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Mikro-Hubs, elektrifizierte Lastenfahrräder und On-demand-Dienste

Bremen koordiniert europäisches Forschungs- und Demonstrationsprojekt zu urbaner Logistik

Das Bremer ULaaDS Team (v.l.n.r): Michael Glotz-Richter, Beate Lange, Karsten Hülsemann, Dr. Thomas Nobel, Bonnie Fenton, Sven Eckert und Dr. Kristian Schopka
Das Bremer ULaaDS Team (v.l.n.r): Michael Glotz-Richter, Beate Lange, Karsten Hülsemann, Dr. Thomas Nobel, Bonnie Fenton, Sven Eckert und Dr. Kristian Schopka © SKUMS

Neue Lösungen für städtischen Warenverkehr

Bremen koordiniert europäisches Forschungs- und Demonstrationsprojekt zu urbaner Logistik / Mikro-Hubs, elektrifizierte Lastenfahrräder und On-demand-Dienste in Erprobung

Der enorm zunehmende Zustellverkehr führt zu wachsenden Problemen im Verkehrsbereich und auch zu steigenden Kosten bei den Zustelldiensten. "Urban Logistics as an on-Demand Service" - oder kurz ULaaDS - analysiert und entwickelt neue Konzepte zum Warenverkehr in Städten. Neben Bremen ist auch das niederländische Groningen Projektpartner. Die Stadt Groningen ist Vorbild für das Konzept der autofreien Innenstadt.

 

ULaaDS ist ein neues Forschungs- und Demonstrationsprojekt im europäischen Forschungsprogramm "Horizon 2020", das unter Leitung der Senatorin für Klimaschutz, Umwelt, Mobilität, Stadtentwicklung und Wohnungsbau in Bremen mit 23 weiteren europäischen Projektpartnern erfolgreich akquiriert werden konnte. Zum Kick-Off-Treffen, das am 8. und 9. September 2020 Corona-bedingt im Internet stattfindet, betont Senatorin Dr. Maike Schaefer die Bedeutung neuer Lösungen für den städtischen Güterverkehr: "Egal, ob wir uns mit der autofreien Innenstadt oder der Lösung von Verkehrsproblemen in den Nachbarschaften befassen – überall müssen wir neue Konzepte für den Warenverkehr entwickeln. Daher bin ich sehr gespannt auf die Ergebnisse, die uns ULaaDS in den drei Jahren Projektlaufzeit liefern wird."

"Urbane Logistik ist in allen Städten weltweit ein Thema", sagt Dr. Kristian Schopka, Projektmanager beim Projektpartner Rytle in Bremen. Hier wird ein komplettes Logistiksystem mit Lastenrad, Mikro-Hub und einer passenden Software-Lösung für die Zustellung entwickelt und vertrieben. "Wir sind in New York, Miami oder Montreal damit ebenso im Einsatz wie in Köln oder Bremen."

Die Konkurrenz um die Fördertöpfe ist extrem hart gewesen. Aus 37 Anträgen wurden nur drei Projekte zur Förderung akzeptiert. Das Weißbuch der EU-Kommission zum Verkehr betont das Ziel, bis 2030 in Stadtzentren eine weitgehend CO2-freie Logistik zu erzielen. "Durch die Corona-Situation kaufen die Menschen deutlich mehr im Internet ein, was zu einer Warenzustellung führt, wie wir sie eigentlich nur aus der Vorweihnachtszeit kennen", weiß Dr. Thomas Nobel, Geschäftsführer beim Bremer Forschungspartner tbnlr (to-be-now-logistics-research) und als Geschäftsführer der Deutschen GVZ-Gesellschaft ein Bindeglied des Projektes in die Bremer Logistikwirtschaft.

Die Demonstrationsstädte des ULaaDS-Projektes sind Bremen, Groningen und die belgische Stadt Mechelen – jeweils Stadtverwaltung gemeinsam mit Logistikern und Forschungspartnern. Das Projekt ist für Europa auch deshalb interessant, weil alle drei Städte besonders fahrradfreundlich sind und deshalb das Potenzial von Lastenrad-Zustellung besonders gut demonstrieren können. Auch in Bremen sollen weitere Umladepunkte (Mikro-Hubs) entstehen, wo Rollcontainer oder Paletten die beispielsweise im Güterverkehrszentrum (GVZ) vorkonfektioniert werden, vom LKW über das Mikro-Hub auf die elektrischen Lastenräder umgeladen werden. "Das funktioniert genauso mit Abholungen auf dem Rückweg", weiß Dr. Kristian Schopka.

"Die pulsierende und attraktive Innenstadt von Groningen ist ein interessantes Vorbild für Bremen", stellt Mobilitätssenatorin Maike Schaefer fest. Ab 2022 ist die Groninger Innenstadt autofrei, nur der Güterverkehr darf noch motorisiert am Morgen einfahren. Ab 2025 müssen dann alle diese Fahrzeuge in der Innenstadt emissionsfrei unterwegs sein. Zulieferung, Müllfahrzeuge ebenso wie Event-Verkehr: alles muss elektrisch oder per Fahrrad sein.

"Warenverkehr findet nicht nur im LKW sondern auch oft in privaten PKW statt", weiß Bonnie Fenton, Landesvorsitzende des ADFC in Bremen. "Deshalb wollen wir das Fietje Lastenrad Sharing im Rahmen von ULaaDS ausbauen. Dann kann man mit dem Lastenrad zum Großeinkauf, zum Bau- oder Getränkemarkt fahren – das spart Autofahrten und entlastet unsere Straßen".

Im ULaaDS Projekt erfolgt eine Analyse des bestehenden und zukünftigen innerstädtischen Güterverkehrs. Eine Rolle spielt hierbei auch die "on-demand"-Logistik, die Lieferung von Gütern auf (oft kurzfristigen) Abruf, wo ViaVan eine Kombination von flexiblen Fahrgast- und Warentransporten erproben will.

Das ULaaDS-Konsortium besteht aus insgesamt 24 europäischen Partnern:

  • Bremen, Groningen und Mechelen als Demonstrationsstädte– sowie Rom, Bergen (NO), Edinburgh und Alba Iulia (RO) als Beobachter
  • Industrie- und Logistikpartner: UPS, Belgische Post, Rytle, Dropper, ViaVan, ECOkoriers Mechelen, OV Bureau Groningen & Drenthe, der Landesverband Bremen des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) sowie die spanischen Beratungs-Dienstleister Bax & Company sowie Miebach Consulting.
  • Forschungseinrichtungen: Fraunhofer IML Dortmund, der Forschungsgesellschaft Mobilität in Österreich (FGM), das norwegische Institut für Transportwirtschaft (TØI), die Reichsuniversität Groningen und in Bremen tblnr (to-be-now-logistics-research-gmbh)
  • Verbände /Netzwerke als Multiplikatoren: das europäische Städtenetzwerk Eurocities und der flämische Logistikverband VIL

Die Laufzeit des ULaaDS-Projektes beträgt 36 Monate, der Start war am 1. September 2020. Die EU fördert das Projekt (Förderquote 100 Prozent) mit 3,15 Millionen Euro. Die vier Bremer Partner insgesamt profitieren mit insgesamt 684.000 Euro, davon entfallen 375.150 Euro auf das Ressort der Senatorin für Klimaschutz, Umwelt, Mobilität, Stadtentwicklung und Wohnungsbau der Freien Hansestadt Bremen, das verantwortlich ist für die europäische Gesamtkoordination des Projektes. Im Rahmen von ULaaDS sind auch mehrere Fachworkshops und Konferenzen vorgesehen – auch in Bremen.