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Radverkehr in der Stadt-Umland-Beziehung

Bericht von der Fahrradkommunalkonferenz 2018 in Osnabrück

Teilnehmende an der Fahrradkommunalkonferenz 2018 in Osnabrück
Teilnehmende an der Fahrradkommunalkonferenz 2018 in Osnabrück © Doris Reichel

12. Fahrradkommunalkonferenz 2018 - Deutschlands Radverkehrsexpertinnen und -experten tagen in Osnabrück

Die 12. Fahrradkommunalkonferenz, die am 19. und 20. November 2018 in Osnabrück stattfand, stand unter dem Motto "Radverkehr in der Stadt-Umland-Beziehung". Rund 300 Fachleute aus kommunalen Verwaltungen, Landkreisen, Regionen und Landesbehörden trafen sich zu diesem bundesweiten Forum der Radverkehrsverantwortlichen. Die Fahrradkommunalkonferenz wird jährlich vom Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) und dem Deutschen Institut für Urbanistik (Difu) in Zusammenarbeit mit den kommunalen Spitzenverbänden durchgeführt. Gastgeber 2018 waren die Stadt Osnabrück, der Landkreis Osnabrück und das Land Niedersachsen.

Am 19.11.2018 trafen sich die Teilnehmenden nach mehreren Fahrradexkursionen beim Abendempfang, der von Christian Hochfeld (Geschäftsführer Agora Verkehrswende) moderiert wurde. Die Grußworte wurden von Wolfgang Griesert (Oberbürgermeister der Stadt Osnabrück), Karola Lambeck (Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur, Radverkehrsbeauftragte) und Dr. Berend Lindner (Staatssekretär im Niedersächsischen Ministerium für Wirtschaft, Arbeit, Verkehr und Digitalisierung) gehalten. Inhalte der Reden waren der Stellenwert des Fahrradverkehrs in der Gesellschaft, Innovationen im Radverkehr und die Vorausssetzungen für deren Umsetzung. Der deutschlandweite Radverkehrsanteil am Gesamtverkehr, der zurzeit bei 11 Prozent liegt, sei ausbaufähig, eine Verkehrsverlagerung auf das Rad könne aber nur gelingen, wenn die Rahmenbedingungen stimmten. Grundlage für ein Vorankommen bei diesem komplexen Thema ist natürlich die Finanzierung und gerade hier, so die Grußwortgebenden, gebe es zahlreiche Beispiele für einen Anstieg der Investitionen und viele interessante Förderprogramme. Zu nennen wären hier die Töpfe für die Förderung von Radschnellverbindungen durch die Bundesebene oder Radwegeausbauprogramme der Bundesländer.

In seinem Impulsvortrag "Wieso fahren Leute mit dem Auto zum Fitnessstudio, um dort Fahrrad zu fahren?" sprach sich Lars Kempin (Agentur Blood Actvertising) unter anderem für spielerische Anreize und Bonusmodelle aus, um mehr Menschen im Alltag auf das Fahrrad zu bekommen. Im anschließenden Impulsvortrag "Stadt-Umland-Verkehr – Anforderungen und Innovationspotenzial" sprach Prof. Dr. Klaus J. Beckmann (KJB.Kom - Kommunalforschung) von der Kooperation, die auf allen föderalen Ebenen notwendig sei, aber auch von der Notwendigkeit der Setzung qualitativer und quantitativer Ziele, unter anderem in Form einer Anpassung des Ordnungsrahmens.

Im Anschluss folgte eine Podiumsdiskussion, bei der sich Prof. Dr. Klaus J. Beckmann (KJB.Kom – Kommunalforschung), Lars Kempin (Agentur Blood Actvertising), Frank Otte (Stadt Osnabrück, Stadtbaurat), Anke Schweda (Industrie- und Handelskammer Osnabrück - Emsland - Grafschaft Bentheim), Dr. Christoph Wilk (Niedersächsisches Ministerium für Wirtschaft, Arbeit, Verkehr und Digitalisierung) und Dr. Winfried Wilkens (Landkreis Osnabrück, Kreisrat) austauschten. Dabei ging es unter anderem um die Themen Flächengerechtigkeit, vitale Innenstädte, die zukünftige Erreichbarkeit von Zentren im ländlichen Raum, mögliche Finanzierungsmöglichkeiten und nachhaltige Logistikkonzepte.

Der Konferenztag am 20.11.2018 wurde durch ein Grußwort im Namen der "Bundesvereinigung der kommunalen Spitzenverbände" von Landrat Dr. Olaf Gericke (Kreis Warendorf, Deutscher Landkreistag) eingeleitet. Landrat Gericke lagen sichere Stellplätze und Haltestellen, gute Mitnahmemöglichkeiten in öffentlichen Verkehrsmitteln, Radschnellwege und das Engagement der Bundesländer besonders am Herzen.

Frank Otte und Dr. Winfried Wilkens aus der Gastgeberstadt bzw. der Region Osnabrück berichteten in ihrem Vortrag von den Problemen mit großen Pendlerströmen vom Umland ins Oberzentrum, den hohen Radververkehrsanteilen um die 20 Prozent und den damit verbundenen infrastrukturellen Herausforderungen, die jedoch zunehmend besser in der Region abgestimmt und angepackt würden. Gemeinsame Nahverkehrspläne und eine gemeinsame Planungsgesellschaft erleichtern die mittlerweile gute Zusammenarbeit der betroffenen Akteure.

In den anschließenden Arbeitsgemeinschaften fanden sich vier Gruppen zu folgenden Themen zusammen: "Den Autofahrer auf’s Rad bringen – aber wie?", "Intermodalität stärken - Rad und Öffentlicher Verkehr als Partner", "Radwege in die Stadt – Qualitätsstandards und Erhalt" und "Radfahren außerhalb der Großstädte zur Normalität machen".

Die Nachmittagsrunde startete mit einer tollen Themenjonglage von Rudolf Bergen (DVR) zum Thema Fahrradmobilität.

Julia Marusczyk (Stadt Erfurt) und Falko Stolp (VCD Erfurt) berichteten unter dem Motto "Europäische Mobilitätswoche 2018 - Erfurt zeigt, wie es geht, fährt oder rollt" die Umsetzung der europäischen Mobilitätswoche in der thüringischen Landeshauptstadt. Claudia Kiso (Umweltbundesamt) erläuterte dem Auditorium die Gesamtidee der Mobilitätswoche in Europa und Deutschland.

Prof. Dr.-Ing. Ulrike Reutter (Bergische Universität Wuppertal) und Tilman Bracher (Deutsches Institut für Urbanistik) zogen anschließend ein Resümee der 12. Fahrradkommunalkonferenz.

Danach erfolgte die Staffelübergabe an die Gastgeberin der Fahrradkommunalkonferenz 2019, die Lutherstadt Wittenberg in Sachsen-Anhalt. Dort soll die 13. Kommunalkonferenz wichtige Impulse für die "Radverkehrsförderung in der Region" geben.