große Hauptstädte, hat ihre nationalen Regierungen aufgefordert, dafür zu sorgen, dass die laufenden Verhandlungen über die Direct-Vision-Sicherheitsvorschriften für Lkw und Busse ambitioniert genug sind.

"Radfahren und zu Fuß gehen sind wichtige Säulen eines nachhaltigen und gesunden Verkehrs", schreibt die Gruppe in einem Brief und betont die Notwendigkeit, das Leben von Radfahrern und Fußgängern mit der neuen Verordnung zu schützen, die "die Sicherheit im Straßenverkehr, insbesondere für schwächere Verkehrsteilnehmende, erheblich verbessern könnte."

Der Brief wurde von Eurocities und Polis, zwei Organisationen, die Städte auf europäischer Ebene vertreten, im Namen von Berlin, Kopenhagen, Lissabon, London, Malmö, Osnabrück, Paris, der Region Stockholm, Valencia und dem schwedischen Cycling Cities Netzwerk an ihre jeweiligen nationalen Regierungen geschickt.

Die Gruppe weist darauf hin, dass Lkw zwei Prozent der Fahrzeuge im Straßenverkehr ausmachen, aber in etwa 15 Prozent der Verkehrstoten verwickelt sind. Im Jahr 2018 wurden in der EU rund 3.300 Menschen bei Kollisionen mit schweren Nutzfahrzeugen getötet, darunter fast 1.000 Radfahrer*innen, Zu-Fuß-Gehende und Motorradfahrende. Viele dieser Todesfälle resultieren aus sogenannten Tote-Winkel-Unfällen, bei denen der Fahrer den Radfahrer oder Fußgänger nicht sieht. Die heutigen Lkw haben tödliche tote Winkel, und es gibt derzeit keine Normen, die die direkte Sicht von Lkw regeln.

Die direkte Sicht ist das, was die Fahrer*in direkt durch die Fenster ihres Fahrzeugs sehen kann. Dies unterscheidet sich von der indirekten Sicht, die der Fahrer auf einem Monitor oder in einem Spiegel sieht. Es ist erwiesen, dass das "direkte Sehen" die Reaktionsgeschwindigkeit und den Anhalteweg eines Fahrzeugs, das mit 25 km/h fährt, um etwa fünf Meter verlängert. Fünf Meter zusätzlich können den Unterschied zwischen Leben und Tod ausmachen.

Im Jahr 2019 hat die EU die Verordnung (EU) 2019/2144 verabschiedet, die Fahrzeughersteller dazu verpflichtet, mehrere Sicherheitsmaßnahmen in ihre Fahrzeuge einzubauen, darunter auch ein besseres Direktsichtsystem für Lkw. Die Hersteller werden verpflichtet, die direkte Sicht zu verbessern, "indem sie die toten Winkel vor und seitlich des Fahrers so weit wie möglich reduzieren".

Derzeit wird bei der Wirtschaftskommission der Vereinten Nationen für Europa (UNECE) daran gearbeitet, die technischen Richtlinien festzulegen, mit denen der für alle neuen Fahrzeugtypen bis 2026 und für alle Neufahrzeuge bis 2029 geforderte Direct Vision-Standard umgesetzt werden soll.

ECF: Erheblicher Widerstand der Automobilindustrie

Der europäische Radfahrerverband ECF hat zusammen mit anderen NGOs an diesen technischen Arbeitsgruppen teilgenommen und kann bezeugen, dass es erheblichen Widerstand der Automobilindustrie gibt, die versucht, die Spezifikationen auf einige der derzeit auf dem Markt befindlichen Fahrzeuge mit der schlechtesten Lösung zu stützen, die oft auf Fahrzeugdesigns aus den 1980er Jahren basieren.

Da solche Änderungen nur rund alle zehn Jahre vorgenommen werden, würde eine neue Gesetzgebung, die auf den Designs der heutigen leistungsschwächsten Lkw basiert, bedeuten, dass wir bis in die 2030er Jahre oder später immer noch schlechte Sicht haben. Damit würden schwache, wenig ambitionierte Sichtstandards für eine ganze Generation festgeschrieben. Mit all den tödlichen Risiken, die das für Radfahrer und Fußgänger bedeutet.