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Darmstädter Aktion "Ich-kauf-per-Rad" endet mit zwei Gewinnern

Mit dem Fahrrad zum Einkaufen
© Cycling Embassy of Denmark

Das fahrradfreundlichste Geschäft Darmstadts gibt es gleich im Doppelpack. Die Alnatura-Filiale in der Grafenstraße und Kirche & Co. in der mittleren Rheinstraße teilen sich die Auszeichnung, die den diesjährigen Abschluss der gemeinsamen Kampagne "Ich-kauf-per-Rad" von ADFC, BUND, GRÜNEN und IVDA markiert. "Beiden Geschäften ist die Fahrradfreundlichkeit ein echtes Anliegen und das ist auch für die Kundinnen und Kunden erlebbar. Sie sind damit Vorreiter die zeigen, wie man Radfahrer ernst nimmt." freuen sich Thomas Grän (ADFC), Georg Mehlhart (BUND), Felix Weidner (GRÜNE) und Stefan Opitz (IVDA).

Grundlage für die Entscheidung waren die Bewertungen von über 150 Geschäften, die die Teilnehmer an Ich-kauf-per-Rad auf der Internetseite zur Aktion in den vergangenen zwei Monaten abgegeben hatten. Aus den am besten bewerteten Geschäften fällte eine Jury nun die Entscheidung über die Gewinner. "Die Möglichkeit das Fahrrad sicher und nah am Geschäft zu parken ist die absolute Mindestanforderung und hat bei der Auswahl eine entscheidende Rolle gespielt." erläutert Weidner: "Auch Aspekte wie die Möglichkeit einen Fahrradanhänger sicher zu parken, Gepäck aufzubewahren oder geliefert zu bekommen und weitere Serviceleistungen für Radfahrer wurden in die Beurteilung aufgenommen."

"Schon allein aufgrund der mangelhaften Abstellsituation haben sich viele Geschäfte bereits sehr früh aus dem Rennen verabschiedet. Ergänzende Angebote für radfahrende Kundinnen und Kunden darüber hinaus gibt es kaum.", fasst Grän die Ergebnisse der Aktion zusammen: "Prima Angebote wie ein Lieferservice per Fahrradkurier, den verschiedene Apotheken anbieten, oder ein 'Drive-In-Fenster' für Fahrradfahrer bei einer Bäckerei in der Grafenstraße sind die absolute Ausnahme und/oder ihre Existenz wird nicht und nur sehr zurückhaltend kommuniziert."

Besonders schlecht bewertet wurden in Bezug auf Abstellmöglichkeiten die meisten Supermarktfilialen. "Hier zeigt Alnatura eindrucksvoll, wie man sich auch als Einzelhandelskette vorbildlich um radfahrende Kundschaft kümmert." lobt Opitz: "An beiden Filialen in Darmstadt hat Alnatura auch ohne eigene Flächen dafür gesorgt, dass gute Abstellmöglichkeiten geschaffen wurden – auf eigene Kosten und mit Genehmigung der Stadt im öffentlichen Straßenraum." Hierfür sei teilweise auf ein bis zwei Autostellplätze vor dem Geschäft verzichtet worden. "Wenn die anderen Supermärkte sich hiervon eine Scheibe abschneiden würden, wäre schon viel gewonnen." bilanziert Opitz.

Auch bei Kirche & Co. waren die Abstellmöglichkeiten ausschlaggebend für die Entscheidung. "Hier wurde schon beim Bau des Gebäudes viel Wert auf die Berücksichtigung ausreichender Fahrradabstellplätze gelegt. Direkt vor der Tür gibt es zudem ausreichend Platz, sein Fahrrad auch mit auch Anhänger kurzzeitig sogar überdacht und in Sichtweite abzustellen." erläutert Mehlhart.

Auch bei den beiden fahrradfreundlichsten Geschäften gebe es aber noch Verbesserungspotenzial, sind sich die Organisatoren einig. "Bei der ausgezeichneten Alnatura-Filiale fehlt insbesondere ein Lieferservice und dass es für Autofahrer eine Parkkostenerstattung aber für alle anderen Kunden kein vergleichbares Angebot gibt, ist nicht nachvollziehbar und wurde bei den Bewertungen mehrfach kritisiert. Denn letztendlich finanzieren die anderen Kunden den Autofahrern dabei ihr Parkticket." erklärt Weidner. "Aber wir haben die Hoffnung, dass die Auszeichnung auch ein Ansporn für die Gewinner wie für alle anderen Geschäfte ist, in dieser Richtung weiter zu arbeiten. Zumal wir die Auszeichnung des fahrradfreundlichsten Geschäftes Darmstadts in Zukunft jährlich vergeben wollen." kündigt Weidner an.

Die Auszeichnung der beiden Geschäfte mit einer Plakette für den Eingangsbereich und einer Urkunde erfolgte im Rahmen der Umweltbörse am 21. August auf dem Darmstädter Luisenplatz. Dort wurden auch die Gewinner der Verlosung bekannt gegeben, bei der die Teilnehmer von Ich-kauf-per-Rad neben einem Fahrrad der Darmstädter Fahrradmanufaktur 'riese + müller' auch einen Fahrradanhänger, Fahrradtaschen, Schlösser oder Monatskarten für die Fahrradstation am Hauptbahnhof gewinnen konnten. "Wir sind glücklich, dass wir dank der Hilfe der Sponsoren auf diesem Weg zum Abschluss noch etwas an die Teilnehmer zurückgeben konnten." freut sich Opitz. Rund 70 Teilnehmer hatten sich für das Gewinnspiel angemeldet. "Etwa die gleiche Zahl haben ohne Gewinnspielteilnahme oder anonym teilgenommen." schätzt Opitz.

Die Erwartungen der Organisatoren seien damit erfüllt worden, die Ziele der Kampagne vorerst erreicht. "In einer fahrradfreundlichen Stadt bedarf es mehr als nur gute Wege für Radfahrer zu schaffen." stellt Grän fest: "Für die speziellen Bedürfnisse radfahrender Kundinnen und Kunden tragen Einzelhandel und Stadt gleichermaßen Verantwortung – in der Innenstadt ebenso wie in den Stadtteilen und bei den Nahversorgern. Unser Ziel, den Einzelhandel ebenso wie die Öffentlichkeit hierfür zu sensibilisieren, haben wir erreicht."

Das Konzept, die radfahrenden Kundinnen und Kunden zu ihrem eigenen Sprachrohr zu machen, sei dabei voll aufgegangen, die Reaktionen von Radfahrern und Händlern sehr positiv gewesen. "Bei unseren zahlreichen Gesprächen mit Einzelhändlern haben wir immer festgestellt, dass die jeweils abgegebenen Lob- und Kritikkarten dort nicht nur zu Kenntnis genommen wurden, sondern auch als wichtiges Feedback angekommen sind." stellt Weidner fest. Dabei auf Kooperation anstelle auf Konfrontation zu setzen, habe sich bewährt. "Wir wurden von diversen Einzelhändlern direkt angesprochen, wie sie die Situation für Radfahrer an ihrem Geschäft verbessern können. Als erstes Ergebnis gibt es demnächst einen gemeinsamen Ortstermin mit Vertretern der Stadt und Geschäften in der Elisabethenstraße, um zu schauen, wie dort die Abstellsituation für Fahrräder verbessert werden kann." berichtet Weidner.

Der Ortstermin sei dabei nur eines von mehreren Elementen, wie die Organisatoren das Thema präsent halten wollen. "Wir werden allen Einzelhändlern in den kommenden Wochen die im Internet abgegebenen Bewertungen Ihrer Geschäft auch auf dem Postweg gemeinsam mit unserer für die Händler entwickelten Information 'Einkaufen mit dem Fahrrad' sowie ein persönliches Feedback zur Situation am Geschäft und zu Verbesserungsmöglichkeiten zukommen lassen." erklärt Mehlhart. Auch an den großen Einzelhandelsketten seien die Organisatoren weiter dran: "Dank unserem friedlichen und konstruktiven Flashmob beim REWE in der Liebfrauenstraße gibt es wieder einen Gesprächsfaden. Da sind zwar noch keine greifbaren Ergebnisse, aber wir sind im Dialog – und das ist schon mehr, als wir von den meisten Supermarktketten berichten können. Es bleibt also noch eine Menge zu tun – wobei wir zusätzliche Mitstreiter gern willkommen heißen." so Mehlhart abschließend.

Download (pdf) der Originalpressemitteilung.

Bilder von der Preisverleihung: http://blog.ich-kauf-per-rad.de/tag/abschlussveranstaltung

Weitere Informationen:

Meta Infos
Stand der Information
22. August 2010
Quelle

Felix Weidner / www.ich-kauf-per-rad.de / http://material.ikpr.de/pressemitteilungen/10-08-19_PE_Umweltboerse_Abschluss.pdf

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