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Elektrofahrrad stößt traditionelles Stadtfahrrad vom Thron

Elektrofahrräder sind die "neue Normalität" in den Niederlanden

Radschnellweg in Breda, Niederlande
Radschnellweg in Breda, Niederlande © Jörg Thiemann-Linden

Niederländische Fahrradbranche bricht neue Rekorde

Sowohl der Verkauf von Neufahrrädern als auch der Umsatz der Branche stiegen 2018 auf Rekordniveau. Insgesamt verkaufte die Branche erstmals seit 2014 wieder mehr als 1 Million Fahrräder (+6 Prozent) und erzielte einen Gesamtumsatz von 1,22 Milliarden Euro (+25 Prozent).

Wouter Jager, Vorsitzender der Abteilung Fahrrad des niederländischen Industrieverbandes RAI (Rijwiel & Automobiel Industrie), stellte bei der Präsentation der Zahlen Mitte März 2019 fest, dass alle Signale für Fahrräder im vergangenen Jahr grün waren. Das schöne Sommerwetter beflügelte den Absatz, ältere Menschen radeln immer öfter und immer längere Strecken, das Kaufpublikum von E-Bikes verjüngt sich, das Wirtschaftsklima in den Niederlanden ist gut und das steigende Umweltbewusstsein beflügelt die Fahrradnutzung.

40 Prozent mehr E-Bikes/Pedelecs

Insbesondere die anhaltendende Beliebtheit von Elektrofahrrädern gab der Branche einen starken Schub. Im vergangenen Jahr kauften die niederländischen Verbraucherinnen und Verbraucher 409.400 Elektrofahrräder, 40 Prozent mehr als 2017. Auch der Umsatz aus dem Verkauf von E-Bikes stieg um 40 Prozent auf 823 Millionen Euro. Damit machte das Elektrofahrrad mehr als zwei Drittel des Gesamtumsatzes der Branche im Jahr 2018 aus.

Gleichzeitig führte die Popularität des E-Bikes dazu, dass der durchschnittliche Anschaffungspreis für ein neues Fahrrad (alle Fahrradtypen) im Jahr 2018 um 18 Prozent auf 1.207 Euro stieg. Zum Vergleich: Im Jahr 2011 waren es noch 734 Euro.

Die "neue Normalität"

Die "RAI Vereniging" stellt fest, dass das elektrische Fahrradfahren allmählich zur "neuen Normalität" wird. Damit hat das E-Bike das traditionelle Citybike vom Thron genommen. Während vier von zehn neuen Fahrrädern (40 Prozent) elektrisch angetrieben werden, sank der Marktanteil des City-Bikes auf 34 Prozent (von 42 Prozent im Jahr 2017).

Besonders positiv äußerte sich Jager über die Zukunft des Fahrrads. Er betonte, dass 60 Prozent der niederländischen Erwerbsbevölkerung weniger als 15 Kilometer von der Arbeit entfernt lebe. Pedelecs und Speed-Pedelecs seien auf diesen Relationen eine ausgezeichnete Mobilitäts-Alternative.

Goldene Zeiten

Untersuchungen von TNO zeigen, dass Besitzer eines neuen Fahrrades durchschnittlich rund 10 Prozent mehr dienstliche Kilometer und 27 Prozent mehr Privatkilometer zurücklegen. Mit der Vereinfachung der steuerlichen Regelungen für die gewerbliche Nutzung von Fahrrädern erwartet der RAI-Verband, dass auch der gewerbliche Kauf eines Fahrrades auf rund 150.000 zusätzliche Fahrräder pro Jahr ansteigen werde. Voraussetzung dafür sei, dass Dörfer und Städte mit dem Fahrrad gut erreichbar seien.

Provinzen

Die Branchenorganisation fordert daher die Provinzregierungen auf, in ihren Plänen für Investitionen in die Fahrradinfrastruktur Platz zu sorgen. Laut dem RAI-Vorsitzenden Steven van Eijck stehe fest, dass mit dem bevorstehenden Klimaabkommen und der Einführung des "Deltaplan Mobiliteit" der "Mobiliteitsalliantie" goldene Zeiten für den Radverkehr bevorstünden.