Sie sind hier

Unfallforschung der Versicherer

Verbesserung der Verkehrssicherheit in Münster

UDV-Unfallforschung kompakt "Verbesserung der Verkehrssicherheit in Münster"
UDV-Unfallforschung kompakt "Verbesserung der Verkehrssicherheit in Münster" © Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft e. V. (GDV) / Unfallforschung der Versicherer (UDV)

Die Unfallforschung der Versicherer (UDV) hat vor einigen Jahren in einem Pilotprojekt am Beispiel der Stadt Münster umfangreiche Empfehlungen zur Verbesserung der Verkehrssicherheit erarbeitet, die auch auf andere Kommunen übertragbar sind und die Ergebnisse 2008 in dem Bericht "Verbesserung der Verkehrssicherheit in Münster" veröffentlicht. Die erarbeiteten Empfehlungen wurden in das "Verkehrssicherheitsprogramm Münster 2009 – 2013" übernommen. Die empfohlenen und/oder andere Maßnahmen werden seitdem von der Stadt Münster sukzessive umgesetzt. In einer umfassenden Evaluation (Folgestudie) durch das Büro für Stadt- und Verkehrsplanung Dr.-Ing. Reinhold Baier GmbH wurde nun überprüft, ob und in welchem Umfang die umgesetzten Maßnahmen zur Verbesserung der Verkehrssicherheit beigetragen haben und wo die zukünftigen Schwerpunkte in der Verkehrssicherheitsarbeit liegen sollten.

Für die Evaluation wurden die stadtweite Unfallentwicklung sowie die lokale Entwicklung in Unfallhäufungsstellen analysiert, Detailanalysen und Bestandsaudits an Stellen mit realisierten Maßnahmen durchgeführt, die Wirksamkeit der umgesetzten Maßnahmen in einem Vorher-Nachher-Vergleich bewertet und Entwicklungen bzw. Trends für den Zeitraum 2004 bis 2015 herausgearbeitet. In der nun vorliegenden Broschüre werden die wesentlichen Ergebnisse zusammengefasst. Vertiefende Informationen können dem UDV-Forschungsbericht Nr. 51 "Evaluation des Verkehrssicherheitsprogramms Münster" entnommen werden. Alle Veröffentlichungen zum Projekt stehen Interessierten unter www.udv.de kostenfrei zum Download zur Verfügung.

Auszug aus der Zusammenfassung

Mit den Ergebnissen aus der Erststudie und der vorliegenden Evaluation liegt eine umfassende Grundlage für die Entwicklung von Maßnahmen und deren Wirkung auf das Unfallgeschehen in der Gesamtstadt Münster und in den Unfallhäufungsstellen vor. Über den Betrachtungsraum von zwölf Kalenderjahren hat sich das Unfallgeschehen in Münster verhältnismäßig wenig verändert. Die Unfälle mit Personenschaden sind im Vergleich der Untersuchungszeiträume 2013 – 2015 zu 2004 – 2006 um etwa sechs Prozent zurückgegangen.

Die Anzahl der Unfälle mit Radbeteiligung hat sich allerdings um 29 Prozent erhöht. Dabei ist die Anzahl der Alleinunfälle mit dem Rad um das Dreifache gestiegen. Das individuelle Unfallrisiko für die Bevölkerung hat sich im Untersuchungszeitraum deutlich reduziert. Die Bevölkerung ist im Betrachtungszeitraum um etwa 12 Prozent angewachsen, gleichzeitig ist das Unfallrisiko für die Unfälle mit Verletzten um etwa 15 Prozent gesunken.

Ohne Verbesserungen an den Unfallhäufungen wäre die Unfallbilanz für Münster insgesamt vermutlich deutlich schlechter ausgefallen. Daher ist weiterhin eine konsequente Verkehrssicherheitsarbeit notwendig. Diese sollte sich an dem konkreten Unfallgeschehen der in Münster bestehenden Unfallhäufungsstellen orientieren.

Generell sollen sich die geplanten Maßnahmen an den aktuellen Regelwerken orientieren und insbesondere auf die Vermeidung von typischen Knotenpunktunfällen (Abbiege-Unfälle und Einbiegen/Kreuzen-Unfälle) und dem Schutz der Risikogruppe der Radfahrer (ggf. der Fußgänger) ausgerichtet werden. Dabei haben sich insbesondere Maßnahmen der Änderung der Signalsteuerung wie gesicherte Abbiegeströme, Blockschaltungen für Fußgänger und Radfahrer oder die Aufgabe der Nachtabschaltung bewährt. Diese Art von Maßnahmen sollten verstärkt flächendeckend umgesetzt werden.

Neben den aus der Studie direkt ableitbaren Empfehlungen sollten möglichst noch vorhandene Dreiecksinseln mit Rechtabbiegefahrbahnen in die Signalisierung vollständig einbezogen oder zurückgebaut werden. Andere Studien der Unfallforschung der Versicherer legen nahe, den Radverkehr an Kreisverkehren möglichst auf der Fahrbahn im Mischverkehr zu führen. Zudem besteht auch weiterhin der Bedarf nach gezielten Verkehrssicherheitskampagnen zur Aufklärung und Sensibilisierung für besonders gefährliches Verkehrsverhalten. Der Polizei kommt darüber hinaus eine wichtige Rolle bei der Durchsetzung der Verkehrsregeln zu.

Allgemein wird dringend empfohlen, die für die Planung und Umsetzung von gezielten Maßnahmen zur kontinuierlichen Verbesserung der Verkehrssicherheit erforderlichen personellen und finanziellen Rahmenbedingungen zu schaffen. Die Politik muss sich deshalb nachhaltig, berechenbar und konsequent zu ausreichenden Investitionen in eine verkehrssichere Infrastruktur bekennen.