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Filderstadt

Erster Abschnitt des 80 Kilometer langen, neu ausgeschilderten Filderstädter Radwegenetzes enthüllt

Fahrbahnmarkierungen
© Jörg Thiemann-Linden

Enthüllung der neuen Radwegweisung am 30. Mai in Bernhausen

"Mehr Radverkehr und somit mehr Lebensqualität in Filderstadt ..."
... wünschte sich OB Dr. Bümlein anlässlich der feierlichen Enthüllung der neuen Radwegweisung am 30. Mai an der Kreuzung Tübinger Straße/ Talstraße im Stadtteil Bernhausen. Sechs der insgesamt achtzehn Routen des Wegenetzes mit 200 neuen Wegweisern und ca. 60 Zwischenwegweisern sind somit offiziell eingeweiht.
"Der Fuß tritt erst in die Pedale, wenn der Kopf es will" lautete das Motto der feierlichen Eröffnung des ersten Abschnitts des insgesamt 80 Kilometer langen, neu ausgeschilderten Filderstädter Radwegenetzes. "Wir wollen den Anteil des Radverkehrs am gesamten Verkehrsaufkommen erhöhen und mit der neuen Wegweisung die Voraussetzungen hierfür schaffen." Diesen wesentlichen Beitrag zur Verkehrssicherheit ließe sich die Stadt was kosten: "Bis 2007 stehen für die Beschilderung im städtischen Haushalt ca. 50 000 Euro zur Verfügung", so Bümlein. Die Ausschilderung reicht dann von Gemarkungsgrenze zu Gemarkungsgrenze und bietet zahlreichen Radfahrern eine optimale Orientierung innerhalb des Stadtgebiets.
Die Wegweisung für den Kfz-Verkehr ist für Radfahrer nicht geeignet, da sie häufig auf stark befahrene Hauptstraßen leitet. Wichtige Radfahrverbindungen verlaufen aber oftmals abseits der Hauptverkehrsstraßen in ruhigen Nebenstraßen, durch Wohngebiete oder Grünzonen. "Selbst ortskundige Radfahrer kennen oftmals nicht die sichersten und komfortabelsten Verbindungen. Mit der Radwegweisung ist die Orientierung für Radfahrer auch ohne Kartenmaterial möglich. Einmal aufgeführte Ziele tauchen immer wieder auf, so wie wir uns das als Autofahrer auch wünschen, aber leider nicht immer antreffen...", erklärte Dr. Bümlein. Im Übrigen nutzten zahlreiche Bürger ihr Rad im Alltag heute bereits so wie Andere ihr Auto. "Man sagt, es gäbe in einigen Haushalten bereits mehr Fahrräder als Personen...", so der OB.
Der neue Radverkehr bringe mehr Nahmobilität, Nahversorgung und Naherholung, mehr Bewegungsqualität - auch durch eine gleichberechtigte Partnerschaft aller Verkehrsteilnehmer - letztendlich mehr Gesundheit und Verkehrssicherheit für Alle und einen nicht unerheblicher Gewinn für Wirtschaft, Tourismus und Umwelt mit sich.
Den Anfang der Entwicklung hatte eine Ideensammlung der Bürger und Bürgerinnen sowie des ADFC gemacht, aus der sich ein umfangreicher Abstimmungsprozess mit Vereinen und weiteren Institutionen ergab. Und auch in Zukunft gelte es, "verschiedene Interessensgruppen zusammen zu bringen und mögliche Konflikte so im Vorfeld auszuschließen", erläuterte Jürgen Lenz vom radhaus Filderstadt. Die übergeordnete Zusammenarbeit im Rahmen der "ARGE Rad" aus Vertretern der Stadt Stuttgart, Leinfelden-Echterdingen, Ostfildern, Esslingen, Denkendorf und Filderstadt wird intensiv fortgeführt. Das 2002 konzipierte regionale Radwegenetz wird nun entsprechend der Neuerungen überarbeitet. Um in Filderstadt wiederum Überschneidungen mit der alten Radwegekonzeption zu vermeiden, entfernt die Stadt die alte Beschilderung nun Zug um Zug.
Da Radfahrer sehr viel empfindlicher auf Umwege reagieren als Autofahrer, ist es außerdem naheliegend, dass auch das landwirtschaftliche Wegenetz in Anspruch genommen wird. Der "Alltagsradler" will schnellstmöglich von A nach B gelangen, weshalb lange Umwege und topographisch ungünstige Strecken nicht hinnehmbar sind, wenn das Rad als Alltagsverkehrsmittel verstärkt Akzeptanz finden soll. "Es wird seit geraumer Zeit an dem Thema Radverkehr und Landwirtschaft gearbeitet – mit dem Ziel, das faire Miteinander zu fördern", erklärte hierzu der Erste Bürgermeister Dieter Lentz. Entsprechend ergänzen Fahrtrichtungsanzeiger und Pfeilwegweisung als Markierung auf landwirtschaftlichen Wegen ohne geeigneten Standort für Schilder die Ausschilderung.
Das neue Wegweisungssystem ist sowohl für das Alltags- als auch für das ergänzende Freizeitnetz als zielorientierte Wegweisung konzipiert. Die Art der Beschilderung orientiert sich an den Empfehlungen, die auch bei der vom Land Baden-Württemberg umgesetzten Beschilderung - beispielsweise entlang der Landesstraßen - Anwendung findet. Für Sponsoren stehen auf den Schildern Werbeflächen zur Verfügung. "Hierbei hoffe man auf reges Interesse", sagte Dieter Lentz. Abgerundet würde das Informationssystem durch Pfostenaufkleber mit einer Telefonnummer, unter der Meldungen über bestehende Schäden an der Wegweisung entgegen genommen würden, sowie der Telefonnummer des Scherbentelefons.


Filderstadt: Neue Radwegweisung (Copyright: Stadtplanungs- und Hochbauamt, Filderstadt)


Filderstadt: Neue Radwegweisung (Copyright: Stadtplanungs- und Hochbauamt, Filderstadt)

Ablauf und Methodik des Wegweisungskonzepts: Analyse, Netzentwicklung und Kataster

Entsprechend den Empfehlungen der FGSV (Forschungsgesellschaft für Straßen- und Verkehrswesen) sollte das Wegweisungssystem sowohl für das Alltags- als auch für das ergänzende Freizeitnetz als zielorientierte Wegweisung konzipiert sein.
Im ersten Schritt wurde eine Analyse des bestehenden Wegenetzes durchgeführt. Bewertungskriterien waren die Art der Radverkehrsführung, die KfZ-Belastung, Sicherheitskriterien, der vorhandene Komfort und die topographischen Verhältnisse.
Maßgebend für die Wegweisung war dann zunächst die Auswahl der auszuweisenden Ziele, die ihrer Reichweite nach in drei Hierarchiegruppen eingeteilt wurden. So lagen Nachbarkommunen im Zielbereich eins, während sich Nahziele wie Schul- und Sportzentren innerhalb der einzelnen Stadtteile im Zielbereich drei befanden.
Um Verbindungen mit hohem Radverkehrspotential zu erfassen, wurden Wunschlinien festgelegt – sie verbinden Gebiete mit hoher Einwohnerzahl mit Gebieten hoher Attraktivität. Das Verkehrspotenzial dieser Strecken konnte mittels Gravitationsmodell unter Einbeziehung der Entfernungs- und Topographiewiderstände berechnet werden.
Ein Wegweisungsnetz aus den Wunschlinien des Durchgangsverkehrs - also aus Zielen größerer Reichweite - war Grundlage für den Netzaufbau. Dieses Grundgerüst wurde in weiteren Schritten entsprechend den Wunschlinien des Quell- und Zielverkehrs und des Binnenverkehrs - also entsprechend Zielen kleinerer Reichweite - verdichtet. Dabei waren für jede Route Alternativen zu prüfen, die sich auf Grund von Einzelkriterien, wie beispielsweise eines zu hohen KfZ-Verkehrsaufkommens zum Teil auch durchsetzen konnten.
Radfahrer unterscheiden sich im Hinblick auf körperliche Verfassung und Fahrkompetenz.
Auch Aspekte der objektiven und subjektiven Sicherheit müssen bei der Netzplanung Beachtung finden. So wurden zu Strecken, die beispielsweise bei Dunkelheit den Anforderungen der sozialen Sicherheit nicht genügen, Alternativrouten angeboten.
Die Anbindung der Stadtteilziele an das übergeordnete Wegweisungsnetz erfolgte über sogenannte Zielspinnen – Routen, die eine Anbindung und durchgehende Wegweisung eines Ziels an das übergeordnete Netz aus allen Richtungen sicherstellen. Bei der Erstellung der Ausführungsplanung dienten die Zielspinnen zur Festlegung der Ziel- und Kilometerangabe auf dem einzelnen Wegweiser.
Für die Wegweisungsstandorte wurde gemäß den Empfehlungen der FGSV ein Kataster erstellt, das Lage und Anzahl der Pfosten, die Ausrichtung der Wegweiser, die Inhalte wie Zielangaben und Entfernungen und die Befestigungsart der Beschilderung enthält. Darüber hinaus dient dieses Kataster der Pflege und Entwicklung des Wegweisungssystems, beispielsweise bei der Ergänzung durch weitere Routen.

Das Beschilderungssystem

In Folge der dezentralen Siedlungsstruktur Filderstadts und der damit verbundenen großen Anzahl von Entscheidungspunkten – allein in der ersten Realisierungsstufe 200 Stück – fiel die Wahl des Wegweisertyps generell auf den Pfeilwegweiser. Er ermöglicht es im Regelfall, an einem Knotenpunkt mit nur einem Wegweiserstandort auszukommen. Die Anzahl der Schilder ist gegenüber den Tabellenwegweisern geringer und bietet Vorteile im Falle einer sukzessiven Ausschilderung.
Für die gegenüber den Normmaßen um fünf Zentimeter schmalere Ausführung spricht neben dem geringeren Kostenaufwand auch die geringe Höhe der "Schilderbäume" bei einer größeren Anzahl an Wegweisern. Gleichzeitig wird eine gegenüber dem Regelmaß 10 Zentimeter längere Ausführung eingesetzt, um ein zusätzliches Sponsoring-Feld anbringen zu können.
Fahrtrichtungsanzeiger (Zwischenwegweiser) und Pfeilwegweisung als Markierung auf landwirtschaftlichen Wegen ohne geeigneten Standort für Schilder ergänzen die Ausschilderung.
Die Hauptwegweiser sind als Aluminium-Hohlkastenprofile der Maße 20*110 Zentimeter mit integrierten Einschubschienen für Zusatzinformationstafeln ausgeführt und mit reflektierender Folienbeschichtung versehen.
Das Format der Zwischenwegweiser beträgt 35*35 Zentimeter. Zum Einsatz kommt profilverstärktes Aluminiumblech.
Der Schrifttyp, die Schriftgrößen und das Layout der Beschilderung orientieren sich an den Empfehlungen der FGSV, die auch bei der vom Land Baden-Württemberg umgesetzten Beschilderung - beispielsweise entlang der Landesstraßen - Anwendung finden.
Zusätzlich werden wichtige Ziele über Symbole und Zusatzinformationen veranschaulicht. Zusatzinformationen lassen sich leicht an den Wegweisern anbringen.
Abgerundet wird das Informationssystem durch Pfostenaufkleber mit einer Telefonnummer, unter der Meldungen über bestehende Schäden an der Wegweisung entgegen genommen werden, sowie der Nummer des Scherbentelefons.

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Stand der Information
30. Mai 2005
Quelle

Stadtplanungs- und Hochbauamt, Filderstadt

Land
Baden-Württemberg
Handlungsfelder NRVP
Fahrradthemen