Sie sind hier

Kolloquium "Besser geschützt auf dem Sattel"

DVR fordert mehr Sicherheit für Radfahrende

Radfahrer bei einer Critical Mass
© Doris Reichel

DVR fordert mehr Sicherheit für Radfahrerinnen und Radfahrer

Die Zahl der Radfahrenden, die jedes Jahr im Straßenverkehr ums Leben kommen, ist seit 2010 kaum gesunken. Deshalb fordert der Deutsche Verkehrssicherheitsrat (DVR) in einem umfassenden Beschluss die Sicherheit der Radfahrenden zu erhöhen. DVR-Präsident Dr. Walter Eichendorf: "Die Bundesregierung möchte Mobilität ermöglichen. Das setzt voraus, dass man ohne große Gefährdung Fahrrad fahren kann."

Dr. Eichendorf forderte die Bundesregierung auf, sich auf europäischer Ebene weiterhin intensiv für die schnellstmögliche verpflichtende Ausrüstung von Lkw mit Abbiegeassistenten und für Notbremsassistenten in allen Kraftfahrzeugen stark zu machen. Dies könne aber nur ein erster Schritt sein. "Ein ganzes Bündel von Maßnahmen muss auf die Agenda nachhaltiger Verkehrspolitik", stellte der DVR-Präsident fest. Hier seien der Bund, aber vor allem auch die Länder und Kommunen gefragt.

Verständliche Spurführung und bessere Sichtbeziehung an Kreuzungen

Insbesondere an Kreuzungen, Einmündungen und Zufahrten muss für alle, die am Verkehr teilnehmen, klar erkennbar und begreifbar sein, wo Fahrräder fahren können. Wer Rad fährt, muss gesehen werden, insbesondere von denen, die mit Lkw oder Pkw unterwegs sind. Parkende Fahrzeuge dürfen diesen Blickkontakt keinesfalls stören. Auch die Anordnung einer zulässigen Höchstgeschwindigkeit von 30 km/h könne im Einzelfall das richtige Mittel sein, um die Sicherheit von Radfahrerinnen und Radfahrern zu gewährleisten.

Bessere Verkehrsüberwachung durch Fahrradstaffeln

Beides erfordere eine bessere Überwachung des Straßenverkehrs, so Dr. Eichendorf weiter. Als ein Beispiel für eine Verkehrsüberwachung mit hoher Akzeptanz in der Bevölkerung nannte der Präsident die Fahrradstaffel der Berliner Polizei. Sie sei das ganze Jahr über im Straßenverkehr präsent und befasse sich ausschließlich mit Verkehrsdelikten. Der DVR - Präsident ermunterte die Polizeibehörden, vermehrt Fahrradstaffeln aufzubauen.

Kolloquium "Besser geschützt auf dem Sattel"

Gemeinsam mit Radverkehrsexperten diskutierte der DVR am 6.12.2018 bei seinem Kolloquium "Besser geschützt auf dem Sattel" (Bericht) weitere konkrete Maßnahmen, die Radfahren sicherer machen können:
 

Forderungskatalog aus dem "Beschluss vom 06. November 2018 auf der Basis der Empfehlung des Vorstandsausschusses Verkehrstechnik unter Mitwirkung der Vorstandsausschüsse Fahrzeugtechnik, Erwachsene, Kinder und Jugendliche sowie Junge Kraftfahrer - Deutscher Verkehrssicherheitsrat e.V. - 2018"

  • Bund, Länder und Kommunen werden aufgefordert, die ERA für Straßen in ihrer Baulast einzuführen und die darin enthaltenen Maßnahmen und Regelbreiten beim Neu-, Aus- und Umbau zu berücksichtigen.
  • Bei der aktuellen Überarbeitung der ERA ist die steigende Anzahl von Pedelecs und mehrspurigen Fahrrädern (auch große Lastenräder) hinsichtlich Trassierung und Bemessung zu berücksichtigen. Auf die heutigen Mindestmaße ist zu Gunsten der Regelmaße zu verzichten.
  • Kommunen, Länder und der Bund sollten in ihrer jeweiligen Zuständigkeit zusammenhängende sichere Radverkehrsnetze planen und herstellen.
  • Die zuständigen Behörden sollten bei regelmäßigen Verkehrsschauen und der Unfallkommissionsarbeit gezielt Sicherheitsprobleme für den Radverkehr beseitigen. Zusätzlich sollte die Auditierung der bestehenden Infrastruktur (Bestandsaudit) gemäß Richtlinie für das Sicherheitsaudit an Straßen (RSAS) angewandt werden. Auch nicht benutzungspflichtige Radwege müssen dem Standard entsprechen.
  • Innerorts müssen insbesondere an Kreuzungen, Einmündungen und Zufahrten einfach begreifbare und für alle Verkehrsteilnehmende klar erkennbare Radverkehrsführungen im Sichtfeld des Kraftfahrzeugverkehrs realisiert werden. Die erforderlichen Sichtdreiecke sind herzustellen und von ruhendem Kfz-Verkehr freizuhalten.
  • Eine Trennung der abbiegenden Kraftfahrzeuge vom geradeaus fahrenden Radverkehr kann an unfallbelasteten Kreuzungen und Einmündungen Konflikte minimieren.
  • Die StVO muss hinsichtlich der Sicherheitsbelange des Radverkehrs überarbeitet werden.
  • Die Ordnungsbehörden werden aufgefordert, verstärkt Verstöße von und gegenüber Rad Fahrenden zu kontrollieren und zu ahnden. Hierzu zählt auch die Kontrolle der Verkehrssicherheit der Fahrräder.
  • Die Polizeibehörden werden aufgefordert, vermehrt Fahrradstaffeln einzurichten und einzusetzen; so sollte mindestens in jeder größeren Stadt eine Fahrradstaffel eingerichtet werden.
  • Die Straßenverkehrsbehörden werden aufgefordert, die durch Missachtung der Verkehrsregeln auffälligen Verkehrsteilnehmenden wieder verstärkt gemäß § 48 StVO zum Verkehrsunterricht vorzuladen. Die Länder sind aufgefordert, die Rahmenbedingungen dafür zu schaffen.
  • Die Kultusministerien der Länder werden aufgefordert, die Umsetzung der KMK-Empfehlung, insbesondere die Umsetzung der Mobilitätserziehung, die Durchführung der Radfahrprüfung sowie die Erarbeitung von Radschulwegplänen zu überwachen und sicher zu stellen.
  • Fahrschülerinnen und Fahrschüler sollten in der Fahrausbildung stärker für eine Fürsorgepflicht gegenüber ungeschützten Verkehrsteilnehmenden sensibilisiert und bei einem Perspektivwechsel zur Reflektion des eigenen Fahrverhaltens als Rad Fahrende unterstützt werden.
  • Bund, Länder und Kommunen sollten verstärkt den Ausbau von Radfahrtrainings für Erwachsene und Trainings für Pedelec Nutzende fördern.
  • Bund, Länder und Kommunen sollten umfassende Aufklärungs-Kampagnen zur Vermeidung von Radverkehrsunfällen konzipieren und durchführen (z. B. grundsätzlich zur richtigen Nutzung von Radverkehrsanlagen, zu holländischem Griff9 zur Sicherstellung des Schulterblicks, Abbiegen, Zebrastreifen, Abstand, Alkohol etc.). Zur Aufklärung gehört auch die Förderung des Bewusstseins der Schutzwirkung eines Fahrradhelms sowie von heller bzw. reflektierender Kleidung.
  • Die weiter zunehmende Zahl schwerer Kopfverletzungen bei Rad Fahrenden ist Anlass, die Diskussion über die Einführung einer Helmtragepflicht für Rad Fahrende zu führen. Hierzu sind bestehende Fakten nachhaltiger auszuwerten und neue Fakten zu erheben, die sachorientiertere Argumente in dieser Diskussion liefern.
  • Die Bundesregierung bleibt aufgefordert, sich auf europäischer Ebene für die verpflichtende Ausrüstung von in Fahrbetrieb nicht dauerhaft ausschaltbaren Abbiegeassistenten für Lkw und für Notbremsassistenten in allen Kraftfahrzeugen einzusetzen.
  • Die Fahrzeughersteller werden aufgefordert, konsequent an der Weiterentwicklung passiver und aktiver Sicherheitssysteme zur Vermeidung von Unfällen mit Rad Fahrenden und zur Verminderung der Verletzungsschwere zu arbeiten und diese für die gesamte Fahrzeugflotte serienmäßig zu verbauen.
Meta Infos
Stand der Information
6. Dezember 2018
Weitere Informationen
Quelle
Deutscher Verkehrssicherheitsrat (DVR)
Land
Deutschland
Handlungsfelder NRVP
Kommunikation
Verkehrssicherheit
Fahrradthemen
Gesundheit
Veranstaltungen
Verkehrssicherheit
Schlagworte
Empfehlungen für Radverkehrsanlagen
Erfahrungsaustausch
Fahrradsicherheit