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Einführung der "Toxicity Charge" in London

Harte Maßnahmen zur Bekämpfung der Luftverschmutzung

Cycle Superhighway 2 in Stratford
Cycle Superhighway 2 in Stratford © Cmglee / Wikimedia

Einführung der "Toxicity Charge" (T-Charge) in London

Dieselfahrzeuge sind für mehr als die Hälfte aller Luftschadstoffe in der Londoner Innenstadt verantwortlich. Der Bürgermeister der britischen Hauptstadt will diese Verkehrsteilnehmer dazu bringen, weniger umweltverschmutzende Fahrzeuge zu benutzen und sich mit öffentlichen Verkehrsmitteln, zu Fuß oder mit dem Fahrrad fortzubewegen. Deshalb wurde am 23.10.2017 in London die zurzeit weltweit härteste Emissions-Abgabe für umweltverschmutzende Fahrzeuge eingeführt, um die toxische Luftverschmutzung wirksamer bekämpfen zu können.

Eine kürzlich durchgeführte Umfrage der British Heart Foundation ergab, dass 45 Prozent der Londonerinnen und Londoner wegen der gefährlichen Luftverschmutzung besorgt sind. Die Statistiker fanden heraus, dass 81 Prozent der Menschen in London glauben, dass die gegenwärtige Luftverschmutzung ihre Gesundheit gefährdet und mehr als ein Drittel deswegen nicht Joggen (37 Prozent) oder Radfahren (38 Prozent) würden. Die Forschung zeigt, dass sowohl langfristige als auch kurzfristige Verschmutzungsereignisse, bestehende Herzerkrankungen verschlimmern und das Risiko potenziell tödlicher Herzinfarkte oder Schlaganfälle bei gefährdeten Gruppen erhöhen können. Die Umfrage ergab auch, dass:

  • 94 Prozent der Menschen in der Hauptstadt denken, dass Londons derzeitige Luft sauberer werden muss,
  • fast ein Drittel (28 Prozent) der Londoner in der Stadt nicht draußen sitzen möchte,
  • einer von fünf (19 Prozent) Londonern wegen der Luftverschmutzung in den Hauptstraßen nicht einkaufen geht,
  • 17 Prozent der Londoner wegen der Luftverschmutzung keine lokalen Parkanlagen besuchen,
  • 12 Prozent sagen, dass die Verschmutzung sie vom Besuch der Londoner Sehenswürdigkeiten abhalten würde.

Die neue Toxizitätsgebühr (T-Charge) beläuft sich auf 10 Pfund und wird auf die schon bestehende Maut von 11,50 Pfund (Congestion Charge) aufgeschlagen, sodass Autofahrer mit einem Vor-Euro-4-Norm-Fahrzeug insgesamt 21,50 Pfund pro Tag zahlen müssen, wenn sie in die Londoner Innenstadt fahren wollen. Von der Maßnahme sind schätzungsweise bis zu 34.000 umweltschädliche Fahrzeuge pro Monat betroffen, also diejenigen, die weder die Euro-4-Standards - sowohl für PM- als auch für NOx-Emissionen - erfüllen. Von Januar bis Oktober 2017 haben diese umweltschädlichen Fahrzeuge in der Zone rund 2,6 Millionen Fahrten gemacht und damit wesentlich zur vergifteteten Luft in London beigetragen.

Der Bürgermeister von London, Sadiq Khan, hat nun die T-Charge eingeführt, um Londons extreme Luftverschmutzung zu bekämpfen. Außerdem sollen die Londoner damit auf die Einführung der 'Ultra Low Emission Zone' (ULEZ) vorbereitet werden, die 2019 eingefüht wird. Ab dann werden die Fahrzeuge betroffen sein, darunter alle Dieselfahrzeuge, die nicht den Euro-6-Standards entsprechen. Bürgermeiser Sadiq Khan verwies anlässlich der Einführung der T-Charge auf die laufende Umrüstung der städtischen Busflotte, die Abschaffung umweltschädlicher Taxen und die umweltgerechte Straßengestaltung, fordert aber flankierende Maßnahmen von der britischen Regierung, z. B. eine Diesel-Abwrack-Prämie und einen "Cleaner Air Act".

Die Londoner Verkehrsbehörde TfL wird die T-Charge kamerabasiert durch das Auslesen der Nummernschilder von Diesel- und Benzinfahrzeugen überwachen und durchsetzen.

Gareth Powell, 'Director of Strategy' bei TfL, sagte: "Wir sind an mehreren Fronten aktiv, um die Luftqualität in der Hauptstadt zu verbessern. Die T-Charge zeigt, dass London mit dem härtesten Umweltstandard einer Weltstadt die Führerschaft übernommen hat, die durch die Einführung der 'Ultra Low Emission Zone' (ULEZ) weiter gestärkt werden soll. Wir ermutigen die Menschen, unsere Initiativen zu würdigen und umweltfreundlichere Wege durch die Stadt zu finden. Die ergriffenen Maßnahmen bilden das Fundament, auf dem der ehrgeizige Plan des Bürgermeisters - für eine emissionsfreie Stadt bis 2050 - errichtet wird."

Die T-Charge ist nur eine der zahlreichen Maßnahmen, die zur Verbesserung der Luftqualität in London einführt werden. So werden die Mittel für die Bekämpfung der Luftverschmutzung auf 875 Millionen Pfund (in den nächsten fünf Jahren) verdoppelt und Vorschläge für einen londonweiten Euro-6-Standard für Schwerlastfahrzeuge im Jahr 2020 erarbeitet. Angedacht ist außerdem die Ausweitung der 'Ultra Low Emission Zone' (ULEZ) auf die nördlichen und südlichen Ringstraßen für Pkw, Transporter und Motorräder im Jahr 2021.